Der Druck steigt

Finanz und Wirtschaft - - MONITOR - STE­PHA­NIE LINDECK,

Die Wachs­tums­aus­sich­ten für die In­dus­trie- und Schwel­len­län­der drif­ten aus­ein­an­der, wie sich die­se Wo­che er­neut be­stä­tigt. Wäh­rend die USWirt­schaft im vier­ten Quar­tal 2013 kräf­tig ge­wach­sen ist, wur­de für Chi­na die Ein­trü­bung des von HSBC/Mar­kit ver­öf­fent­lich­ten vor­läu­fi­gen Ein­kaufs­ma­na­ger­index für das ver­ar­bei­ten­de Gewerbe be­stä­tigt. Der Stand von un­ter 50 si­gna­li­siert, dass die Mehr­heit der Her­stel­ler mit ei­ner Ver­schlech­te­rung der La­ge in den kom­men­den Mo­na­ten rech­nen.

Der heik­le Kon­junk­tur­aus­blick für die Schwel­len­län­der ist da­her auch ei­ne ge­eig­ne­te Er­klä­rung, war­um die Ent­schei­dung der USNo­ten­bank (Fed), mit der schritt­wei­sen Re­duk­ti­on der An­lei­hen­käu­fe fort­zu­fah­ren, über­wie­gend die Fi­nanz­märk­te in den Schwel­len­län­dern un­ter Druck setz­te, wäh­rend US-Staats­an­lei­hen leicht zu­leg­ten. Mit dem ein­stim­mi­gen Be­schluss– der erste seit Ju­ni 2011 – setz­te das Fed ein kla­res Zei­chen: So­lan­ge die wirt­schaft­li­che La­ge in den USA sta­bil bleibt, ist da­mit zu rech­nen, dass die An­lei­hen­käu­fe gra­du­ell zu­rück­ge­fah­ren und im Sep­tem­ber/Ok­to­ber 2014 ganz be­en­det wer­den.

Schwel­len­län­der in der De­fen­si­ve – EZB bald wie­der in Zug­zwang?

In der De­fen­si­ve

Die wei­te­re Re­duk­ti­on der An­lei­hen­käu­fe durch das Fed hat die Ka­pi­tal­flucht aus den Schwel­len­län­dern auf brei­ter Front ver­stärkt, was zu mas­si­ven Ab­wer­tun­gen der lo­ka­len Wäh­run­gen führ­te. Al­ler­dings sind die Ve­rän­de­run­gen in der US-Geld­po­li­tik bei wei­tem nicht aus­rei­chend, um dies zu er­klä­ren. Viel­mehr rü­cken fun­da­men­ta­le Fak­to­ren ver­stärkt in den Fo­kus in­ter­na­tio­na­ler An­le­ger. Vor al­lem Län­der, die ho­he Leis­tungs­bi­lanz­de­fi­zi­te ha­ben und da­her stark von re­gel­mäs­si­gen Ka­pi­tal­zu­flüs­sen aus dem Aus­land ab­hän­gen, ge­ra­ten un­ter Druck. Be­son­ders an­fäl­lig sind Wäh­run­gen dann, wenn die Leis­tungs­bi­lanz­de­fi­zi­te nicht durch län­ger­fris­ti­ges, stra­te­gisch an­ge­leg­tes Ka­pi­tal aus­län­di­scher Di­rekt­in­ves­ti­tio­nen aus­ge­gli­chen wer­den, son­dern nur durch flüch­ti­ge Port­fo­li­o­an­la­gen.

Ei­ne ho­he und schnell stei­gen­de kurz­fris­ti­ge Aus­land­ver­schul­dung, wie bei der Tür­kei, ver­schärft das Pro­blem. Die Ka­pi­tal­flucht aus den Schwel­len­län­dern setzt vor­nehm­lich die Zen­tral­ban­ken un­ter Druck. Sie se­hen sich vor dem Di­lem­ma, ent­we­der die Zin­sen in Zei­ten oh­ne­hin schwä­che­ren Wachs­tums an­he­ben zu müs­sen oder die Wäh­rung ab­zu­wer­ten und ei­ne Zah­lungs­bi­lanz­kri­se zu ris­kie­ren. Die Zen­tral­ban­ken Bra­si­li­ens, In­di­ens, der Tür­kei und Süd­afri­kas – de­ren Zah­lungs­bi­lanz­si­tua­ti­on als be­son­ders kri­tisch gilt – ha­ben sich für Zins­er­hö­hun­gen ent­schie­den. Aber auch die Wäh­run­gen der Trans­for­ma­ti­ons­län­der Po­len und Un­garn ge­ra­ten un­ter Druck, ein An­ste­ckungs­ef­fekt.

De­fla­ti­ons­ängs­te

Eben­so muss­ten der me­xi­ka­ni­sche Pe­so oder der ko­rea­ni­schen Won Ver­lus­te hin­neh­men, ob­wohl in die­sen Län­dern die fun­da­men­ta­le La­ge nicht als pre­kär gilt. Im Ge­gen­satz zu Süd­afri­ka und zur Tür­kei weist Un­garn Leis­tungs­bi­lanz­über­schüs­se aus, ist al­so nicht von Aus­lands­ka­pi­tal ab­hän­gig.

Die Be­we­gun­gen des Forint sind da­her eher Aus­druck der all­ge­mei­nen Ri­si­ko­scheu, der an­ge­spann­ten po­li­ti­schen La­ge und der schritt­wei­sen Zins­sen­kung der un­ga­ri­schen Zen­tral­bank in den letz­ten Mo­na­ten. Sie ste­hen nicht et­wa für ei­ne Ver­schlech­te­rung der Fun­da­men­tal­da­ten. Wir blei­ben für die un­ga­ri­sche Wäh­rung op­ti­mis­tisch. Für ei­nen Ein­stieg in Schwel­len­län­der­an­lei­hen scheint es in­des zu früh.

Die eu­ro­päi­schen Ak­ti­en- und An­lei­hen­märk­te stei­gen, seit deut­li­cher wird, dass die Wirt­schaft schritt­wei­se wächst. Das Ver­trau­en im Eu­ro­raum hat im Ja­nu­ar den neun­ten Mo­nat in Fol­ge zu­ge­nom­men. Die Kon­junk­tur in der Eu­ro­zo­ne fasst Fuss, aber die Eu­ro­päi­sche Zen­tral­bank (EZB) ge­rät zu­neh­mend un­ter Druck, der De­fla­ti­ons­ge­fahr ent­ge­gen­zu­wir­ken. Die In­fla­ti­on in der Eu­ro­zo­ne be­trägt nach vor­läu­fi­gen Schät­zun­gen nur 0,7%. So­wohl der Dax als auch der Eu­ro Sto­xx 50 san­ken auf den nied­rigs­ten Stand seit Jah­res­be­ginn. Soll­te die In­fla­ti­ons­ra­te die nächs­ten Mo­na­te wei­ter sin­ken, stie­ge der Druck auf die EZB, die Zin­sen er­neut zu sen­ken.

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