En­de des Gold­aus­ver­kaufs

Finanz und Wirtschaft - - ROHSTOFFE/DERIVATIVE INSTRUMENTE - CHRIS­TOPH BUCH­MANN

DGros­se Tei­le der Nach­fra­ge nicht sicht­bar – Os­ten ak­ku­mu­liert wei­ter

er Goldpreis os­zil­liert zwi­schen den Ein­flüs­sen der Fi­nanz­welt und der rea­len Welt. An­ge­bot und Nach­fra­ge sind für die Preis­ge­stal­tung ver­ant­wort­lich. Das Pri­mär­an­ge­bot in Gold sta­gniert seit fünf Jah­ren um 2800 Ton­nen pro Jahr. Die Nach­fra­ge nach phy­si­schem Gold ist stark stei­gend. Trotz­dem sinkt der Preis des Gol­des seit über zwei Jah­ren.

Wie ist die­se Ent­wick­lung mög­lich? Ei­ne gu­te Ant­wort lie­fert die Mi­gra­ti­on der glo­ba­len Gold­be­stän­de. Auch im lau­fen­den Gold­zy­klus ver­la­gern sich die Be­stän­de in sol­che Län­der, die im Ka­pi­tal­auf­bau be­grif­fen sind – das heisst, Gold fliesst vom Wes­ten in den Os­ten. Der has­ti­ge Ver­kauf der ei­ge­nen La­ger durch den Wes­ten ist die zu­sätz­li­che Qu­el­le des An­ge­bots, die den Goldpreis be­las­tet. Wann ist die­ser Aus­ver­kauf ab­ge­schlos­sen? Wo steht der Markt im Zy­klus der Um­la­ge­rung in den Os­ten?

Wie bei der Be­trach­tung ei­nes Eis­bergs sieht der Gold­ana­lyst nur den klei­ne­ren Teil des Ge­samt­mark­tes. Sicht­bar sind ers­tens die La­ger­hal­tung der Zen­tral­ban­ken, zwei­tens das Ni­veau aus­ste­hen­der ETF und drit­tens die an der Comex öf­fent­lich hin­ter­leg­ten Be­stän­de. Wie ver­än­dern sich die Gold­la­ger?

Die Re­ser­ven der Zen­tral­ban­ken zei­gen die West-Ost-Ten­denz deut­lich: Die Zen­tral­ban­ken Asi­ens kau­fen am Markt und vom In­ter­na­tio­na­len Wäh­rungs­fonds (IWF), wie et­wa In­di­en. Die west­li­chen Zen­tral­ban­ken sit­zen still. Das Ge­wicht ver­schiebt sich zu­guns­ten des Os­tens im Aus­mass von ca. 450 Ton­nen pro Jahr.

Der Gold­be­stand in west­li­chen ETF (bör­sen­ge­han­del­ten Fonds) ist vom Höchst En­de 2012 bis heu­te um ein Drit­tel oder 900 Ton­nen Gold ge­sun­ken. Der Ver­kauf wei­te­rer 500 Ton­nen ist je nach Bör­sen­um­feld mög­lich.

Die re­gis­trier­ten Be­stän­de am Ter­min­markt Comex lie­gen mit un­ter 0,4 Mio. Unzen auf ei­nem lang­jäh­ri­gen Re­kord­tief. Nur ei­ne von zwei­hun­dert Unzen an Open In­te­rest ist noch mit phy­si­schem Gold hin­ter­legt. In den bes­ten Zei­ten zwi­schen 2005 bis 2007 be­trug die Hin­ter­le­gung 4 Mio. Unzen.

Das Gold aus den ETF und den Comex-Ver­käu­fen ist wohl nach Asi­en ge­flos­sen. Dies las­sen Aus­sa­gen der Raf­fi­n­eu­re so­wie die Zoll­sta­tis­ti­ken er­ah­nen. Al­lein am Zoll zwi­schen Hong­kong und Chi­na hat Chi­na 2013 über 1100 Ton­nen Gold im­por­tiert. In­di­en dürf­te 2013 auf ver­schie­de­nen We­gen ca. 750 Ton­nen ein­ge­führt ha­ben. Die Ei­gen­pro­duk­ti­on Chi­nas für 2013 be­trägt um 400 Ton­nen. Wenn al­so schon die mess­ba­ren Grös­sen – ins­ge­samt ca. 2700 Ton­nen – des Eis­bergs die Jah­res­neu­pro­duk­ti­on ega­li­sie­ren, dann wird klar, dass die Ver­schie­bun­gen der Gold­be­stän­de ein gros­ses Aus­mass an­neh­men. Ein En­de die­ser Trends ist nicht ab­zu­se­hen.

Was be­deu­tet dies nun für den Goldpreis? Das an der Comex hin­ter­leg­te Gold ist auf ei­nem Mi­ni­mum an­ge­kom­men. Die Be­stän­de der ETF könn­ten noch­mals sin­ken, wohl et­wa im Aus­mass wei­te­rer Zen­tral­bank­käu­fe. Struk­tu­rell sind die­se Ent­wick­lun­gen viel­ver­spre­chend für ei­nen An­stieg des Gold­prei­ses.

Der un­sicht­ba­re Teil des Eis­bergs muss sei­ne Nach­fra­ge aus den west­li­chen Be­stän­den be­frie­di­gen. Die­se La­ger sin­ken aber schnell. Der Os­ten wird wei­ter ak­ku­mu­lie­ren wol­len, al­ler­dings dürf­ten mit den da­hin­schmel­zen­den La­ger­be­stän­den die Prei­se nicht mehr wei­ter sin­ken.

Ab­hän­gig von zu­sätz­li­chen ma­kro­öko­no­mi­schen Fak­to­ren en­det die Bo­den­bil­dung im Goldpreis schnell oder zieht sich da­hin. Lang­fris­ti­ge In­ves­to­ren tun es am bes­ten den öst­li­chen In­ves­to­ren gleich – sie ak­ku­mu­lie­ren.

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