Wes­ten Top, Os­ten Flop

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE - GM

Das Kon­zept der Markt­brei­te lässt sich nicht nur auf Ein­zel­ti­tel an­wen­den (vgl. Haupt­text), son­dern auch auf Sek­to­ren und Län­der. Be­fin­det sich die Mehr­heit an Bran­chen oder Bör­sen­plät­zen im Auf­wind, droht der Hausse kaum Ge­fahr. Mit zu­neh­men­der Rei­fe ei­nes Trends nimmt je­doch die Se­lek­ti­vi­tät zu re­spek­ti­ve die Markt­brei­te ab. Will heis­sen: Die markt­brei­ten In­di­zes wer­den nur noch von we­ni­gen Sek­to­ren oder Bör­sen­plät­zen ge­tra­gen. Bre­chen die­se ein, droht den Leit­in­di­zes Un­ge­mach.

Mes­sen lässt sich die Markt­brei­te un­ter an­de­rem an der An­zahl Bör­sen, die über ih­rem glei­ten­den Durch­schnitt von 200 Ta­gen no­tie­ren. «Fi­nanz und Wirt­schaft» hat die Pro­be aufs Ex­em­pel ge­macht und die wich­tigs­ten Bör­sen­plät­ze der Welt auf die­ses Kri­te­ri­um ge­prüft. Von den 38 un­ter­such­ten In­di­zes be­fin­den sich ge­gen­wär­tig 23 über der 200-Ta­ge-Li­nie – das ent­spricht ei­nem An­teil von rund 60%. Die un­ten­ste­hen­de Ta­bel­le zeigt ei­ne Aus­wahl.

Die La­ge wird spä­tes­tens dann kri­tisch, wenn we­ni­ger als die Hälf­te der Bör­sen im Auf­wärts­trend ist. Da­von ist der Wel­t­ak­ti­en­markt noch ein Stück weit ent­fernt.

Er­staun­lich ist die Tie­fe des Gr­a­bens zwi­schen In­dus­trie- und Schwel­len­län­dern. Trotz der jüngs­ten Tur­bu­len­zen be­fin­den sich bis auf den eng­li­schen, den aus­tra­li­schen und den ja­pa­ni­schen Ak­ti­en­markt sämt­li­che Bör­sen der west­li­chen Welt im Auf­wärts­trend, wäh­rend in den Emer­ging Mar­kets nur ge­ra­de In­di­en, Tai­wan, Süd­afri­ka, Po­len und Tsche­chi­en haus­sie­ren. Al­le an­de­ren Schwel­len­län­der­bör­sen ten­die­ren ab­wärts oder durch­lau­fen zu­min­dest ei­ne grös­se­re Kon­so­li­die­rung.

Bei al­lem Ver­ständ­nis für die fun­da­men­ta­len Ur­sa­chen die­ses Aus­ein­an­der­drif­tens ist ei­nes klar: Sol­che Di­ver­gen­zen dau­ern er­fah­rungs­ge­mäss nicht ewig. Ent­we­der bes­sert sich die La­ge in den Schwel­len­län­dern, und die dor­ti­gen Bör­sen set­zen zu ei­ner Auf­hol­jagd an, oder die In­dus­trie­län­der fol­gen den Emer­ging Mar­kets und bre­chen ein. Das Mus­ter aus ver­gan­ge­nen Zy­klen spricht für Letz­te­res. Be­vor es so weit ist, dürf­te es an den west­li­chen Bör­sen noch zu ei­nem letz­ten Hur­ra kom­men.

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