Wie en­den Bul­len­märk­te?

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE - AL­FONS COR­TÉS

Bör­sen stei­gen und fal­len. Das wis­sen al­le – und (fast) al­le wer­den trotz­dem ner­vös, wenn die Kur­se sin­ken. Kein Wun­der, fal­len sie meis­tens schnel­ler, als sie stei­gen. Die Ur­sa­che für die ge­gen­wär­ti­gen Rück­schlä­ge wird in der Wäh­rungs- und Kurs­schwä­che der Schwel­len­län­der ge­se­hen. Ty­pisch Bör­se, bin ich ver­sucht zu sa­gen. Bei­des ist nicht neu, son­dern nur über drei Jah­re aus­ge­blen­det wor­den.

In die­ser Hin­sicht ist ei­ne Ge­gen­über­stel­lung des MSCI-Welt­in­de­xes, in dem in vier­zehn Wäh­run­gen de­no­mi­nier­te Ak­ti­en in Dol­lar aus­ge­wie­sen wer­den, mit dem MSCI Emer­ging Mar­kets auf Dol­lar­ba­sis auf­schluss­reich. Letz­te­rer ist seit De­zem­ber 2010 kon­ti­nu­ier­lich re­la­tiv zu Ers­te­rem ge­fal­len. Der MSCI Em­Ma sank 19,5%, der MSCI Welt stieg in der glei­chen Zeit 22,8%. Die­se Di­ver­genz wird nun plötz­lich als Pro­blem ta­xiert.

Wenn He­te­ro­ge­ni­tät zählt

Die Schwä­che der so ge­nann­ten Emer­ging Mar­kets ist in der Tat ein Fak­tor, der die für ro­bus­te Bul­len­märk­te so wich­ti­ge Ho­mo­ge­ni­tät der Er­war­tun­gen be­ein­träch­tigt. Un­ter an­de­rem ist die­ser Sach­ver­halt an ei­nem ein­fa­chen Ver­gleich dar­stell­bar: Nur 53,2% al­ler Ak­ti­en im MSCI Welt no­tie­ren über ih­rem viel be­ach­te­ten Zehn­mo­nats­durch­schnitt. In den USA sieht es mit 56,1% und in Eu­ro­pa mit 63,8% et­was bes­ser aus.

Die­se und et­li­che an­de­re Da­ten zei­gen, dass die Ho­mo­ge­ni­tät der Markt­struk­tur über­all ab­ge­nom­men hat. He­te­ro­ge­ne Struk­tu­ren ge­hen Bais­se­märk­ten vor­aus. Um das zu il­lus­trie­ren, grei­fe ich auf ei­ne al­te Kolumne vom 2. Fe­bru­ar 2000 zu­rück: «In ei­nem Jahr stieg der S&P 500 um rund 9%. Das ist ei­nem An­stieg des Tech­no­lo­gie- und des Ka­pi­tal­gü­ter­sek­tors im S&P 500 um 61% resp. 6,6% zu ver­dan­ken. Al­le an­de­ren Sek­to­ren blie­ben ent­we­der sta­bil oder ver­lo­ren er­heb­lich. His­to­risch ge­se­hen war ei­ne sol­che Kon­zen­tra­ti­on ei­nes nur über hö­he­re Kur­se zu be­frie­di­gen­den Nach­fra­ge­über­hangs auf we­ni­ge Sek­to­ren und Ti­tel im­mer der Vor­läu­fer schar­fer Kor­rek­tu­ren oder so­gar län­ger an­hal­ten­der Bais­se­märk­te.

Der Volks­mund sag­te frü­her, dass wei­se An­le­ger die letz­ten 10% ei­ner Hausse an­de­ren ver­schen­ken wür­den. Es könn­te sehr wohl sein», schrieb ich in der da­ma­li­gen Kolumne, «dass die 9%-Zu­ga­be des S&P 500 in den ver­gan­ge­nen zwölf Mo­na­ten die­se letz­ten 10% dar­stel­len.» Im März 2000 setz­te dann die erste gros­se Bais­se des neu­en Jahr­hun­derts ein.

Sol­che Di­ver­gen­zen sind die Re­gel vor gros­sen Bä­ren­märk­ten. Die ak­tu­el­len Di­ver­gen­zen sind höchst­wahr­schein­lich noch zu frisch, um ei­nen Bä­ren­markt er­war­ten zu las­sen.

Auf die Er­ho­lung ach­ten!

Ent­schei­dend wird sein, wie die Er­ho­lung nach En­de der jet­zi­gen Markt­schwä­che ver­lau­fen wird. Nimmt dann­zu­mal die He­te­ro­ge­ni­tät der Markt­struk­tur zu, kann es noch re­gio­nal oder sek­t­o­ri­ell po­si­ti­ve ho­mo­ge­ne Märk­te ge­ben, de­ren Trends aber deut­lich er­eig­nis­ab­hän­gi­ger wä­ren als seit Herbst 2011 in Eu­ro­pa und seit März 2009 in den USA. Da­mit wür­de auch der An­fang vom En­de des Bul­len­mark­tes ein­ge­läu­tet. Bis es so weit ist, stu­fe ich die neu­es­ten Rück­schlä­ge als se­kun­dä­re Ab­wärts- im Rah­men pri­mä­rer Auf­wärts­trends ein.

Wer lang­fris­tig an der Bör­se gu­tes Geld ver­die­nen will, muss sich dar­auf be­schrän­ken, die pri­mä­ren Trends zu spie­len. Ich de­fi­nie­re pri­mä­re Trends als Kurs­ver­läu­fe in­ner­halb der 20-Mo­na­teBol­lin­ger-Bän­der. Die Vor­weg­nah­me von Trend­wen­den und Ver­su­che, Rück­schlä­gen in pri­mä­ren Trends aus­zu­wei­chen, ge­hö­ren zu den häu­figs­ten Feh­lern; die gilt es jetzt zu ver­mei­den. Die Mei­nung des Au­tors muss nicht mit der der Re­dak­ti­on über­ein­stim­men. Im Jahr 2013 muss­ten Gold-ETF auf­grund von Mit­tel­ab­flüs­sen 850 Ton­nen Gold oder fast 40% ih­res Ge­samt­be­stan­des zu­rück­ge­ben. Der An­ge­bots­über­hang scheint ab­sor­biert zu sein. Im Ja­nu­ar gab es nur Ab­flüs­se von 0,3% des ge­sam­ten Vo­lu­mens. Ja, es gibt zwei Gold­märk­te, ei­ner­seits den Pa­pier­markt mit Fu­tures oder ETF, an­der­seits den phy­si­schen Markt mit Bar­ren und Mün­zen. In Asi­en ist phy­si­sches Edel­me­tall ge­fragt. Im ver­gan­ge­nen April, als der Preis ab­stürz­te, wur­den Fu­tures im Wert von Mil­lio­nen Unzen Gold in Se­kun­den auf den Markt ge­wor­fen. Es gibt In­di­zi­en, dass dies ge­macht wur­de, um das phy­si­sche Gold güns­ti­ger kau­fen zu kön­nen. Es macht sonst kei­nen Sinn, in Se­kun­den über Fu­tures ei­ne hal­be Jah­res­pro­duk­ti­on ab­zu­stos­sen. Im De­zem­ber wur­de noch­mals die Mar­ke von 1200 $ je Un­ze ge­tes­tet. Auf die­sem Ni­veau kommt je­weils phy­si­sche Nach­fra­ge aus dem Os­ten. Es sieht so aus, dass das phy­si­sche Gold von Wes­ten nach Os­ten geht. Be­son­ders die Chi­ne­sen kau­fen mas­siv zu, oh­ne sie wä­re der Goldpreis wohl schon un­ter 1000 $ je Un­ze ge­fal­len. Da­zu muss man ver­ste­hen, was seit Be­ginn des Bul­len­markts pas­siert ist. Von 2000 bis 2012 ist der durch­schnitt­li­che Goldpreis je­des Jahr ge­stie­gen, das war nicht nor­mal. Die Ma­na­ger be­gan­nen, in Fan­ta­si­en zu schwel­gen. Das war die Keim­zel­le für schlech­te Ent­schei­dun­gen. Man för­der­te über­all Gold. Vor zehn Jah­ren wur­den 2,6 Gramm pro Ton­ne Erz pro­du­ziert, heu­te sind es 1,1 Gramm. Die Ma­na­ger schau­ten nicht auf die Kos­ten. spre­che wie­der von Bar­rick Gold. Die Ge­sell­schaft hat bis­her mit ei­nem Goldpreis von 1300 bis 1500 $ je Un­ze ge­rech­net. Es wür­de mich nicht er­stau­nen, wenn sie sa­gen, dass sie neu von ei­nem Preis von 1100 $ aus­ge­hen und dem­ent­spre­chend die Re­ser­ven ab­wer­ten müs­sen. Aber ich glau­be, sehr viel ist nach dem Rück­gang schon in den Ak­ti­en­kur­sen es­komp­tiert. Ein Bei­spiel da­für ist das Pro­jekt Pas­cuaLa­ma, das Bar­rick Gold auf die Sei­te ge­scho­ben hat. Vie­le Un­ter­neh­mens­chefs kom­mu­ni­zie­ren klar, dass sie Mi­nen schlies­sen wer­den, wenn der Goldpreis un­ter 1100 $ je Un­ze fal­len soll­te.

«Die Ma­na­ger der Mi­n­en­ge­sell­schaf­ten wur­den grös­sen­wahn­sin­nig. Jetzt hat der Markt ih­nen das Mes­ser an den Hals ge­setzt.»

Ja, Bank­kre­di­te kann man zur­zeit ver­ges­sen. Ei­ne viel ge­nutz­te Fi­nan­zie­rungs­mög­lich­keit ist ak­tu­ell die über Royal­ty­Ge­sell­schaf­ten wie Fran­co Ne­va­da, die Geld vor­schies­sen und da­für von den Mi­nen den Stream er­hal­ten, das pro­du­zier­te Edel­me­tall. Sol­che Ge­sell­schaf­ten ha­ben zur­zeit die schöns­te Auf­ga­be in der Bran­che, Fran­co Ne­va­da bil­det in un­se­rem Fonds die viert­gröss­te Po­si­ti­on. Gold­corp ist ei­ne star­ke Ge­sell­schaft. Im Sek­tor gibt es aber nur noch ei­ne Hand­voll da­von. Dar­um glau­be ich nicht, dass wir al­le Mo­na­te Über­nah­men se­hen wer­den. Ich er­war­te auch nicht, dass die Star­ken, zu de­nen auch Ya­ma­na Gold oder Rand­gold Re­sour­ces zäh­len, sich die Ob­jek­te ab­ja­gen. Osis­ko hat Gold­corps An­ge­bot ja als viel zu tief de­kla­riert. Dass da aber ein Weis­ser Rit­ter auf­taucht und mehr bie­tet, hal­te ich für un­wahr­schein­lich.

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