Ak­ti­en Eu­ro­pa

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE - NÜNLIST IN­VEST­MENT MA­NAGE­MENT ROTH­SCHILD & CIE GES­TI­ON INTERVIEW: ANDRE­AS KÄ­LIN

«Er­le­ben wir die Trend­wen­de, oder ist es die von vie­len er­war­te­te Kor­rek­tur? Ei­ner­seits war da­mit zu rech­nen, dass die Fir­m­en­er­geb­nis­se nicht mehr so po­si­tiv sind wie in den Vor­quar­ta­len. An­de­rer­seits soll­te die schwie­rig ein­zu­schät­zen­de Si­tua­ti­on in der Tür­kei und in Ar­gen­ti­ni­en nun in den Kur­sen be­rück­sich­tigt sein. Ei­ne Ge­gen­be­we­gung ist an­ge­bracht. Die wirt­schaft­li­che Er­ho­lung fällt zwar mo­de­rat aus, aber sie ist in­takt. Zu­dem ist ei­ne Nor­ma­li­sie­rung der Kre­dit­ver­ga­be im EURaum zu be­ob­ach­ten. Ver­schlech­tert ha­ben sich lei­der ein­zig die tech­ni­schen In­di­ka­to­ren. So­ge­nann­te Un­ter­stüt­zungs­li­ni­en wur­den un­ter­schrit­ten. Das ver­hin­dert ei­ne nach­hal­ti­ge Er­ho­lung, die Fol­ge sind Ge­winn­mit­nah­men. Wir fo­kus­sie­ren uns bei Neu­an­la­gen auf de­fen­si­ve­re und grös­ser ka­pi­ta­li­sier­te Wer­te von Un­ter­neh­men mit ho­hem Cash­flow, so BASF, Hen­kel, Ger­res­hei­mer, und AstraZe­ne­ca. Ri­si­ko­fä­hi­ge­ren emp­feh­len wir Vo­da­fo­ne und Lu­xot­ti­ca.» mit BBB-Ra­tings. Aus­ser­dem ist die Du­ra­ti­on ent­schei­dend. Kur­ze Lauf­zei­ten sind zu mei­den, denn die Ren­di­ten sind zu nied­rig. Glei­ches gilt für das lan­ge En­de der Kur­ve, des­sen Du­ra­ti­on für die ge­rin­ge zu­sätz­li­che Ri­si­ko­prä­mie zu hoch ist. Das bes­te Pro­fil bie­ten Pa­pie­re mit ei­ner Lauf­zeit von drei bis fünf Jah­ren. Sie wei­sen ein op­ti­ma­les Ver­hält­nis zwi­schen Ren­di­te und Sen­si­ti­vi­tät auf und mi­ni­mie­ren so das mit ei­nem Ren­di­te­an­stieg ver­bun­de­ne Ri­si­ko.» Ja, die Mi­nen­ma­na­ger hat­ten die Na­se hoch oben. Sie wur­den grös­sen­wahn­sin­nig. Jetzt hat der Markt ih­nen das Mes­ser an den Hals ge­setzt. Seit der Goldpreis 2011 das Höchst er­reich­te, ha­ben die Ti­tel der gros­sen Pro­du­zen­ten zwei Drit­tel und die der klei­nen neun Zehn­tel ver­lo­ren. Es braucht nun ein to­ta­les Um­den­ken. Das Köp­fe­rol­len in der Bran­che be­gann schon 2012. In den Un­ter­neh­men, auf die sich un­ser Fonds fo­kus­siert, sind seit­her fast 40% der Ma­na­ger aus­ge­wech­selt wor­den. Das ha­be ich noch nir­gend­wo er­lebt, aber es ist nö­tig. Bei Bar­rick lie­fen die Kos­ten aus dem Ru­der. So hiess es vor sechs Jah­ren, das Pro­jekt Pas­cua-La­ma an der Gren­ze von Ar­gen­ti­ni­en zu Chi­le wer­de 2,5 Mrd. $ kos­ten, nun ha­ben sie schon 6 Mrd. $ da­für aus­ge­ge­ben. Wä­re der Goldpreis nicht ein­ge­bro­chen, wä­re al­les noch schlim­mer ge­kom­men. Dank dem er heu­te tie­fer ist, trennt sich bei den Ma­na­gern nun die Spreu vom Wei­zen. Es kommt auf das Um­feld an. Zur­zeit ach­ten wir vor al­lem dar­auf, dass die Bi­lanz ge­sund ist. Die Ei­gen­ka­pi­tal­quo­te soll­te idea­ler­wei­se 50% und mehr be­tra­gen. Wer zu viel Fremd­ka­pi­tal hat, wird Pro­ble­me be­kom­men, wenn der Goldpreis doch Rich­tung 1000 $ je Un­ze geht. Vor dem Hin­ter­grund hat Bar­rick Gold im De­zem­ber ei­ne Ka­pi­tal­er­hö­hung durch­ge­führt. Wir su­chen Ge­sell­schaf­ten mit ei­ner ge­sun­den Bi­lanz, ei­nem frei­en Cash­flow und ei­nem Pro­duk­ti­ons­wachs­tum. Da blei­ben nicht vie­le üb­rig. Über die letz­ten fünf­zehn Jah­re wur­den 1,2 Mrd. Unzen pro­du­ziert. Aber nur 800 Mio. hat man durch neue Vor­kom­men er­setzt. Der­lei Be­gehr­lich­kei­ten sind ein gros­ses Pro­blem, vor al­lem in Latein­ame­ri­ka. Me­xi­ko ver­dop­pelt die Steu­ern auf Ge­win­ne aus der Edel­me­tall­för­de­rung. Ein an­de­rer Fall ist In­do­ne­si­en, das zu­erst so­gar ein Ex­port­ver­bot ver­hän­gen woll­te, nun aber nur die Steu­ern her­auf­ge­setzt hat. Free­port-McMoRan mit ih­rer Gras­ber­gMi­ne wird da ein Pro­blem er­hal­ten. We­ni­ger pro­ble­ma­tisch ist die La­ge in Zentralafrika. Rand­gold Re­sour­ces ist in dem Ge­biet der gröss­te För­de­rer. Wie CEO Mark Bris­tow uns sag­te, hat er da nie ei­ne Ver­staat­li­chung er­lebt, die Zu­sam­men­ar­beit mit den Re­gie­run­gen funk­tio­niert gut. Da­zu braucht es vor al­lem ei­nen stei­gen­den Goldpreis. In Zei­ten von Wäh­rungs­tur­bu­len­zen, wie sie zur­zeit in den Schwel­len­län­dern zu be­ob­ach­ten sind, hat Gold meis­tens pro­fi­tiert. Wich­tig ist auch, dass un­ter den Ma­na­gern der Mi­nen­un­ter­neh­men ein Um­den­ken statt­fin­det und sie die Pro­jek­te re­di­men­sio­nie­ren. Dann wer­den sich die Mar­gen wie­der aus­wei­ten. Mei­nes Erach­tens wird 2014 ein Über­gangs­jahr sein. Aber in den nächs­ten Mo­na­ten soll­te man in den Sek­tor in­ves­tie­ren, um 2015 die Ern­te ein­zu­fah­ren. Dreht der Goldpreis nach oben, wer­den auch stär­ker ver­schul­de­te Un­ter­neh­men wie New­mont Mi­ning oder Ang­lo­Gold As­han­ti Luft be­kom­men. Die­se ex­trem tief be­wer­te­ten Ak­ti­en wer­den dann ein be­son­ders gros­ses Auf­hol­po­ten­zi­al ha­ben.

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