Zu­neh­mend fros­tig

Finanz und Wirtschaft - - MONITOR - ALES­SAN­DRO FEZZI,

Die ver­gan­ge­nen Ta­ge sa­hen sich die An­le­ger mit ei­ner wit­te­rungs­be­ding­ten Kon­junk­tur­del­le in den USA, viel­fach durch­wach­se­nen Un­ter­neh­mens­er­geb­nis­sen, De­fla­ti­ons­sor­gen in der Eu­ro­zo­ne und ei­nem am Ho­ri­zont be­droh­lich auf­blit­zen­den Kri­sen­sze­na­rio in ei­ni­gen Schwel­len­län­dern kon­fron­tiert. Die Ri­si­ko­aver­si­on an den Fi­nanz­märk­ten nimmt da­mit zu und die Ak­ti­en­märk­te re­agie­ren zu­neh­mend emp­find­lich auf Ent­täu­schun­gen.

Ei­ne fros­ti­ge Über­ra­schung lie­fer­te der ISM-Ein­kaufs­ma­na­ger­index, ei­ner der meist­be­ach­te­ten In­di­ka­to­ren an den Fi­nanz­märk­ten. Den Um­fra­ge­er­geb­nis­sen zu­fol­ge, hat sich das Wachs­tum in der US-In­dus­trie zu Jah­res­be­ginn deut­lich ab­ge­schwächt. Das Ak­ti­vi­täts­ba­ro­me­ter fiel auf den tiefs­ten Stand seit Mai 2013 und in­di­ziert da­mit ein ver­lang­sam­tes Ex­pan­si­ons­tem­po der welt­gröss­ten Volks­wirt­schaft.

Ri­si­ko­aver­si­on nimmt zu – Ak­ti­en­märk­te re­agie­ren emp­find­lich

USA im Käl­te­schock

Nach­dem das Be­schäf­ti­gungs­wachs­tum in den USA En­de 2013 auf­grund der ex­tre­men Käl­te­wel­le und hef­ti­ger Schnee­fäl­le mit 74 000 neu­en Jobs deut­lich schwä­cher aus­fiel als von Ana­lys­ten mit knapp 200 000 pro­gnos­ti­ziert, er­war­ten die Fi­nanz­märk­te mit Span­nung die Sta­tis­tik für den Ja­nu­ar von En­de die­ser Wo­che. Dies­mal ver­spricht der Kon­sen­sus ei­nen kräf­ti­gen Zu­wachs von 185 000 neu ge­schaf­fe­nen Ar­beits­plät­zen. Die nicht im­mer aus­sa­ge­kräf­ti­ge Ar­beits­lo­sen­quo­te dürf­te den Pro­gno­sen zu­fol­ge mit 6,7% auf dem tiefs­ten Ni­veau seit Ok­to­ber 2008 ver­har­ren.

Die Eu­ro­päi­sche Zen­tral­bank (EZB) dürf­te sich im Mo­ment we­ni­ger um die Kon­junk­tur­er­ho­lung im Eu­ro­raum sor­gen – die­se scheint wei­ter­hin auf Kurs zu sein. Viel­mehr rich­tet sie ihr Au­gen- merk ver­stärkt auf die De­fla­ti­ons­ri­si­ken. Mit ge­ra­de mal 0,7% liegt die In­fla­ti­ons­ra­te in der Eu­ro­zo­ne mas­siv un­ter dem von der EZB an­ge­peil­ten Ziel­wert von knapp 2%. In Ita­li­en er­reich­te die Teue­rungs­ra­te mit 0,6% den tiefs­ten Stand seit über vier Jah­ren. Die EZB muss die Preis­sta­bi­li­tät in bei­de Rich­tun­gen ver­tei­di­gen und wird bei de­fla­tio­nä­ren Ten­den­zen laut No­ten­bank­chef Ma­rio Draghi auch ent­schie­den ein­grei­fen.

Die über­wie­gen­de Mehr­heit der Ana­lys­ten geht aber vor­erst nicht da­von aus, dass die EZB be­reits mor­gen Don­ners­tag an der Zins­schrau­be dreht. Draghi wird hof­fen, dass sich die Wirt­schaft in den Eu­ro­län­dern wei­ter er­holt und Eu­ro­pa trotz ho­her Ar­beits­lo­sig- keit und ei­ner zu­rück­hal­ten­den Kre­dit­ver­ga­be nicht doch noch in die De­fla­ti­ons­fal­le ge­rät.

Er­nüch­te­rung in Chi­na

Eben­falls am Don­ners­tag gibt die Bank of En­g­land ih­re geld­po­li­ti­sche Ent­schei­dung be­kannt. Mit ei­ner An­pas­sung wird in An­be­tracht ei­ner wie­der stär­ke­ren bri­ti­schen Wirt­schaft auch in Lon­don zur Zeit nicht ge­rech­net. In Eu­ro­pa deu­te­ten die von Mar­kit Eco­no­mics an­fangs Wo­che ver­öf­fent­lich­ten Ein­kaufs­ma­na­ger-Um­fra­ge­wer­te an, dass der In­dus­trie­sek­tor in der Eu­ro­zo­ne zu Jah­res­be­ginn, auch dank der Er­ho­lung in den Pe­ri­phe­rie­län­dern, an Schwung ge­won­nen hat. In Grie­chen­land klet­ter­te der Ein­kaufs­ma­na­ger­index erst­mals seit Au­gust 2009 über 50 Punk­te. An­ge­führt wird die Er­ho­lung nach wie vor von Deutsch­land, wo sich der PMI dank ei­ner so­li­den Ex­port­nach­fra­ge aus den USA und Asi­en auf dem höchs­ten Ni­veau seit gut zwei­ein­halb Jah­ren be­wegt. Die Er­ho­lung im Eu­ro­raum hat da­mit deut­lich an Dy­na­mik ge­won­nen und auch in Frank­reich sind im­mer mehr An­zei­chen für ei­ne all­mäh­li­che Sta­bi­li­sie­rung sicht­bar, kom­men­tier­te Mar­kit.

Ein et­was er­nüch­tern­des Bild zeich­ne­ten hin­ge­gen die Ein­kaufs­ma­na­ger­indi­zes für Chi­nas In­dus­trie- und Di­enst­leis­tungs­sek­tor. Wie be­reits von der je­weils im Vor­feld pu­bli­zier­ten Stu­die der bri­ti­schen Bank HSBC an­ge­deu­tet, fiel das of­fi­zi­el­le Ba­ro­me­ter für die In­dus­trie des Ein­kaufs- und Lo­gis­tik­ver­ban­des im Ja­nu­ar auf den tiefs­ten Wert seit Ju­li 2013 zu­rück und no­tiert da­mit nur noch knapp über der Ex­pan­si­ons­schwel­le. Im Di­enst­leis­tungs­be­reich schwäch­te sich das Wachs­tum vor dem Hin­ter­grund struk­tu­rel­ler Re­for­men gar auf den tiefs­ten Stand seit min­des­tens zwei Jah­ren ab.

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