«Wir sind noch nicht am Ziel»

Finanz und Wirtschaft - - FORUM «VISION BANK – VISION FINANZPLATZ SCHWEIZ» - TM

Be­ob­ach­ter des Fi­nanz­plat­zes mo­nie­ren im­mer wie­der, die stren­ge­ren Re­geln für Ban­ken sei­en ver­schleppt oder ver­wäs­sert wor­den – oder noch schlim­mer: von An­fang an viel zu we­nig ri­go­ros ge­we­sen. So hat sich et­wa der Bas­ler Aus­schuss mit dem Re­gel­werk Ba­sel III zu ei­ner Mi­ni­mal­ka­pi­tal­quo­te für Ban­ken von 8,5% der ri­si­ko­ge­wich­te­ten Ak­ti­ven durch­ge­run­gen – um­zu­set­zen bis 2019. In­ter­na­tio­na­le Ex­per­ten wie Mar­tin Hell­wig for­dern da­ge­gen Quo­ten von 20 bis 30%.

Die schwei­ze­ri­sche Too-big-to-fail-Ge­setz­ge­bung hat vor rund drei Jah­ren den Swiss Fi­nish be­schlos­sen, der da­mals über die in­ter­na­tio­na­len Mi­ni­mal­vor­ga­ben hin­aus­ging. Wie steht es mehr als fünf Jah­re nach dem Kol­laps von Leh­man Bro­thers um die Si­cher­heit der Schwei­zer Gross­ban­ken? Am Fo­rum der «Fi­nanz und Wirt­schaft» bot sich die Ge­le­gen­heit, Je­anPier­re Dan­t­hi­ne, Vi­ze­prä­si­dent des SNBDi­rek­to­ri­ums, di­rekt zu fra­gen. «Wir sind noch an der Ar­beit und noch nicht dort, wo wir hin­wol­len», er­klär­te er. Doch die Ban­ken be­fän­den sich auf gu­tem Weg.

«Die Sta­bi­li­tät des Fi­nanz­plat­zes Schweiz hängt mass­geb­lich da­von ab, dass die Gross­ban­ken, so­li­de sind», sag­te Dan­t­hi­ne. Die SNB iden­ti­fi­ziert zwei Pfei­ler, durch die si­cher­ge­stellt wird, dass Ban­ken ro­bus­ter wer­den und in ei­nem Not­fall in ei­nem ge­ord­ne­ten Pro­zess ab­ge­wi­ckelt wer­den kön­nen. Ei­ner­seits hö­he­re Ka­pi­tal­quo­ten und an­der­seits ein Mecha­nis­mus, durch den sie ab­ge­wi­ckelt wer­den kön­nen, oh­ne volks­wirt­schaft­li­chen Gross­scha­den an­zu­rich­ten.

Ban­ken­ver­tre­ter von Bra­dy Dou­gan bis Ja­mie Di­mon er­klä­ren öf­fent­lich, die Ban­ken hät­ten ge­nug ge­tan, es sei so gut wie aus­ge­schlos­sen, dass der Staat noch­mals ret­tend ein­grei­fen müs­se. Doch un­ge­löst bleibt die Ab­wick­lung ei­nes In­sti­tuts, das über die Lan­des­gren­zen hin­aus ope­ra­tiv ist. Dan­t­hi­ne räumt ein, dass sich die grenz­über­schrei­ten­de Ab­wick­lung noch in der Kon­zept­pha­se be­fin­de und kein Ver­fah­ren ope­ra­tiv sei: «Wir ha­ben noch nicht be­wie­sen, dass die Ab­wick­lung über die Gren­zen hin­aus funk­tio­nie­ren wür­de.» Wich­tig sei aber, dass man sich auf ei­nen An­satz ge­ei­nigt ha­be, der Schul­den iden­ti­fi­zie­re, die am Ver­lust der Bank mit­tra­gen müss­ten (Bail-in-ab­le debt). Da­mit die Län­der in ei­nem Not­fall nicht ein­fach die in ih­rem Land ge­le­ge­nen Ak­ti­va ei­ner Bank be­schlag­nahm­ten, sei aber ein ab­so­lut glaub­haf­ter Plan nö­tig. Das Fi­nan­ci­al Sta­bi­li­ty Bo­ard (FSB) der Bank für In­ter­na­tio­na­len Zah­lungs­aus­gleich (BIZ) wol­le noch 2014 ein Kon­zept er­ar­bei­ten.

Soll­te der Re­gu­la­tor aber nicht beim ers­ten Pfei­ler, den Ka­pi­tal­vor­schrif­ten, stren­ger wer­den, wenn es bei der Ab­wick­lung nur lang­sa­me Fort­schrit­te gibt? Dan­t­hi­ne ist zwar ein­ver­stan­den, dass die Schweiz an­spruchs­vol­ler sein muss als an­de­re Län­der, das er­hei­sche die Grös­se der Ban­kbi­lan­zen im Ver­gleich zur Volks­wirt­schaft. Des­we­gen aber vor­über­ge­hend stren­ge­re Re­geln als im Aus­land zu ver­lan­gen, könn­te zu per­ma­nen­tem Ver­lust von Markt­an­tei­len füh­ren. Auf die von Fi­nanz­mi­nis­te­rin Eve­li­ne Wid­mer-Schlumpf im No­vem­ber ins Spiel ge­brach­te nicht ri­si­ko­ge­wich­te­te Schul­den­gren­ze (Le­ver­a­ge Ra­tio) von 6 bis 10% ant­wor­tet Dan­t­hi­ne, der bis­he­ri­ge Fahr­plan soll­te nicht ver­än­dert wer­den. An­fang 2015 wer­de die Too­big-to-fail-Ge­setz­ge­bung noch­mals ge­öff­net und ge­ge­be­nen­falls an­ge­passt.

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