Stand­ort­vor­tei­le

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE - EH, INTERVIEW: ALEX­AN­DER TRENTIN

Hong­kong hat die vor sechs Jah­ren aus­ge­bro­che­ne glo­ba­le Fi­nanz­kri­se nicht nur schnell über­wun­den, son­dern so­gar ge­stärkt hin­ter sich ge­las­sen. Das ver­dankt die wirt­schaft­lich au­to­no­me chi­ne­si­sche Son­der­ver­wal­tungs­re­gi­on nicht nur der äus­serst fle­xi­blen Bin­nen­wirt­schaft, son­dern vor al­lem auch der zu­neh­men­den wirt­schaft­li­chen In­te­gra­ti­on mit dem Fest­land. Doch die ehe­ma­li­ge bri­ti­sche Ko­lo­nie steht an­ge­sichts ei­ner sich ver­än­dern­den wirt­schaft­li­chen Land­schaft vor neu­en Her­aus­for­de­run­gen.

Die Stadt muss sich wie wie­der­holt auch in der Ver­gan­gen­heit ge­gen­über Chi­na neu po­si­tio­nie­ren. Lan­ge gab es zwi­schen dem Fest­land und dem Ter­ri­to­ri­um ei­ne kla­re Ar­beits­tei­lung. Hong­kong stell­te auf dem Fest­land das Ka­pi­tal und die Fach­kräf­te. Da­ge­gen hat­te Chi­na die bil­li­gen Ar­beits­kräf­te zur Ver­fü­gung ge­stellt. Doch die zwei Volks- wirt­schaf­ten glei­chen sich ein­an­der mit dem zu­neh­men­den Wohl­stand und dem stei­gen­den Bil­dungs­grad Chi­nas wirt­schaft­lich zu­neh­mend an. Hong­kongs Rol­le als Chi­nas Tor zur Welt nimmt da­mit an Be­deu­tung ab.

Will das Ter­ri­to­ri­um nicht ein­fach ei­ne wei­te­re chi­ne­si­sche Gross­stadt wer­den, muss es sich auf sei­ne Be­son­der­hei­ten be­sin­nen. Stand­ort­vor­tei­le hat es dank sei­ner Pres­se- und Re­de­frei­heit, der un­ab­hän­gi­gen Jus­tiz wie auch der frei kon­ver­tier­ba­ren Wäh­rung. Auch sol­len in den kom­men­den Jah­ren das Par­la­ment und der Re­gie­rungs­chef in all­ge­mei­nen Wah­len be­stimmt wer­den. Bis­her wird ein Teil des Par­la­ments noch von In­ter­es­sen­grup­pen be­stimmt. Die de­mo­kra­ti­schen Son­der­rech­te ga­ran­tiert Pe­king in ei­nem mit Gross­bri­tan­ni­en aus­ge­han­del­ten Über­ga­be­ver­trag noch bis 2047.

«Hong­kong wird zum Hub für Ge­schäf­te mit geis­ti­gem Ei­gen­tum.»

schäf­te sind auch schwer zu fi­nan­zie­ren. Und es feh­len in Fest­land­chi­na In­sti­tu­tio­nen für die Sch­lich­tung bei Strei­tig­kei­ten. In Hong­kong er­mög­li­chen die Schieds­ge­rich­te auf Ba­sis des Com­mon Law den Un­ter­neh­men, geis­ti­ges Ei­gen­tum si­cher durch­zu­set­zen. Mit un­se­ren Rah­men­be­din­gun­gen, auch bei der Fi­nan­zie­rung, er­mög­li­chen wir erst die Li­zenz­ge­schäf­te. Des­we­gen er­wäh­ne ich das Ge­schäft mit geis­ti­gem Ei­gen­tum, das an­de­re Sek­to­ren an­treibt. Es wird wich­ti­ger, da in Chi­na die Mar­ken ei­ne grös­se­re Rol­le spie­len. Ein an­de­res Bei­spiel ist der Tou­ris­mus: Im ver­gan­ge­nen Jahr hat Hong­kong über 54 Mio. Be­su­cher emp­fan­gen. Chi­ne­sen kau­fen ger­ne in Hong­kong, da sie dort si­cher sein kön­nen, ech­te Mar­ken­pro­duk­te zu er­wer­ben. Dank un­se­rem Ab­kom­men mit Fest­land­chi­na gibt es auch kei­ne Zöl­le im Han­del mit Hong­kong. Nun wer­den vier­zig Di­enst­leis­tungs­sek­to­ren mit vier­hun­dert Li­be­ra­li­sie­rungs­mass­nah­men ge­öff­net. Wenn Schwei­zer Un­ter­neh­men in Hong­kong ei­ne Ge­sell­schaft grün­den, kön­nen sie von den glei­chen Vor­tei­len wie lo­ka­le Un­ter­neh­men pro­fi­tie­ren. Wir müs­sen uns um Ein­zel­ne küm­mern, die trotz ih­rer Ar­beit nicht vor­an­kom­men. Wir wol­len die Leu­te er­mu­ti­gen, ih­re Fä­hig­kei­ten aus­zu­bau­en. Da­her füh­ren wir vie­le Bil­dungs­mög­lich­kei­ten ein. Auch gibt es neu Un­ter­stüt­zungs­zah­lun­gen für Ar­bei­ter, die nur schwer ih­ren Le­bens­un­ter­halt be­strei­ten kön­nen. Das Haupt­ziel be­steht da­rin, die Pro­duk­ti­vi­tät zu er­hö­hen und den Ein­tritt in die Er­werbs­ar­beit zu er­leich­tern. Selbst in ei­nem frei­en Markt muss man sich um die Be­dürf­ti­gen küm­mern.

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