Ent­span­nung

Finanz und Wirtschaft - - MONITOR - ALEX­AN­DER KRÄ­MER

Noch am Mon­tag sah es so aus, als wür­de wei­ter kei­ne Ru­he ein­keh­ren. Die Fie­ber­kur­ve der Ka­pi­tal­märk­te – die im­pli­zi­te Ak­ti­en­vo­la­ti­li­tät – zeig­te steil nach oben. Auch die Ren­di­ten von An­lei­hen si­che­rer Hä­fen setz­ten ih­ren Sink­flug fort. Der wei­te­re Ver­lauf der Wo­che sorg­te al­ler­dings für Ent­span­nung. Es zeig­te sich näm­lich, dass es um die USKon­junk­tur viel­leicht doch nicht so schlecht be­stellt ist, wie der Ein­kaufs­ma­na­ger­index (PMI) für das ver­ar­bei­ten­de Gewerbe am Mon­tag noch na­he­ge­legt hat­te.

Der PMI für den Di­enst­leis­tungs­sek­tor über­rasch­te po­si­tiv, und auch der Rück­gang des Auf­trags­ein­gangs im De­zem­ber fiel ge­rin­ger aus als er­war­tet. Zu­dem deu­te­te sich am Mitt­woch an, dass die Zahl neu ge­schaf­fe­ner Stel­len aus­ser­halb der Land­wirt­schaft im Ja­nu­ar wie­der hö­her lag als noch im De­zem­ber. Dies be­stä­tig­te sich am Frei­tag – auch wenn sie mit 113 000 hin­ter den er­war­te­ten 180 000 zu­rück­blieb. Auch hin­sicht­lich der Schwel­len­län­der gab es ei­nen Licht­blick: Am Don­ners­tag stuf­te Moo­dy’s die Bo­ni­tät Me­xi­kos her­auf. Für kur­ze Ir­ri­ta­ti­on sorg­te dann noch ei­ne Pres­se­mit­tei­lung des deut­schen Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts am Frei­tag: Man wer­de am 18. März die Ent­schei­dung im Ver­fah­ren zum Eu­ro­päi­schen Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus (ESM) be­kannt­ge­ben. Die mit Span­nung er­war­te­te Ent­schei­dung zum OMT-Be­schluss (An­lei­hen­kauf­pro­gramm) der EZB wur­de er­neut ver­tagt: Der Eu­ro­päi­sche Ge­richts­hof soll nun klä­ren, ob der Be­schluss über das Man­dat der EZB hin­aus­geht. Trotz der Ent­span­nung konn­ten die Ak­ti­en­märk­te den schwa­chen Wo­chen­start nicht aus­glei­chen. Im Wo­chen­ver­gleich ten­dier­te der S&P 500 im frü­hen US-Han­del

Ak­ti­en und An­lei­hen­ren­di­ten sta­bi­li­sie­ren sich

Die EZB war­tet ab

noch 0,2% leich­ter, der Dax mit ei­nem Ab­schlag von 0,3%. Der SMI steht mit 1,3% Wo­chen­plus im spä­ten Frei­tags­han­del bes­ser da. Ei­ner der SMI-Trei­ber war die Ak­tie von Swatch, die nach gu­ten Quar­tals­zah­len deut­lich zu­leg­te.

Zehn­jäh­ri­ge Bun­des­an­lei­hen ren­tier­ten im spä­ten Frei­tags­han­del na­he­zu un­ver­än­dert bei 1,65%. Zehn­jäh­ri­ge US-Tre­a­su­ries la­gen mit et­wa 2,66% leicht über dem Wo­chen­tief von 2,57%. An den Roh­stoff­märk­ten wirk­te sich die Ent­span­nung pri­mär auf Kup­fer aus, das in Lon­don am Don­ners­tag­abend wie­der über 7100 $/t stieg. Auch Roh­öl der Sor­te Brent er­hol­te sich von sei­nem Tief bei 105 $/Bar­rel und no­tier­te am Frei­tag wie­der ober­halb von 108 $.

Und dann war da noch die Zins­ent­schei­dung der EZB. Oder ei­gent­lich die Nicht­ent­schei­dung. Denn sie liess den Zins un­ver­än­dert bei 0,25%, und auch die An­kün­di­gung, die Li­qui­di­tät aus dem An­lei­hen­kauf­pro­gramm SMP nicht mehr ab­zu­schöp­fen, blieb aus. Dass sie da­mit die Markt­er­war­tun­gen ent­täuscht hat, legt die Re­ak­ti­on des Eu­ro­kur­ses na­he: Die Ge­mein­schafts­wäh­rung wer­te­te sich um mehr als 1 Cent ge­gen­über dem Dol­lar auf und stieg von un­ter 1.35 $/€ auf mehr als 1.36 $/€. Den­noch: Wei­te­re ex­pan­si­ve Mass­nah­men sind nicht aus­zu­schlies­sen. Schliess­lich wies EZB-Präsident Draghi viel­sa­gend dar­auf hin, dass für ei­ne Ent­schei­dung wich­ti­ge In­for­ma­tio­nen ge­fehlt hät­ten, die bis zur Sit­zung An­fang März vor­lie­gen wür­den – wie neue Pro­jek­tio­nen des EZBStabs, die erst­mals auch Zah­len für 2016 ent­hal­ten wür­den.

Auf Mes­sers Schnei­de

Aber wor­an sind wir nun? Die Ak­ti­en­märk­te be­fin­den sich seit acht­zehn Mo­na­ten in ei­nem stei­len Auf­wärts­trend­ka­nal. Die ver­gan­ge­nen Wo­chen ha­ben uns an den un­te­ren Rand ge­bracht. Gleich­zei­tig hat­ten Ak­ti­en­fonds in den letz­ten bei­den Wo­chen Ab­flüs­se, wäh­rend An­lei­he­fonds pro­fi­tier­ten.

Es steht al­so auf Mes­sers Schnei­de, ob sich die Kon­so­li­die­rung der letz­ten bei­den Wo­chen zu ei­ner Kor­rek­tur aus­wächst. Für ei­ne er­neu­te Auf­wärts­be­we­gung spricht, dass die Geld­po­li­tik in den Schwel­len­län­dern re­strik­ti­ver wird und da­mit die Angst vor ei­ner Schwel­len­län­der­kri­se re­du­zie­ren dürf­te. Die schwä­che­ren Wirt­schafts­da­ten aus den USA dürf­ten dem schlech­ten Wet­ter ge­schul­det sein. Und die (US-)Be­richts­sai­son über­rascht bis­her po­si­tiv.

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