EZB sorgt für tem­po­rä­re Ent­täu­schung

Finanz und Wirtschaft - - OBLIGATIONEN - STE­PHAN KUHNKE,

Der er­neu­te Rück­gang der In­fla­ti­ons­ra­te in der Eu­ro­zo­ne auf 0,7% und die wei­ter­hin rück­läu­fi­ge Kre­dit­ver­ga­be der Ge­schäfts­ban­ken an die Un­ter­neh­men schür­ten in der ab­ge­lau­fe­nen Wo­che bei vie­len Ka­pi­tal­markt­be­ob­ach­tern die Hoff­nung auf zu­sätz­li­che mo­ne­tä­re Sti­mu­li durch die Eu­ro­päi­sche Zen­tral­bank (EZB). So setz­ten ei­ni­ge Be­ob­ach­ter auf ei­ne noch­ma­li­ge Sen­kung des Re­fi­nan­zie­rungs­sat­zes von 0,25% auf 0,10% und er­war­te­ten ei­nen ne­ga­ti­ven Ein­la­gen­zins. Wie­der an­de­re pro­gnos­ti­zier­ten, dass EZBPrä­si­dent Ma­rio Draghi ein neu­es Re­fi­nan­zie­rungs­ge­schäft mit drei­jäh­ri­ger Lauf­zeit (LTRO) an­kün­di­gen wer­de oder aber zu­min­dest die Ab­schaf­fung der Ste­ri­li­sa­ti­on aus dem An­lei­hen­an­kauf­pro­gramm (SMP), was zu­sätz­lich 176 Mrd. € Li­qui­di­tät bei den Ban­ken in der Eu­ro­zo­ne ge­ne­riert hät­te.

Vor die­sem Hin­ter­grund war die ab­war­ten­de Hal­tung der EZB, die am Don­ners­tag kei­ner­lei Mass­nah­men an­kün­dig­te und auch im Rah­men der Pres­se­kon­fe­renz auf Zeit spiel­te, ei­ne Ent­täu­schung für die Ob­li­ga­tio­nen­märk­te. In der Fol­ge kehr­te sich der bis Mit­te der Wo­che vor­herr­schen­de Ren­di­te­ab­wärts­trend um und die Zin­sen hoch­qua­li­ta­ti­ver An­lei­hen – al­len vor­an die deut­schen Bun­des­an­lei­hen aber auch die «Eid­ge­nos­sen» – ver­zeich­ne­ten ei­nen mo­de­ra­ten An­stieg. Die Märk­te für ri­si­ko­be­haf­te­te An­la­ge­klas­sen wer­te­ten das Still­hal­ten der EZB als Be­leg für die kon­junk­tu­rel­le Zu­ver­sicht, was zu Kurs­stei­ge­run­gen an den Ak­ti­en­bör­sen führ­te. Par­al­lel da­zu bil­de­ten sich die Ri­si­ko­auf­schlä­ge von Staats­an­lei­hen aus den Pe­ri­phe­rie­län­dern der Eu­ro­zo­ne aber auch von Un­ter­neh­mens­an­lei­hen leicht zu­rück.

Die all­mo­nat­lich mit Span­nung er­war­te­te Ver­öf­fent­li­chung des US-Ar­beits­markt­be­richts führ­te dann zum Wo­chen­schluss noch­mals zu Vo­la­ti­li­tät an den in­ter­na­tio­na­len Ob­li­ga­tio­nen­märk­ten. Wäh­rend die An­zahl der neu ge­schaf­fe­nen Stel­len mit 113 000 hin­ter den Er­war­tun­gen von 180 000 Jobs zu­rück­blieb, sank die Ar­beits­lo­sen­quo­te auf 6,6% – das nied­rigs­te Ni­veau seit Herbst 2008. Für die Ob­li­ga­tio­nen­märk­te über­wog der schwa­che Stel­len­sal­do. In der Fol­ge ver­buch­ten Staats­ob­li­ga­tio­nen Kurs­zu­schrei­bun­gen und fal­len­de Ren­di­ten.

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