Gold­kor­rek­tur geht wei­ter

Finanz und Wirtschaft - - ROHSTOFFE/DERIVATIVE INSTRUMENTE - TOBIAS MERATH,

Für das Jahr 2013 ge­hör­te Gold zu den Roh­stof­fen mit der schlech­tes­ten Per­for­mance. Auf das Ge­samt­jahr ge­se­hen ist der Goldpreis um mehr als 25% ein­ge­bro­chen. Ab Mit­te De­zem­ber ver­gan­ge­nen Jah­res konn­te sich der Goldpreis al­ler­dings wie­der et­was er­ho­len und ist seit Jah­res­be­ginn um knapp 5% ge­stie­gen. Die Fra­ge für An­le­ger ist nun, ob das das En­de der Kor­rek­tur am Gold­markt oder der Ab­wärts­trend nur ei­ne kur­ze Ver­schnauf­pau­se ein­ge­legt hat.

Ei­ne Be­trach­tung der Trei­ber der jüngs­ten Er­ho­lung deu­tet an, dass es sich wohl eher um ei­ne kurz­fris­ti­ge Ver­schnauf­pau­se in­ner­halb ei­nes län­ge­ren Ab­wärts­trends han­deln dürf­te. Seit Jah­res­be­ginn sind die lang­fris­ti­gen Markt­zin­sen in den USA ge­sun­ken, das hat am Gold­markt ei­ne Ein­de­ckung von Short-Po­si­tio­nen aus­ge­löst. Gleich­zei­tig wa­ren am phy­si­schen Markt stär­ke­re Käu­fe zu be­ob­ach­ten. Bei­de Fak­to­ren zu­sam­men wa­ren die Haupt­trei­ber der Er­ho­lung.

Sie dürf­ten je­doch nicht all­zu­lan­ge an­hal­ten. Die wirt­schaft­li­che Er­ho­lung in den USA in Kom­bi­na­ti­on mit der schritt­wei­sen Re­du­zie­rung der An­lei­he­käu­fe der US-No­ten­bank – das so­ge­nann­te Ta­pe­ring – dürf­te mit­tel- fris­tig eher wie­der zu hö­he­ren Zin­sen füh­ren.

Der An­stieg der phy­si­schen Gold­käu­fe An­fang des Jah­res steht vor al­lem im Zu­sam­men­hang mit dem er­höh­ten Kon­sum aus Chi­na im Vor­feld des chi­ne­si­schen Neu­jahrs­fes­tes. Die­se Käu­fe dürf­ten be­reits im Lau­fe des Fe­bru­ars ab­eb­ben. In die­sem Zu­sam­men­hang ist es in­ter­es­sant zu se­hen, dass Gold im Ja­nu­ar ei­nen po­si­ti­ven sai­so­na­len Ef­fekt auf­weist, wäh­rend der Rest der ers­ten Jah­res­hälf­te sai­so­nal eher schwach für Gold aus­sieht.

Mit­tel­fris­tig be­ste­hen nach wie vor eher ge­rin­ge An­rei­ze für An­le­ger, Gold zu kau­fen. Die In­fla­ti­ons­ra­te ist nied­rig und die Zin­sen dürf­ten ei­nen Bo­den ge­fun­den ha­ben. Nied­ri­ge Zin­sen hel­fen dem Goldpreis, da das Edel­me­tall kei­ne Ren­di­te ab­wirft. Fal­len die Zin­sen nicht wei­ter, oder stei­gen sie gar, wird das dem Goldpreis ei­nen stüt­zen­den Fak­tor ent­zie­hen.

Ein wei­te­rer stüt­zen­der Fak­tor war in der Ver­gan­gen­heit die Un­si­cher­heit an den Fi­nanz­märk­ten. Doch nun nimmt das sys­te­mi­sche Ri­si­ken – bei­spiels­wei­se im Zu­sam­men­hang mit der eu­ro­päi­schen Schul­den­kri­se – der­zeit eher wie­der ab. Da­her dürf­te Gold in sei­ner Funk­ti­on als si­che­rer Ha­fen eher we­ni­ger ge­fragt sein. Dem- ent­spre­chend ist auch wei­ter­hin mit Ab­flüs­sen aus phy­sisch hin­ter­leg­ten Ex­ch­an­ge Tra­ded Funds (ETF) auf Gold zu rech­nen.

Dass die An­le­ger nun we­ni­ger An­reiz ha­ben, ih­re Gold­po­si­tio­nen auf­zu­sto­cken, hat ei­nen deut­li­chen Ef­fekt auf das Gleich­ge­wicht zwi­schen An­ge­bot und Nach­fra­ge am Gold­markt. In den letz­ten Jah­ren ist der An­teil der In­ves­to­ren an der Ge­samt­nach­fra­ge nach Gold auf über 30% ge­stie­gen. Ein Weg­bre­chen der An­le­ger­nach­fra­ge führt dem­ent­spre­chend zu ei­nem An­ge­bots­über­hang am Gold­markt, was wie­der­um Ab­wärts­druck auf die Prei­se aus­übt.

Nach der Kor­rek­tur im ver­gan­ge­nen Jahr sind be­reits ei­ni­ge An­pas­sun­gen von An­ge­bot und Nach­fra­ge auf dem Gold­markt im Gang. So ist bei­spiels­wei­se das An­ge­bot aus Alt­gold deut­lich zu­rück­ge­gan­gen. Gleich­zei­tig ist die preis­sen­si­ti­ve Nach­fra­ge aus der Schmuck­in­dus­trie ge­stie­gen. Trotz die­ser aus­glei­chen­den Fak­to­ren ist auch die­ses Jahr mit ei­nem An­ge­bots­über­hang zu rech­nen. Dem­ent­spre­chend bleibt der Ab­wärts­druck auf den Goldpreis be­ste­hen. Al­ler­dings dürf­te die Kor­rek­tur nicht mehr so hef­tig wie im letz­ten Jahr aus­fal­len.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.