Dich­testress

Finanz und Wirtschaft - - MEINUNG -

Das Wort des Jah­res steht fest. Es um­schreibt ein ur­tüm­li­ches Un­be­ha­gen, das Men­schen be­fällt, wenn ih­nen zu vie­le Art­ge­nos­sen zu nah auf den Pelz rü­cken. Ei­gen­tüm­lich ist je­doch, dass die Sym­pto­me die­ses Zi­vi­li­sa­ti­ons­lei­dens si­gni­fi­kant deut­li­cher auf­tre­ten, wenn «Dich­testress» nur auf­grund

von Hö­ren­sa­gen er­ahnt als tat­säch­lich er­lebt wird. Ge­wöh­nung im­mu­ni­siert näm­lich un­ser­eins vor­ein­an­der – «Dich­testress» tut fast nur als Phan­tom­schmerz weh. An­ders lässt sich ein merk­wür­di­ges Phä­no­men im Ab­stim­mungs­ver­hal­ten zur fa­mo­sen SVP-Initia­ti­ve nicht er­klä­ren, die uns nun mit ei­nem an­ti­eu­ro­päi­schen Schutz­wall be­glückt: dass näm­lich, zum Bei­spiel, die haut­nah auf­ein­an­der hau­sen­den Städ­ter in Ba­sel zu­meist ge­gen ein Zu­zugs­re­gime sind, die Be­woh­ner des ge­müt­lich-grü­nen Ober­ba­sel­biets hin­ge­gen mehr­heit­lich da­für. Ob die­se, wie­wohl häu­fig dank Be­rufs­pend­ler­rou­ti­ne ge­stählt im Hick­hack in Ho­mi­ni­den-Hor­den, ein­fach ihr Ré­du­it just da­vor schüt­zen wol­len? Si­lo­be­woh­ner in Hong­kong (und an­ders­wo) wür­den sich wohl krumm­la­chen, wenn sie Schwei­zer Städ­te be­su­chen könn­ten und dort von un­er­träg­li­chem Ge­drän­ge hör­ten. Es ist und bleibt eben so: Rei­sen bil­det.

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