Zum Gu­ten wie zum Bö­sen

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Deep Pa­cket In­spec­tion (DPI) be­zeich­net Soft­ware­lö­sun­gen, wel­che die Iden­ti­fi­zie­rung, die Klas­si­fi­zie­rung und die Blo­cka­de von Da­ten über das In­ter­net-Pro­to­koll (IP) er­mög­li­chen. Auch sol­len Ge­fah­ren ab­ge­wehrt so­wie di­gi­ta­le Trans­ak­tio­nen ab­ge­fan­gen wer­den kön­nen. DPI wer­tet da­bei In­hal­te – die so­ge­nann­te Pay­load – von Da­ten­pa­ke­ten aus. Dies klingt zu­nächst dra­ma­ti­scher, als es ist: Pay­load ist nicht zwin­gend iden­tisch mit ei­nem vom In­ter­net­Nut­zer er­zeug­ten In­halt ( Text ei­ner E-Mail). Auch Kom­mu­ni­ka­ti­ons­da­ten kön­nen zur Pay­load zäh­len, wie die MAC-Adres­se, die Adres­se des Rou­ters, über den ge­surft wird.

An­ders als die schon längst et­wa von Fi­re­walls und Vi­ren­schutz­pro­gram­men ge­nutz­te Shal­low (oder Sta­te­ful) Pa­cket In­spec­tion kann DPI tie­fer in Kom­mu­ni­ka­ti­ons­da­ten grei­fen und nach be­stimm­ten Mus­tern in Da­ten­pa­ke­ten scan­nen oder Pa­ket­ty­po­lo­gi­en su­chen. Ent­wick­ler ver­ste­hen DPI als «neu­tra­le» Tech­no­lo­gie, die per se kei­ne Ver­let­zung der Pri­vat­sphä­re dar­stel­le und nur die Ba­sis für ver­schie­dens­te An­wen­dun­gen sei. Es lie­ge an de­ren Aus­ge­stal­tung, in­wie­weit et­wa der freie oder gleich­be­rech­tig­te Zu­gang zu In­for­ma­tio­nen im In­ter­net ein­ge­schränkt wer­de – was im­mer das auch kon­kret heisst.

Weil die Da­ten­men­gen in Fest- und Mo­bil­funk­net­zen durch ei­ne Viel­zahl neu­er Di­ens­te ( Vi­deo- und Mu­sik-Strea­m­ing, On­li­ne-Händ­ler usw.) ra­pi­de stei­gen, lieb­äu­geln Netz­be­trei­ber und Di­ens­te­an­bie­ter mit dem Ein­satz von DPI. Da­bei steht das (kom­pli­zier­te) Netz­werk­ma­nage­ment im Vor­der­grund, al­so die Mög­lich­keit, be­stimm­te Da­ten­trans­por­te zu prio­ri­sie­ren und da­für ei­nen Preis­auf­schlag zu ver­rech­nen. Dies hat nichts mit der – in De­mo­kra­ti­en in der Re­gel ver­bo­te­nen – Blo­cka­de von Di­ens­ten oder In­hal­ten zu tun, wirft aber wett­be­werbs­recht­li­che Fra­gen auf. So, ob ein Tele­com­an­bie­ter ei­ge­ne Vi­deo- oder TV-Di­ens­te be­vor­zugt be­han­deln darf.

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