Hoch­stim­mung in Eu­ro­pa

Finanz und Wirtschaft - - MONITOR - THO­MAS HÄR­TER,

Mit 13,3 Punk­ten ist der Sen­tix-Com­po­si­te-In­dex für das An­le­ger­ver­trau­en in der Eu­ro­zo­ne auf den höchs­ten Stand seit April 2011 ge­stie­gen. Er­mu­ti­gend ist vor al­lem, dass die Er­war­tungs­kom­po­nen­te so­gar auf den höchs­ten Stand seit Fe­bru­ar 2011 ge­klet­tert ist. Die Haupt­sor­ge der An­le­ger ist der­zeit das De­fla­ti­ons­ri­si­ko. Der An­stieg ist vor dem Hin­ter­grund ei­ner merk­li­chen Ein­trü­bung in den Schwel­len­län­dern und Ja­pan zu se­hen. In den USA ging der In­dex zwar auch merk­lich zu­rück, be­fin­det sich aber im­mer na­he dem Zehn­jah­res­hoch. Der glo­ba­le Ge­samt­in­dex hat sich um 4,7 auf 14,5 ver­rin­gert.

In den letz­te Ta­gen fand ei­ne ge­ne­rel­le Ge­gen­kor­rek­tur der Mit­te Ja­nu­ar be­gon­ne­nen Kor­rek­tur ris­kan­ter An­la­gen statt. Die Ri­si­ken für die Welt­wirt­schaft blei­ben je­doch hoch. Die US-Ar­beits­markt­da­ten lie­fern Ar­gu­men­te für Fal­ken und Tau­ben: Ei­ner­seits ist die Ar­beits­lo­sen­quo­te mit 6,6% fast bei der Schwel­le von 6,5% an­ge­langt, ab der die Sti­mu­li der US-No­ten­bank (Fed) ur­sprüng­lich re­du­ziert wer­den soll­ten. An­de­rer­seits ent­täusch­te der Stel­len­zu­wachs im Ja­nu­ar.

Schwel­len­län­der­wäh­run­gen lei­den un­ter Nor­ma­li­sie­rungs­ängs­ten

Noch ein lan­ger Weg

Ge­samt­haft wur­den nur 113 000 statt 189 000 neue Stel­len ge­schaf­fen. Sie kon­zen­trier­ten sich auf die Pro­duk­ti­on und das Bau­ge­wer­be. Im Einzelhandel wur­den so­gar Jobs ab­ge­baut. Bei der In­ter­pre­ta­ti­on der Da­ten ist auf­grund des Käl­te­ein­bruchs in den USA im­mer noch Vor­sicht ge­bo­ten. Der NFIB Small Bu­si­ness Op­ti­mism In­dex über­rasch­te mit 94,4 po­si­tiv, nach 93,9 im Vor­mo­nat. Yel­len be­ton­te in ih­rer ers­ten öf­fent­li­chen Re­de sinn­ge­mäss, dass der Ar­beits­markt noch ei­nen lan­gen Weg bis zur voll­stän­di­gen Ge­sun­dung vor sich ha­be. Sie ver­sprach eben­falls, die ein­ge­lei­te­te Po­li­tik ih­res Vor- gän­gers, die mass­vol­le schritt­wei­se Re­du­zie­rung der Sti­mu­li, fort­zu­set­zen.

Von Un­ter­neh­men in Eu­ro­pa ha­ben punk­to Ge­winn nur 40% die Kon­sen­sus­er­war­tun­gen über­trof­fen, 45% ha­ben ent­täuscht. In­ter­es­sant ist, dass 52% der Ban­ken und Ver­si­che­run­gen ei­nen bes­se­ren Ge­winn als er­war­tet aus­ge­wie­sen ha­ben, bei den de­fen­si­ven Wer­ten wa­ren es nur 38%. Die deut­sche In­dus­trie­pro­duk­ti­on ent­täusch­te mit ei­nem Rück­gang von 0,6%. Er­war­tet wur­de ein An­stieg von 0,4%. Das deut­sche Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt (BVG) hat sich nicht als Ti­ger, son­dern eher als Pa­pier­ti­ger of­fen­bart: Zwar sind die obers­ten deut­schen Rich­ter der Auf­fas­sung, dass die Ou­t­right Mo­ne­ta­ry Tran­sac­tions (OMT) der EZB ge­gen das Ver­bot der mo­ne­tä­ren Staats­fi­nan­zie­rung ver­stos­sen.

Al­ler­dings ha­ben sie sich prak­tisch dem Eu­ro­päi­schen Ge­richts­hof (EuGH) un­ter­ge­ord­net und ihm die Fra­ge, ob das OMT-Pro­gramm mit EU-Recht ver­ein­bar ist, zur Vor­ab­ent­schei­dung vor­ge­legt. Da­mit dürf­te das Not­fall­in­stru­ment OMT wei­ter zur Ab­wehr der Markt­teil­neh­mer ein­ge­setzt wer­den kön­nen, die ge­gen die pe­ri­phe­ren Pro­blem­län­der der Eu­ro­zo­ne spe­ku­lie­ren wol­len.

So dürf­te es denn auch kaum ver­wun­dern, wenn es Por­tu­gal in na­her Zu­kunft ge­lin­gen wird, den 78 Mrd. € schwe­ren Schutz­schirm zu ver­las­sen und sich wie­der aus ei­ge­ner Kraft selbst am Ka­pi­tal­markt zu ak­zep­ta­blen Kon­di­tio­nen zu re­fi­nan­zie­ren.

Dis­tanz zur EU

Das Schwei­zer Stimm­volk ist zur EU auf Dis­tanz ge­gan­gen und hat ge­gen die Fort­set­zung der un­ein­ge­schränk­ten Per­so­nen­frei­zü­gig­keit vo­tiert. Auf­grund des gros­sen Um­set­zungs­spiel­raums bleibt ab­zu­war­ten, ob die von der In­dus­trie und den Bal­lungs­zen­tren be­vor­zug­te Ge­burt ei­nes Pa­pier­ti­gers be­vor­steht oder tat­säch­lich die von den länd­li­chen Kan­to­nen be­vor­zug­ten tie­fen Ein­wan­de­rungs­quo­ten be­schlos­sen wer­den.

Ka­sachs­tan hat den Ten­ge ab­ge­wer­tet – um 19%, was in der Hef­tig­keit mit der Ab­wer­tung des ar­gen­ti­ni­schen Pe­sos ver­gleich­bar ist. Ne­ben An­ste­ckungs­ef­fek­ten mö­gen die en­ge Ver­flech­tung mit Russ­land und die Schwä­che des Ru­bels, der sich seit dem Jah­res­an­fang um fast 6% ab­ge­wer­tet hat, ei­ne Rol­le spie­len. Es kann so gut wie aus­ge­schlos­sen wer­den, dass Ka­sachs­tan das letz­te Schwel­len­land­op­fer der Nor­ma­li­sie­rungs­ängs­te sein wird.

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