Zur Per­son

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE - CG

Wenn es so et­was wie ei­nen Ver­hal­tens­ko­dex für Zen­tral­ban­ken gibt, dann hat ihn John Tay­lor er­fun­den. Mit der von ihm 1993 auf em­pi­ri­scher Ba­sis ent­wi­ckel­ten For­mel lässt sich der op­ti­ma­le Leit­zins be­stim­men, an­hand der In­fla­ti­ons­ra­te und der Ab­wei­chung ei­ner Wirt­schaft von ih­rem Pro­duk­ti­ons­po­ten­zi­al. «Die längs­te Pha­se mit ge­rin­ger In­fla­ti­on und re­la­tiv sta­bi­lem Kon­junk­tur­wachs­tum hat das Fe­deral Re­ser­ve in den Jah­ren 1985 bis 2003 er­reicht, als es der Tay­lor-Re­gel folg­te», be­merkt da­zu Al­lan Meltzer, der füh­ren­de Ex­per­te zur His­to­rie der US-No­ten­bank. Die­ser Ab­schnitt in der US-Ge­schich­te wird heu­te auch als die «gros­se Mo­de­ra­ti­on» be­zeich­net. Mit leich­ten An­pas­sun­gen kann die Glei­chung Tay­lors auf an­de­re Län­der über­tra­gen wer­den und dient des­halb No­ten­ban­ken welt­weit als Ori­en­tie­rungs­hil­fe.

John Tay­lor prägt auch die ak­tu­el­le Dis­kus­si­on über die Geld­po­li­tik mit. Er wur­de die­se Woche nach Wa­shing­ton vor den Kon­gress be­ru­fen, um un­mit­tel­bar nach der An­hö­rung der neu­en Fed-Che­fin Ja­net Yel­len ei­nen Ge­gen­be­richt ab­zu­le­gen. Im wirt­schaft­li­chen Be­ra­tungs­gre­mi­um von Prä­si­dent Bush Se­ni­or war der kon­ser­va­ti­ve Öko­nom be­reits selbst in der US-Po­li­tik ak­tiv. Wäh­rend der ers­ten Amts­zeit von Bush Ju­ni­or war er zu­dem als Staats­se­kre­tär im Fi­nanz­mi­nis­te­ri­um für in­ter­na­tio­na­le An­ge­le­gen­hei­ten ver­ant­wort­lich. Er ist im Gross­raum New York auf­ge­wach­sen, sei­ne aka­de­mi­sche Kar­rie­re hat ihn über die Uni­ver­si­tä­ten Co­lum­bia und Prin­ce­ton nach St­an­ford ge­führt, wo er seit 1984 un­ter­rich­tet. Der 67-Jäh­ri­ge schreibt ei­nen po­pu­lä­ren Blog und gilt als An­wär­ter für den No­bel­preis in Wirt­schafts­wis­sen­schaf­ten.

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