Gros­ses Ver­trau­en

Finanz und Wirtschaft - - MONITOR - PHIL­IPP SCHÖTT­LER,

Wirt­schafts­ex­per­ten und An­le­ger wa­ren sich zu Be­ginn des Jah­res ei­nig: Die US-Wirt­schaft wür­de 2014 deut­lich stär­ker wach­sen als in den Jah­ren zu­vor und die Ak­ti­en­prei­se mit nach oben zie­hen. Die bis­he­ri­gen Da­ten zum Zu­stand der US-Wirt­schaft wa­ren al­ler­dings er­nüch­ternd.

Nach­dem be­reits der Ar­beits­markt­be­richt und der Ein­kaufs­ma­na­ger­index schwä­cher als er­war­tet aus­ge­fal­len wa­ren, ent­täusch­te am Don­ners­tag auch der Ein­zel­han­dels­um­satz. Er fiel im Ja­nu­ar um 0,4% und war auch in den Vor­mo­na­ten schwä­cher als bis­her an­ge­nom­men. Die Ak­ti­en­märk­te re­agier­ten dar­auf aber ge­las­sen. Der S&P 500 stieg seit Mitt­woch um 0,5%, der Eu­ro Sto­xx 50 um 0,9%.

Ei­ne mög­li­che Er­klä­rung für die Wirt­schafts­ab­schwä­chung ist das aus­ser­or­dent­lich schlech­te Wet­ter in die­sem Win­ter. Schnee­stür­me und Ex­trem­tem­pe­ra­tu­ren la­den nicht zum Ein­kau­fen ein, die Un­ter­neh­men kla­gen über Lie­fer- und Pro­duk­ti­ons­schwie­rig­kei­ten. Ei­ni­ge die­ser ne­ga­ti­ven Ef­fek­te soll­ten sich al­so dem­nächst von selbst um­keh­ren. In je­dem Fall wird die US-Wirt­schaft in den kom­men­den Mo­na­ten be­wei­sen müs­sen, dass das Ver­trau­en der An­le­ger ge­recht­fer­tigt ist.

Ak­ti­en­kur­se stei­gen trotz durch­wach­se­ner US-Kon­junk­tur­da­ten

US-Ge­win­ne stei­gen

Un­ter­stüt­zung kommt wei­ter von der US-No­ten­bank (Fed). De­ren neue Vor­sit­zen­de, Ja­net Yel­len, er­klär­te zwar, dass die An­lei­hen­käu­fe wei­ter um 10 Mrd. $ pro Mo­nat ge­dros­selt wer­den. Ein ers­ter Zins­schritt ist aber in ab­seh­ba­rer Zeit nicht zu er­war­ten – auch wenn die Ar­beits­lo­sen­quo­te zu­letzt na­he an die vor­her als Schwel­le pro­pa­gier­ten 6,5% ge­fal­len war. Als aus­ge­wie­se­ne Ar­beits­markt­ex­per­tin weiss Yel­len je­doch, dass an­de­re Zah­len – wie et­wa die durch- schnitt­li­che Ver­weil­dau­er in der Ar­beits­lo­sig­keit – ein we­ni­ger op­ti­mis­ti­sches Bild er­ge­ben. Schwä­che­re Wirt­schafts­da­ten und ei­ne wei­ter­hin ex­pan­si­ve Geld­po­li­tik lies­sen die Zin­sen auf Staats­an­lei­hen zu­letzt deut­lich fal­len. Zehn­jäh­ri­ge Tre­a­su­ries han­deln bei 2,7%, «Eid­ge­nos­sen» bei 1% und da­mit knapp 0,25 Pro­zent­punk­te tie­fer als vor ei­nem Mo­nat.

Un­ter­des­sen be­stä­tigt sich in der lau­fen­den US-Be­richts­sai­son der po­si­ti­ve Trend. Von den 80% der Un­ter­neh­men, die ih­re Zah­len bis­her ver­öf­fent­licht ha­ben, über­tra­fen drei Vier­tel die Er­war­tun­gen der Ana­lys­ten. Mit knapp 10% im letz­ten Quar­tal (ver­gli­chen mit dem Vor­jahr) un­ter­stützt das Ge­winn­wachs­tum wei­ter­hin stei- gen­de Ak­ti­en­kur­se. In Ja­pan da­ge­gen er­war­ten die An­le­ger ei­nen ne­ga­ti­ven Ef­fekt des zu­letzt stär­ke­ren Yens (101.86 Yen/$) auf die Un­ter­neh­mens­ge­win­ne. Der Nik­kei ver­lor seit Wo­chen­mit­te 2,7% und liegt jetzt be­reits 12,1% tie­fer als zu Jah­res­be­ginn.

Ent­span­nung in Eu­ro­pa

Die Wirt­schaft der Eu­ro­zo­ne er­holt sich wei­ter und wuchs im vier­ten Quar­tal um 0,3% und da­mit stär­ker als er­hofft. Vor al­lem die Trend­wen­de des ver­meint­li­chen Sor­gen­kinds Frank­reich gibt An­lass zur Freu­de. War die Wirt­schaft dort im drit­ten Quar­tal noch auf der Stel­le ge­tre­ten, konn­te sie zu­letzt um so­li­de 0,3% zu­le­gen. Dass die An­le­ger der Si­tua­ti­on in Eu­ro­pa mitt­ler­wei­le deut­lich ent­spann­ter ge­gen­über­ste­hen, konn­te die­se Woche auch in Ita­li­en be­ob­ach­tet wer­den.

Der Sturz von Ita­li­ens Pre­mier En­ri­co Let­ta durch die ei­ge­ne Par­tei am Don­ners­tag nahm der Markt zu­meist wohl­wol­lend zur Kennt­nis. Sei­nem Nach­fol­ger Mat­teo Ren­zi wird mehr Er­folg bei ei­ni­gen wich­ti­gen Re­form­pro­jek­ten zu­ge­traut. Die Ren­di­te zehn­jäh­ri­ger ita­lie­ni­scher Staats­an­lei­hen fiel am Frei­tag wie­der un­ter 3,7% und der ita­lie­ni­sche Ak­ti­en­in­dex FTSE MIB leg­te seit Mitt­woch über 2,5% zu, seit Jah­res­be­ginn 7,4%.

We­ni­ger Er­freu­li­ches kam aus den Schwel­len­län­dern. In Chi­na stieg der An­teil not­lei­den­der Bank­kre­di­te auf den höchs­ten Stand seit 2008. Zu­neh­mend macht sich das über­trie­be­ne Kre­dit­wachs­tum der letz­ten Jah­re be­merk­bar. Jetzt, da sich die Wirt­schaft et­was ab­kühlt, zei­gen sich die Schwä­chen bei ei­ni­gen Schuld­nern. Die Aus­fall­ra­ten dürf­ten wei­ter stei­gen. Ein Ein­stieg in Schwel­len­län­deran­la­gen drängt sich mo­men­tan dem­nach nicht auf.

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