Pend­ler zwi­schen den Kul­tu­ren

Finanz und Wirtschaft - - PRAKTIKUS/PORTRÄT - CB

Der Ar­beits­weg von Hans-Pe­ter Wüest kann schon mal weit sein. Mit 9000 km muss er rech­nen, um dort­hin zu ge­lan­gen, wo ein Fi­nanz­chef nor­ma­ler­wei­se wirkt: zum Haupt­sitz der Ge­sell­schaft. Dort­hin, das heisst in die ko­rea­ni­sche In­dus­trie- und Mil­lio­nen­stadt Ul­san, und die Ge­sell­schaft, das ist die Spe­zi­al­che­mie­grup­pe Song­won – nach BASF die welt­wei­te Num­mer zwei für Po­ly­mer­sta­bi­li­sa­to­ren (vgl. Sei­te 13).

Sechs- bis acht­mal im Jahr pen­delt der 53-jäh­ri­ge ge­bür­ti­ge Bas­ler nach Ul­san. Da­ne­ben be­sucht er an­de­re Stand­or­te der Grup­pe in Os­t­a­si­en, In­di­en, den Golf­staa­ten und den USA. Die Hälf­te sei­ner Ar­beits­zeit ver­bringt er da­ge­gen in nä­he­ren Ge­fil­den – im Ge­wer­be­ge­biet Walz­müh­le in Frau­en­feld. Frau­en­feld ist nach Ul­san der be­deu­tends­te Stand­ort von Song­won. Wich­ti­ge Fä­den im in­ter­na­tio­na­len Ge­schäft der um­ge­rech­net et­wa 640 Mio. $ um­set­zen­den Grup­pe lau­fen hier zu­sam­men. Hier wur­de 2006 Song­won In­ter­na­tio­nal ge­grün­det, um Song­won als glo­ba­len An­bie­ter von Po­ly­mer­sta­bi­li­sa­to­ren zu eta­blie­ren. Das ist bin­nen kur­zer Zeit ge­lun­gen: Der glo­ba­le Markt­an­teil be­trägt heu­te ein Fünf­tel.

Hans-Pe­ter Wüest war an der Glo­ba­li­sie­rung von An­fang an mass­geb­lich be­tei­ligt. Mit drei an­de­ren Ma­na­gern leis­te­te er für Song­won In­ter­na­tio­nal sprich­wört­li­che Auf­bau­ar­beit, star­te­te oh­ne Bü­ro und oh­ne EDV. Heu­te un­ter­hält Song­won sieb­zehn Fir­men an neun Stand­or­ten auf drei Kon­ti­nen­ten. Die In­ter­na­tio­na­li­sie­rung der Song­wonG­rup­pe zeigt sich noch an an­de­rer Stel­le: Aus­ser dem pro­mo­vier­ten Öko­no­men und aus­ge­bil­de­ten Wirt­schafts­prü­fer (CPA) sit­zen fünf wei­te­re Nicht­ko­rea­ner im acht­köp­fi­gen Füh­rungs­gre­mi­um. Für Ko­rea ist das un­ge­wöhn­lich. Die Un­ter­neh­mens­kul­tur blieb da­von nicht un­be­rührt: Auch sie un­ter­liegt dem Wan­del von ei­nem lo­ka­len ko­rea­ni­schen Pro­du­zen­ten zu ei­nem Glo­bal Play­er.

«Doch in Ko­rea gibt es auch Din­ge, die sind un­um­stöss­lich», sagt Wüest und nennt den Al­ters­vor­rang als Bei­spiel. Un­ter sech­zig gel­te man ge­mein­hin als zu jung, was trotz sei­ner Funk­ti­on im Kon­takt et­wa mit Ban­ken ein Hin­der­nis sein kön­ne. Da brau­che es dann ei­nen äl­te­ren «Go to» – je­man­den, der Brü­cken baut. «Mit den kul­tu­rel­len Un­ter­schie­den muss man ler­nen zu le­ben. Kennt man sie, geht das aber gut», weiss der CFO von Song­won. Aus frü­he­ren Funk­tio­nen bei Fi­des In­for­ma­tik, Alusu­is­se, Büh­ler, Dan­z­as bzw. DHL/ Deut­sche Post und Gre­at La­kes Che­mi­cals brach­te Wüest we­nig Ko­rea­er­fah­rung mit. Heu­te aber pen­delt er ge­wieft zwi­schen den Kul­tu­ren hin und her.

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