Mit hal­ber Kraft vor­aus

Finanz und Wirtschaft - - MONITOR - ALES­SAN­DRO FEZZI,

Die Fi­nanz­märk­te star­te­ten we­gen des Fei­er­tags in den USA ver­hal­ten in die lau­fen­de Woche. Mit Vor­schuss­lor­bee­ren emp­fing die Mai­län­der Bör­se den de­si­gnier­ten ita­lie­ni­schen Mi­nis­ter­prä­si­den­ten Mat­teo Ren­zi, von dem die In­ves­to­ren ein ver­stärk­tes Re­form­tem­po er­war­ten. Der ita­lie­ni­sche Leit­in­dex FTSE Mib er­reich­te in der ers­ten Wo­chen­hälf­te zeit­wei­se ein Drei­jah­res­hoch.

Die mo­nat­li­che Um­fra­ge des Mann­hei­mer Wirt­schafts­for­schungs­in­sti­tuts ZEW zeig­te ei­ner­seits ei­ne güns­ti­ge­re Ein­schät­zung der Fi­nanz­markt­pro­fis des ge­gen­wär­ti­gen Kon­junk­tur­um­felds, je­doch auch ei­nen deut­lich skep­ti­sche­ren Aus­blick auf die nächs­ten sechs Mo­na­te. Der Em­pi­re Sta­te In­dex des New Yor­ker Fed si­gna­li­sier­te mit schwä­cher als er­war­te­ten 4,5 Punk­ten ( Vor­mo­nat 12,5) ein lang­sa­me­res Wachs­tums­tem­po der In­dus­trie. Vom Pro­to­koll der jüngs­ten Sit­zung des Of­fen­markt­aus­schus­ses (FOMC) der US-No­ten­bank (Fed), wel­ches am heu­ti­gen Mitt­woch ver­öf­fent­licht wird, er­hofft man sich neue Hin­wei­se auf den geld­po­li­ti­schen Kurs des Fed. An­ge­sichts der zu­letzt ent­täu­schen­den Da­ten könn­te ei­ne even­tu­el­le An­pas­sung der an­ge­peil­ten Richt­wer­te in Be­zug auf die zu er­war­ten­de Zins­wen­de zur Dis­kus­si­on ste­hen. Bis­her will das Fed ei­ne Zins­wen­de er­wä­gen, so­bald die Ar­beits­lo­sen­quo­te 6,5% er­reicht. Trotz des in den letz­ten Mo­na­ten schwä­cher aus­ge­fal­le­nen Job­wachs­tums fiel die Er­werbs­lo­sen­ra­te zu Jah­res­be­ginn be­reits auf 6,6%. Am Don­ners­tag fol­gen neue Ver­brau­cher­preis­da­ten, der Früh­in­di­ka­tor zur wirt­schaft­li­chen Ent­wick­lung in den USA so­wie der Phil­ly-Fed-In­dex.

Die Pro­gno­sen der Ana­lys­ten deu­ten auf ein wei­ter mo­de­ra­tes Wirt­schafts­wachs­tum bei recht ge­rin­ger In­fla­ti­on hin. Der­zeit sind die US-Kon­junk­tur­da­ten aber

Ver­hal­te­ner Start – Ita­li­ens neu­er Re­gie­rungs­chef treibt die Kur­se

durch die Käl­te­wel­le be­ein­träch­tigt. Gold bleibt ge­fragt. Der Preis der Fein­un­ze klet­ter­te An­fang Woche auf den höchs­ten Stand seit En­de Ok­to­ber.

Ri­si­ko Mehr­wert­steu­er

Ja­pans Wirt­schaft prä­sen­tier­te sich im Schluss­quar­tal 2013 schwä­cher als er­war­tet. Auf das Jahr hoch­ge­rech­net ex­pan­dier­te die dritt­gröss­te Volks­wirt­schaft um 1%, wäh­rend Öko­no­men 2,8% pro­gnos­ti­ziert hat­ten. Hin­ter­grund war vor al­lem ei­ne ma­ge­re Zu­nah­me der Ex­por­te. Trotz bil­li­ge­rem Yen wuch­sen die Aus­fuh­ren im Quar­tals­ver­gleich nur ge­ra­de 0,4%. Im Ge­gen­satz stie­gen die Im­por­te um 3,5%. Im­mer­hin wuchs Ja­pans das vier­te Quar­tal in Fol­ge. Es fragt sich, ob die Wirt­schaft ro­bust ge­nug ist, um die im April ge­plan­te Er­hö­hung der Ver­brauchs­steu­er von 5 auf 8% zu ver­kraf­ten. Der Pri­vat­kon­sum, der in Ja­pan rund 60% zur Wirt­schafts­leis­tung bei­trägt, er­höh­te sich im vier­ten Quar­tal 2013 um re­al 0,5%. Auch, weil die Pri­vat­haus­al­te vor der an­ge­kün­dig­ten Steu­er­er­hö­hung Aus­ga­ben vor­zo­gen.

Kre­dit­boom in Chi­na

Die Hoff­nung, dass die ne­ga­ti­ven Fol­gen der Kon­s­um­steu­er­an­he­bung mit dem durch ei­nen schwa­chen Yen an­ge­trie­be­nen Ex­port­mo­tor ab­ge­fe­dert wer­den kön­nen, scheint in­fra­ge ge­stellt. Die Bank von Ja­pan re­agier­te mit ei­ner Aus­wei­tung ih­res Kre­dit­pro­gramms. Soll­ten sich die Ri­si­ken ver­stär­ken, wer­de sie nicht zö­gern, ih­re Po­li­tik an­zu­pas­sen, ver­si­cher­te No­ten­bank­chef Ku­ro­da.

Neus­te Da­ten las­sen auf ei­nen an­hal­ten­den Kre­dit­boom in Chi­na schlies­sen. Die Ban­ken in der zweit­gröss­ten Volks­wirt­schaft ha­ben An­fang Jahr neue Dar­le­hen über um­ge­rech­net 160 Mrd. € ver­ge­ben, 14,3% mehr als vor Jah­res­frist. Das ist der höchs­te Wert seit vier Jah­ren. Das ge­sam­te Kre­dit­vo­lu­men, in­klu­si­ve grau­er Ka­pi­tal­markt ( Ver­mö­gens­ver­wal­ter, Treu­hand­fonds und Fi­nan­zie­rungs­ve­hi­kel), stieg im Ja­nu­ar um 18,5% auf ei­nen Re­kord von rund 310 Mrd. €. Pe­kings Be­mü­hun­gen, die Ex­pan­si­on auf Pump zu dros­seln, schei­nen we­nig zu fruch­ten. Im­mer­hin sol­len sich aber die Kre­di­te an die mit ho­hem Ri­si­ko be­haf­te­ten Schat­ten­ban­ken ge­gen­über dem Vor­jahr hal­biert ha­ben. Der Fi­nanz­markt nahm die Kre­dit­da­ten aus Chi­na gut auf: Die Ver­ga­be von mehr neu­en Kre­di­ten deu­te auf stei­gen­de Ge­schäfts­ak­ti­vi­tät hin.

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