Ist Por­tu­gal der nächs­te Kan­di­dat?

Finanz und Wirtschaft - - OBLIGATIONEN - CA­THE­RI­NE REICH­LIN,

Noch vor kur­zem auf «Geh­hil­fen» an­ge­wie­sen, ha­ben die PIIGS-Län­der (Por­tu­gal, Ir­land, Ita­li­en Grie­chen­land, Spa­ni­en) wie­der Auf­wind. Im De­zem­ber ist Ir­land als ers­tes Land aus dem EU-Hilfs­pro­gramm aus­ge­schie­den, im Ja­nu­ar war Spa­ni­en in der La­ge, auf die Un­ter­stüt­zung sei­nes Ban­ken­sys­tems zu ver­zich­ten, und nun liegt das Au­gen­merk auf Por­tu­gal. Das Land könn­te als Nächs­tes «als ge­heilt ent­las­sen» wer­den. Denn das fi­nan­zi­el­les Un­ter­stüt­zungs­pro­gramm en­det am 17. Mai. Schon im Ja­nu­ar hat­te Por­tu­gal fast 50 % des Fi­nan­zie­rungs­be­darfs 2014 ge­deckt, und im Fe­bru­ar ge­lang es, wei­te­re 3 Mrd. € zu be­schaf­fen. Die­se Auf­sto­ckung ei­ner 2024 fäl­li­gen Staats­an­lei­he hat am Markt re­ges In­ter­es­se ge­weckt. So er­reich­te die Nach­fra­ge fast 10 Mrd. € bei ei­ner Ren­di­te von 5,11%, wo­bei ein Auf­schlag von 20 Ba­sis­punk­ten (Bp) zur ur­sprüng­li­chen Emis­si­on ge­bo­ten wird. An­ge­sichts der Kre­di­te, die Por­tu­gal als Fi­nanz­hil­fe von der EU und dem IWF ge­währt wur­den, und der Bar­re­ser­ven hat Por­tu­gal sei­nen Fi­nan­zie­rungs­be­darf für 2014 ge­deckt. Dank der Sta­bi­li­sie­rung der Wirt­schaft dürf­te das Land sein Ziel ei­nes Haus­halts­de­fi­zits von 5,5% des BIP er­rei­chen. Zu­dem hat sich das po­li­ti­sche Ri­si­ko nach Ein­schät­zung von Stan­dard & Poor’s (S&P) ver­rin­gert, denn die Re­gie­rungs­ko­ali­ti­on dürf­te ih­re Ver­pflich­tun­gen ein­hal­ten. Dies hat um­so mehr Ge­wicht, als S&P die Per­spek­ti­ven für Por­tu­gal von ne­ga­tiv auf sta­bil an­ge­ho­ben hat. Den­noch bleibt die Staats­schuld des Lan­des mit fast 130% des BIP hoch, die Wachs­tums­chan­cen sind nach wie vor be­schei­den. Der Fi­nan­zie­rungs­be­darf der kom­men­den Jah­re wird er­heb­lich blei­ben, und an­ge­sichts der wech­sel­haf­ten Stim­mung der Märk­te sagt der der­zei­ti­ge Er­folg nichts über die Zu­kunft aus. Heu­te ist mit Blick auf den 17. Mai kein Sze­na­rio aus­zu­schlies­sen. Zwar er­scheint das Hilfs­pro­gramm heu­te we­ni­ger not­wen­dig, doch die Ge­wäh­rung ei­ner vor­sorg­li­chen Kre­dit­li­nie wür­de dem Land – so ur­teilt vor al­lem EU-Kom­mis­si­ons­prä­si­dent Bar­ro­so – mehr Ver­trau­en und Si­cher­heit ge­ben. Folg­lich wä­ren Schluss­fol­ge­run­gen vor­ei­lig. Al­le Kon­fi­gu­ra­tio­nen blei­ben denk­bar. Doch ei­nes ist si­cher: Heu­te ist die Ri­si­ko­be­reit­schaft wich­ti­ger als an­de­re Fak­to­ren.

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