Ban­kret­tun­gen in Eu­ro­pa sind kein gu­tes Ge­schäft

Finanz und Wirtschaft - - VORDERSEITE - MH/CP

Der Roy­al Bank of Scot­land (RBS) steht er­neut ein Um­bau be­vor. Be­reits ist durch­ge­si­ckert, dass die bri­ti­sche Bank den Fo­kus noch mehr auf das bri­ti­sche Pri­vat­und Fir­men­kun­den­ge­schäft le­gen wird. Stra­te­gisch re­det bei RBS der Staat mit, der wäh­rend der Fi­nanz­kri­se 45 Mrd. £ (67 Mrd. Fr.) ein­ge­schos­sen hat und jetzt auf 81% der RBS-Ak­ti­en sitzt. Ein Ver­lust­ge­schäft, denn die Ti­tel no­tie­ren ein Vier­tel un­ter dem Ein­stands­preis.

Ban­kret­tun­gen sind teu­er und lang­wie­rig. RBS ist kei­ne Aus­nah­me. Zah­len der EU-Kom­mis­si­on zei­gen, dass seit Ok­to­ber 2008 über 400 Re­ka­pi­ta­li­sie­run­gen be­wil­ligt wur­den. Da­bei wur­den 413 Mrd. € aus­ge­ge­ben, was 3,2% des EU-Brut­to­in­land­pro­dukts von 2012 ent­spricht. Zu­sätz­lich wur­den Bi­lanz­gut­ha­ben im Wert 179 Mrd. € über­nom­men oder ge­gen Ver­lust ab­ge­si­chert. Bis ver­gan­ge­nen Ok­to­ber sind erst 92 Mrd. € zu­rück­ge­flos­sen. Auch für die EU gilt: Ban­kret­tun­gen wa­ren für sich al­lein ge­nom­men bis­her kei­ne gu­te In­ves­ti­ti­on für die Steu­er­zah­ler.

An­ders in der Schweiz und in den USA: Der Bund stell­te 2008 der schlin­gern­den UBS 6 Mrd. Fr. zur Ver­fü­gung, konn­te die Be­tei­li­gung aber im Fol­ge­jahr mit Ge­winn ver­äus­sern. Auch die SNB, de­ren St­ab­Fund il­li­qui­de Ak­ti­ven von 39 Mrd. Fr. von der UBS über­nom­men hat­te, kam (dank gu­ter Markt­ent­wick­lung) nicht zu Scha­den. Als Er­folgs­fak­to­ren der Ret­tung gel­ten die Re­duk­ti­on der Bi­lanz­ri­si­ken, die Li­qui­di­täts­zu­fuhr und die Er­hö­hung des Ei­gen­ka­pi­tals, die in ih­rer Kom­bi­na­ti­on die Bank sta­bi­li­siert ha­ben.

In den USA wur­den Ban­ken 2009 ge­zwun­gen, vom Staat ei­ne Re­ka­pi­ta­li­sie­rung zu ak­zep­tie­ren. Ins­ge­samt wur­den 245 Mrd. $ aus­ge­ge­ben. Wie Zah­len des US-Fi­nanz­mi­nis­te­ri­ums zei­gen, ha­ben Ban­ken 238 Mrd. $ des Ka­pi­tals zu­rück­ge­zahlt, ins­ge­samt sind dem Staat aus dem Fi­nanz­sek­tor 273 Mrd. $ zu­ge­flos­sen.

Noch dür­fen die Eu­ro­pä­er hof­fen. Nach­dem Ak­ti­en von Lloyds Ban­king, ei­ner wei­te­ren teil­ver­staat­lich­ten bri­ti­schen Bank, mit Ge­winn ver­kauft wor­den sind, dürf­ten wei­te­re ge­winn­brin­gen­de Plat­zie­run­gen fol­gen. Aber in Deutsch­land (u. a. Com­merz­bank), den Nie­der­lan­den (ABN Am­ro, ING), in Frank­reich (De­xia), Spa­ni­en (u. a. Ban­kia) und in Ir­land (u. a. Ang­lo Irish) dürf­te es lan­ge dau­ern, bis – falls über­haupt – die Ret­tung von Ban­ken zum Ge­schäft wird.

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