Zins­fra­ge birgt Zünd­stoff

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE - CG

Un­ter den ame­ri­ka­ni­schen Wäh­rungs­hü­tern sorgt ei­ne Fra­ge für Zünd­stoff, über die sie schon lan­ge nicht mehr aus­führ­lich ge­re­det ha­ben: Wann ist die Zeit reif für den ers­ten Zins­schritt? Die Fe­deral Funds Ra­te, wie der Leit­zins in den USA ge­nannt wird, be­wegt sich seit En­de 2008 auf na­he­zu null. Fünf Jah­re nach der Fi­nanz­kri­se drän­gen die ers­ten Mit­glie­der im Rat der US-No­ten­bank jetzt dar­auf, die Null­zins­po­li­tik zu be­en­den. Sie sind so­gar der An­sicht, dass «es schon re­la­tiv bald an­ge­bracht sein könn­te, die Fe­deral Funds Ra­te zu er­hö­hen», wie sich im die­se Woche ver­öf­fent­lich­ten Pro­to­koll zur letz­ten Fe­dSit­zung nach­le­sen lässt.

Noch ma­chen die Zins­fal­ken al­ler­dings nur ei­ne klei­ne Min­der­heit aus. Die neue No­ten­bank­che­fin Ja­net Yel­len hat bei ih­rem ers­ten of­fi­zi­el­len Auf­tritt vor dem US-Kon­gress un­längst be­kräf­tigt, dass sie noch lan­ge nicht an der Zins­schrau­be dre­hen will. Wie die meis­ten Mit­glie­der im Vor­sitz des Fe­deral Re­ser­ve denkt sie, dass ein sol­cher Schritt frü­hes­tens im spä­te­ren Ver­lauf des kom­men­den Jah­res an­ge­bracht ist. Ge­mäss den Han­dels­kon­trak­ten an der Chi­ca­go­er Ter­min­bör­se CME rech­nen In­ves­to­ren ge­gen­wär­tig da­mit, dass es im Sep­tem­ber 2015 so weit ist.

Trotz­dem hat es Si­gnal­wir­kung, wenn das lan­ge un­ter­ge­ord­ne­te Thema in der De­bat­te der US-Wäh­rungs­hü­ter wie­der an Ak­tua­li­tät ge­winnt. So­lan­ge das Sti­mu­lus­pro­gramm QE3 noch auf vol­len Tou­ren lief, lag der ers­te Zins­schritt weit in der Fer­ne. Weil die US-No­ten­bank das Pro­gramm nun aber gra­du­ell zu­rück­fährt, wer­den sich die Märk­te in den kom­men­den Mo­na­ten mehr und mehr auf die Fe­deral Funds Ra­te fo­kus­sie­ren. Das, zu­mal we­der die zu­letzt schwä­che­ren Kon­junk­tur­da­ten noch die Tur­bu­len­zen in den Schwel­len­län­dern für grös­se­re Be­un­ru­hi­gung im Vor­sitz des Fed zu sor­gen schei­nen. So ha­ben sich die­se Woche selbst in der In­fla­ti­ons­be­kämp­fung mil­de Fed-Di­strikt­prä­si­den­ten wie Den­nis Lock­hart (At­lan­ta) und John Wil­li­ams (San Fran­cis­co) klar da­für aus­ge­spro­chen, am Fahr­plan zur Dros­se­lung von QE3 fest­zu­hal­ten.

Die Zins­er­war­tun­gen im Markt zu dämp­fen, wird für Fed-Che­fin Yel­len da­mit zum Ba­lan­ce­akt. An der No­ten­bank­sit­zung von Mit­te März wird sich erst­mals zei­gen, wie gut ihr Draht zu In­ves­to­ren ist. Ent­schei­dend wird sein, was sie zur Pro­gno­se für die Fed Funds Ra­te sagt. Bis­lang hat die US-No­ten­bank er­klärt, dass sie erst über ei­ne Zins­er­hö­hung nach­den­ken wer­de, wenn die Ar­beits­lo­sen­ra­te auf 6,5% fal­le, und selbst dann wer­de sie wohl noch lan­ge mit dem ers­ten Schritt war­ten. Da die Ar­beits­lo­sen­quo­te aber be­reits auf 6,6% ge­sun­ken ist, wird Yel­len bald er­klä­ren müs­sen, wel­che Kri­te­ri­en künf­tig für die Geld­po­li­tik ent­schei­dend sind.

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