Ver­ges­se­ner Ri­si­ko­fak­tor Po­li­tik

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE - PR

Bür­ger­kriegs­ähn­li­che Zu­stän­de in Kiew, es­ka­lie­ren­de Mas­sen­de­mons­tra­tio­nen in Bang­kok und ge­walt­sa­me Aus­schrei­tun­gen in Ve­ne­zue­las Haupt­stadt Ca­ra­cas. So un­ter­schied­lich die Ur­sa­chen der Kon­flik­te auch sein mö­gen, ei­nes ist ih­nen ge­mein­sam: Ihr Aus­mass und ih­re Hef­tig­keit hat vie­le über­rascht.

Auch die In­ves­to­ren ha­ben das po­li­ti­sche Ri­si­ko bei En­ga­ge­ments in Schwel­len­län­deran­la­gen un­ter­schätzt. Zu lan­ge ha­ben sie sich durch die gu­ten Wachs­tums­aus­sich­ten und Bo­ni­täts­ver­bes­se­run­gen blen­den las­sen. Auf der Su­che nach Ren­di­te wur­den im gros­sen Stil Ver­mö­gens­wer­te die­ser Län­der ge­kauft. Nur so war es mög­lich, dass die An­lei­hen­ren­di­ten auf his­to­ri­sche Tief­stän­de san­ken.

Vom Wachs­tum ge­blen­det

Auch am Ak­ti­en­markt wa­ren die An­le­ger bei der Ri­si­ko­ein­schät­zung nach­läs­sig: Der Be­wer­tungs­ab­schlag wur­de im­mer klei­ner. Im Jahr 2007 und 2009 war das Kurs-Ge­winn-Ver­hält­nis des Schwel­len­län­der­index so­gar gleich hoch wie je­nes des Ak­ti­en­welt­in­dex. In­ves­to­ren wa­ren be­reit, für Ak­ti­en der Schwel­len­län­der gleich viel zu be­zah­len wie für Va­lo­ren der In­dus­trie­län­der, ob­schon es sich meist um noch jun­ge De­mo­kra­ti­en oder au­to­kra­tisch re­gier­te Staa­ten han­del­te.

Bei den Staats­an­lei­hen dau­er­te die Schwel­len­län­der­ma­nie län­ger an. An­fang 2013 er­reich­te die durch­schnitt­li­che Ren­di­te ei­ner Dol­lar-An­lei­he ge­mes­sen am EMBI-In­dex von J. P. Mor­gan mit 4,4% das ab­so­lu­te Re­kord­tief. Der Ren­di­te­auf­schlag zu US-Staats­an­lei­hen, ein auch Kre­dit­spre­ad ge­nann­tes Mass für das Aus­fall­ri­si­ko, war auf nur noch 245 Ba­sis­punk­te ge­schrumpft (vgl. Gra­fik).

Ukrai­ne er­neut her­ab­ge­stuft

Doch das än­der­te sich mit der Ta­pe­rin­gHys­te­rie, als sich An­le­ger aus Furcht vor ei­ner we­ni­ger ex­pan­si­ven US-Geld­po­li­tik aus den Schwel­len­län­dern zu­rück­zu­zie­hen be­gan­nen. Un­ter­des­sen sind die Emer­ging Mar­kets aus der In­ves­to­ren­gunst ge­fal­len. Die po­li­ti­schen Kri­sen in ei­ner Rei­he von Län­dern ver­schär­fen den Ver­trau­ens­ver­lust.

Der thai­län­di­sche Ak­ti­en­markt ge­hört mit ei­nem Jah­res­mi­nus von 20% in Dol­lar zu den schlech­tes­ten der Emer­ging Mar­kets. Die zehn­jäh­ri­ge Dol­lar-An­lei­he Ve­ne­zue­las wird zu 64% des No­mi­nal­werts ge­han­delt, das ent­spricht ei­ner Ren­di­te von 16,5%. Am Don­ners­tag ren­tier­te das im Ju­ni fäl­li­ge ukrai­ni­sche Pa­pier zwi­schen­zeit­lich mehr als 40%.

Die Ra­ting­agen­tur Stan­dard & Poor’s hält ei­nen Zah­lungs­aus­fall der Ukrai­ne in die­sem Jahr für wahr­schein­lich und hat die lang­fris­ti­gen Schuld­ti­tel um ei­ne Stu­fe auf CCC ge­senkt. Das dürf­te auch die bis­her op­ti­mis­ti­schen Gross­in­ves­to­ren ver­un­si­chern, wie et­wa Micha­el Ha­sen­stab von Fran­klin Temp­le­ton, der einst mit En­ga­ge­ments in iri­sche und un­ga­ri­sche An­lei­hen gros­sen Er­folg hat­te. Ge­mäss Bloom­berg ha­ben sei­ne Fonds noch im Herbst Po­si­tio­nen in der Ukrai­ne auf­ge­baut und hal­ten mit 6,4 Mrd. $ mehr als ein Drit­tel der Dol­lar­schul­den des Lan­des. Fran­klin Temp­le­ton kom­men­tiert die ak­tu­el­len Po­si­tio­nen nicht, hält aber all­ge­mein fest, dass ris­kan­te Ein­zel­po­si­tio­nen in ei­nem An­lei­hen­port­fo­lio mit 190 Mrd. $ an­ge­sichts des ge­rin­gen Ge­wichts kein Pro­blem dar­stell­ten.

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