Dreh­schei­be

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE - ET

Die mas­si­ven Ver­käu­fe aus Gold­fonds ha­ben zum Preis­ein­bruch des ver­gan­ge­nen Jah­res ge­führt (vgl. Haupt­text). Der Gross­teil die­ses Gol­des ist nach Asi­en ge­flos­sen, vor al­lem nach Chi­na. Doch da­zu muss­ten die gros­sen Bar­ren die­ser Fonds – die ih­ren Gold­be­stand in Lon­don la­gern – für den asia­ti­schen Ge­schmack in klei­ne­re Bar­ren und Mün­zen um­ge­schmol­zen wer­den. Vie­le da­von wur­den aus Lon­don an Raf­fi­ne­ri­en in der Schweiz ge­lie­fert, von wo sie dann nach Asi­en ex­por­tiert wur­den.

Im Jahr 2013 hat die Schweiz 3060 Ton­nen Gold im­por­tiert und 2777 Ton­nen ex­por­tiert. Drei Vier­tel des in­ter­na­tio­nal ge­han­del­ten Gol­des lau­fen über die Schweiz. Das war schon vor 2013 so. Meh­re­re der welt­gröss­ten Gold­raf­fi­ne­ri­en be­fin­den sich in der Schweiz. We­gen der ho­hen Qua­li­täts­stan­dards so­wie der Fak­to­ren Si­cher­heit und Sta­bi­li­tät – und der Nä­he zu edel­me­tall­ver­ar­bei­ten­den In­dus­trie­sek­to­ren – sind Gold­schmel­zen in der Schweiz his­to­risch ge­wach­sen. Seit je­her wur­de ein sehr ho­her An­teil der welt­weit ver­zeich­ne­ten Raf­fi­ne­rie­tä­tig­kei­ten in der Schweiz aus­ge­führt. Die in Neu­châ­tel an­säs­si­ge Me­ta­lor z. B. hat auch Nie­der­las­sun­gen in meh­re­ren asia­ti­schen Län­dern, dar­un­ter in Chi­na. Da ist es nicht er­staun­lich, dass viel Gold aus Lon­don den Weg über die Schwei­zer Schmel­zen nach Asi­en nimmt.

Der im­mer wie­der auf­tau­chen­de Vor­wurf, die Schweiz sei Dreh­schei­be und Schlupf­loch für un­lau­te­ren Gold­han­del, scheint we­nig Fleisch am Kno­chen zu ha­ben, auch wenn das in ein­zel­nen Fäl­len stim­men mag. Die meis­ten Raf­fi­ne­ri­en ver­fol­gen höchs­te Stan­dards der Cor­po­ra­te Go­ver­nan­ce. Am Don­ners­tag hat die Zoll­ver­wal­tung erst­mals nach Län­dern auf­ge­schlüs­selt, was der For­de­rung nach mehr Trans­pa­renz im Edel­me­tall­han­del nach­kommt.

44% des aus der Schweiz ex­por­tier­ten Gol­des flos­sen im Ja­nu­ar nach Hong­kong – und von dort aus zum Gross­teil nach Fest­land­chi­na. 14% der Gold­ex­por­te gin­gen nach In­di­en, 9% nach Sin­ga­pur, 8% in die Ara­bi­schen Emi­ra­te und 6% nach Fest­land­chi­na. Auch die Im­port­sta­tis­tik be­legt den an­hal­ten­den Gold­fluss von Lon­don über die Schweiz nach Asi­en: 60% der Schwei­zer Gold­im­por­te stamm­ten im Ja­nu­ar aus Gross­bri­tan­ni­en. Zu er­wäh­nen ist, dass der Gold­han­del wert­mäs­sig rund ein Drit­tel des ge­sam­ten Schwei­zer Aus­sen­han­dels aus­macht. lo­gi­schen Trig­ger aus­lö­sen und Ak­ti­en und Bonds in den Kel­ler schi­cken, und um den Dol­lar nicht zu stark ab­wer­ten zu las­sen.

In Fra­ge ge­stellt wird zu­dem im­mer wie­der – nicht nur von Ver­schwö­rungs­theo­re­ti­kern –, ob das Fed über­haupt noch Gold be­sit­ze. Es dürf­te in­ter­es­sant sein zu be­ob­ach­ten, was pas­siert, wenn im­mer mehr phy­si­sches Gold nach Asi­en fliesst und das An­ge­bot phy­si­schen Gol­des im Ver­hält­nis zu den aus­ste­hen­den Pa­pier­kon­trak­ten im Wes­ten knapp wird.

Seit An­fang Jahr ist Gold 10% ge­stie­gen, un­ter an­de­rem we­gen des schwa­chen Dol­lars und trotz der Re­duk­ti­on der An­lei­hen­käu­fe durch das Fed so­wie der im­mer noch sehr pes­si­mis­ti­schen Stim­mung für Gold. Die Roh­stoff­ana­lys­ten von Ju­li­us Bär z. B. rech­nen da­mit, dass die Nach­fra­ge aus Chi­na, die dem Goldpreis im letz­ten Jahr ei­nen Bo­den ge­ge­ben hat, ab­neh­men wird (vgl. Gra­fik 4). Dann wür­de der Goldpreis auch oh­ne Fed-Ma­ni­pu­la­ti­on noch­mals deut­lich sin­ken.

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