Rück­kehr zur Nor­ma­li­tät

Finanz und Wirtschaft - - MONITOR - STE­PHA­NIE LINDECK,

Die Konjunktur der In­dus­trie­län­der läuft wei­ter po­si­tiv. Der Er­ho­lungs­grad ist je­doch noch recht un­ter­schied­lich, wes­halb auch die geld­po­li­ti­schen Stra­te­gi­en mit­un­ter di­ver­gie­ren. Die Zen­tral­ban­ken sor­gen aber da­für, dass auch 2014 das geld­po­li­ti­sche Um­feld ri­si­ko­rei­che An­la­gen un­ter­stützt. Zum En­de der Woche ten­dier­ten die Ak­ti­en­märk­te in den USA, Ja­pan und Eu­ro­pa leicht tie­fer, mach­ten aber im Lau­fe des Frei­tags Bo­den gut.

Der MSCI Emer­ging Mar­kets, der die Schwel­len­län­der zu­sam­men­fasst, zeig­te da­ge­gen wei­te­re Ver­lus­te. Vor al­lem der er­neut ge­sun­ke­ne vor­läu­fi­ge Ein­kaufs­ma­na­ger­index (PMI) für das ver­ar­bei­ten­de Ge­wer­be in Chi­na und Sor­gen um ei­ne mög­li­cher­wei­se län­ge­re Schwel­len­län­der­schwä­che dämpf­ten die Stim­mung. Dem ent­ge­gen stan­den wei­ter po­si­ti­ve Nach­rich­ten von der Be­richts­sai­son aus den USA und Eu­ro­pa. Mit dem Wachs­tum des Brut­to­in­land­pro­dukts (BIP) im vier­ten Quar­tal kann Bi­lanz für 2013 ge­zo­gen wer­den. In den USA und Gross­bri­tan­ni­en ist die Er­ho­lung am wei­tes­ten vor­an­ge­schrit­ten, das BIP hat je­weils 1,9% ge­gen­über Vor­jahr zu­ge­legt. Dicht­auf folgt Ja­pan, das mit +1,6% zwar die Er­war­tun­gen ent­täuscht hat, aber im­mer noch über­zeugt. In der Eu­ro­zo­ne sank das BIP um 0,4%.

Die auf­wärts wei­sen­den Wachs­tums­ra­ten im vier­ten Quar­tal und die deut­lich über der Ex­pan­si­ons­schwel­le von 50 lie­gen­den PMI stim­men op­ti­mis­tisch, dass sich die Er­ho­lung fort­setzt − wenn­gleich die Dy­na­mik im his­to­ri­schen Ver­gleich ver­hal­ten ist. Für 2014 dürf­te es in den USA und Gross­bri­tan­ni­en noch ei­nen kräf­ti­gen An­schub ge­ben. In Ja­pan wird die Wirt­schaft lang­sa­mer wach­sen, da die Mehr­wert­steu­er-

Geld­po­li­ti­sches Um­feld bleibt für ri­si­ko­rei­che An­la­gen un­ter­stüt­zend.

USA und UK vor­ne

er­hö­hung im April den pri­va­ten Kon­sum dämp­fen dürf­te. Weil die Eu­ro­zo­ne ge­ra­de erst den Auf­hol­pro­zess be­ginnt, ist hier die stärks­te Dy­na­mik mit ei­nem BIPSprung auf 1,1% zu er­war­ten.

Mit der Ver­bes­se­rung der wirt­schaft­li­chen La­ge zeich­net sich bei der US-No­ten­bank (Fed) und der Bank of En­g­land (BoE) all­mäh­lich ei­ne Rück­kehr zur kon­ven­tio­nel­len Geld­po­li­tik ab. In Gross­bri­tan­ni­en ist das An­lei­hen­kauf­pro­gramm be­reits be­en­det, und auch das Fed setzt die Re­du­zie­rung fort. Nach der Ver­öf­fent­li­chung des Sit­zungs­pro­to­kolls des Fed-Of­fen­markt­aus­schus­ses in die­ser Woche kam es be­reits zu Ve­r­un­si­che­rung hin­sicht­lich der Dau­er­haf­tig­keit der Null­zins­po­li­tik, da of­fen­kun- dig Zins­er­hö­hun­gen dis­ku­tiert wur­den. Just ha­ben sich die Markt­er­war­tun­gen des ers­ten Zins­schritts, wie aus der Over­night-In­dex-Swap-Kur­ve ab­zu­lei­ten ist, um zwei Mo­na­te auf Ok­to­ber 2015 nach vor­ne ver­scho­ben. Ra­scher wird nur die BoE die Ab­kehr von der Null­zins­po­li­tik wa­gen.

Be­richts­sai­son po­si­tiv

Ver­gan­ge­ne Woche wur­de zwar die bis­he­ri­ge Leit­rhe­to­rik auf­ge­ho­ben, wo­nach ei­ne Zins­er­hö­hung an die – über­ra­schend schnell sin­ken­de – Ar­beits­lo­sen­quo­te ge­kop­pelt war, die Aus­sa­gen des Gou­ver­neurs der BoE deu­ten aber auf ei­ne Er­hö­hung des Leit­zin­ses in der ers­ten Jah­res­hälf­te 2015 hin. Der seit der zwei­ten Run­de des Li­qui­di­täts­pro­gramms an­ge­kauf­te Be­stand von Staats­an­lei­hen in Hö­he von 375 Mrd. £ soll bis zu die­sem Zeit­punkt kon­stant ge­hal­ten wer­den.

Wäh­rend die USA ih­re Be­richts­sai­son na­he­zu be­en­det ha­ben, ist sie in Eu­ro­pa noch in vol­lem Gang. Mitt­ler­wei­le ha­ben rund 80% der US-Un­ter­neh­men (87% Markt­ka­pi­ta­li­sie­rung) be­rich­tet, grös­se­re Stör­feu­er sind da­her nicht mehr zu er­war­ten. So­wohl Um­satz als auch Ge­winn über­rasch­ten po­si­tiv. Wäh­rend der Um­satz ge­gen­über dem Vor­quar­tal am En­de nur 0,8% ge­wach­sen sein dürf­te, kön­nen sich die Ge­win­ne mit +9% se­hen las­sen. In Eu­ro­pa ha­ben erst 29% der Un­ter­neh­men (42% Markt­ka­pi­ta­li­sie­rung) Quar­tals­er­geb­nis­se vor­ge­legt, wo­bei auch hier der Über­ra­schungs­fak­tor po­si­tiv war. Ins­ge­samt ist von 0,6% Um­satz- und 1,3% Ge­winn­zu­wachs aus­zu­ge­hen. Da bis­her nur ein klei­ner Teil be­rich­tet hat, könn­te sich dies aber noch än­dern. Al­les in al­lem blei­ben die Er­war­tun­gen für Eu­ro­pa ge­gen­über den USA viel zu­rück­hal­ten­der.

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