Par­al­le­le zu 1976

Finanz und Wirtschaft - - ROHSTOFFE/DERIVATIVE INSTRUMENTE - LOMBARD ODIER IN­VEST­MENT MA­NA­GERS

DGold er­hol­te sich in den Sieb­zi­ger­jah­ren schnell – Geld­po­li­tik stützt

as ver­gan­ge­ne Jahr war von ei­ner gleich­gül­ti­gen Ein­stel­lung der An­le­ger ge­gen­über Ri­si­ken ge­prägt. Doch die­se Gleich­gül­tig­keit be­ginnt zu schwin­den.

Im Ja­nu­ar hiel­ten die Wachs­tums­sor­gen in Chi­na, die Tur­bu­len­zen in der Tür­kei und po­li­ti­sche Un­ru­hen in der Ukrai­ne und Thai­land die In­ves­to­ren in ih­rem Bann. In den ver­gan­ge­nen paar Jah­ren hat­ten die Schwel­len­län­der dank bil­li­gem Geld und den ul­tra­tie­fen Zin­sen den US-No­ten­bank Fed vom Zuf­luss ren­di­te­su­chen­den Ka­pi­tals pro­fi­tiert. Die­ser Geld­fluss be­ginnt nun zu keh­ren, was Län­dern, die an­fäl­lig für fi­nan­zi­el­le und/oder po­li­ti­sche In­sta­bi­li­tät sind, Schwie­rig­kei­ten be­rei­ten könn­te.

An­ge­sichts die­ser Un­si­cher­heit um die Schwel­len­län­der su­chen die An­le­ger wie­der Zuflucht in si­che­ren Hä­fen. Gold hat das neue Jahr mit ei­ner Avan­ce von 9,4% bis Mit­te Fe­bru­ar er­öff­net.

In der ers­ten Jah­res­hälf­te dürf­ten meh­re­re Fak­to­ren den Preis des gel­ben Edel­me­talls stüt­zen. Die Tur­bu­len­zen in den Schwel­len­län­dern wer­den wohl an­hal­ten, aus Chi­na wird Gold wei­ter re­ge nach­ge­fragt, und die USNo­ten­bank könn­te Hin­wei­se dar­auf ge­ben, dass sie – in wel­cher Form auch im­mer – auf ei­ne wei­ter­hin ak­ko­mo­die­ren­de Geld­po­li­tik set­zen will.

Die jün­ge­re Ge­schich­te zeigt, dass die US-No­ten­bank da­zu neigt, durch ih­re geld­po­li­ti­sche Lo­cke­rung Pha­sen mit ei­ner ex­zes­si­ven Kre­dit­ver­ga­be aus­zu­lö­sen. Der Li­qui­di­täts­über­schuss mün­det dann in Epi­so­den mit ei­ner hef­ti­gen In­fla­ti­on der Ver­mö­gen­s­prei­se. Seit 1997 hat je­de Re­ak­ti­on der US-No­ten­bank auf wirt­schaft­li­che Sor­gen zu über­hitz­ten Märk­ten und dar­auf fol­gend zu ei­nem Ein­bruch bei den Tech­no­lo­gie­ak­ti­en und im Im­mo­bi­li­en­sek­tor ge­führt. Die­ses Mus­ter hat sich bei der Asi­en­kri­se, dem Kol­laps des Hedge Fund Long-Term Ca­pi­tal Ma­nage­ment, den Sor­gen um die Um­stel­lung der Com­pu­ter­sys­te­me auf das Jahr 2000 und dem Ab­sturz im Tech-Sek­tor wie­der­holt.

Im Zu­ge der jüngs­ten Fi­nanz­kri­se hat Ben Bernan­ke, der nun ab­ge­tre­te­ne Vor­sit­zen­de der USNo­ten­bank, in Sa­chen geld­po­li­ti­scher Lo­cke­rung mit dem Quan­ti­ta­ti­ve Ea­sing noch eins drauf­ge­setzt. Die ge­gen­wär­ti­ge No­ten­bank­che­fin Ja­net Yel­len dürf­te es ihm gleich­tun. Es ist zu be­fürch­ten, dass die US-No­ten­bank als Re­ak­ti­on auf die Fi­nanz­kri­se auch die­ses Mal viel zu lan­ge ei­ne viel zu lo­cke­re Po­li­tik bei­be­hält.

Ne­ben die­sen geld­po­li­ti­schen Über­le­gun­gen ver­heisst auch die bis­he­ri­ge Be­we­gung des Gold­prei­ses po­si­ti­ve Aus­sich­ten für das Edel­me­tall. Auf lan­ge Sicht sind durch­aus Ähn­lich­kei­ten zwi­schen der La­ge am Gold­markt heu­te und der Bais­se von Ja­nu­ar 1975 bis Au­gust 1976 zu er­ken­nen. Da­mals muss­te der Goldpreis 43% nach­ge­ben. Pünkt­lich zum En­de der Bais­se war im «Time Ma­ga­zi­ne» ein Ar­ti­kel mit dem Ti­tel «The Gre­at Gold Bust» er­schie­nen. Gol­din­ves­to­ren konn­ten sich da­nach freu­en: In den drei Jah­ren nach 1976 er­klomm der Goldpreis neue Höchst.

Von Sep­tem­ber 2011 bis Ju­ni 2013 hat Gold 36% ver­lo­ren, und auch heu­te sind wie­der ähn­lich pes­si­mis­ti­sche Kom­men­ta­re wie 1976 zu hö­ren. So schrieb et­wa UBS Glo­bal Re­se­arch am 13. Ja­nu­ar: «Gol­dbul­len ste­hen al­lein da – nach ei­nem ver­hee­ren­den 2013 sind nur we­ni­ge An­le­ger ge­neigt, Gold zu ver­trau­en.»

Die Stim­mung hat sich ge­gen Gold ge­wen­det. Doch 1976 hat­te es sich ge­lohnt, Con­tra­ri­an zu sein. Wird es sich auch 2014 für Gold­an­le­ger aus­zah­len, dem Pes­si­mis­mus nicht zu glau­ben?

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