Der Zu­kunfts­markt Sa­phirglas be­flü­gelt die

Wenn Smart­pho­ne-Her­stel­ler stär­ker auf das ro­bus­te Ma­te­ri­al set­zen, be­lebt sich das Ge­schäft der Zu­lie­fe­rer. Auch der Schwei­zer So­lar­aus­rüst

Finanz und Wirtschaft - - TRENDS IN DER MOBILE - CLAU­DIA CARL

WNach­fra­ge steigt

ie stark kommt Sa­phirglas in der Smart­pho­ne-Pro­duk­ti­on künf­tig zum Ein­satz? Die Fra­ge be­wegt nicht nur Han­dy­be­sit­zer, die auf ro­bus­te­re Bild­schir­me hof­fen, son­dern auch die An­le­ger. Der Schwei­zer Zu­lie­fe­rer Mey­er Bur­ger könn­te ein neu­es Stand­bein auf­bau­en, wenn Sa­phirglas den Mas­sen­markt er­obert. US-Bran­chen­nach­bar GT Ad­van­ced Tech­no­lo­gies hat mit App­le be­reits ei­ne Ko­ope­ra­ti­on ab­ge­schlos­sen.

Das zweit­här­tes­te Ma­te­ri­al nach Dia­mant wird syn­the­tisch un­ter an­de­rem in der op­ti­schen, me­cha­ni­schen, che­mi­schen und elek­tro­tech­ni­schen In­dus­trie ein­ge­setzt. So be­steht bei­spiels­wei­se das Deck­glas hoch­wer­ti­ger Uh­ren aus Sa­phirglas. Sa­phir ist auch Be­stand­teil von Halb­lei­ter­pro­duk­ten, et­wa Leucht­di­oden. App­le setzt Sa­phirglas seit 2012 in iPho­neMo­del­len ein, als Schutz für die Ka­me­ra­l­in­se und für den Fin­ger­ab­druck-Sen­sor. An­zei­chen, dass Sa­phirglas ei­ne brei­te­re An­wen­dung fin­den könn­te, ver­dich­ten sich. Die US-Markt­for­scher von IHS schät­zen, dass im lau­fen­den Jahr 20% der Nach­fra­ge nach syn­the­ti­schem Sa­phir aus der Han­dy­in­dus­trie kom­men dürf­te. 2012 wa­ren es 5% ge­we­sen. Ne­ben App­le dürf­ten wei­te­re Her­stel­ler auf das neue Ma­te­ri­al set­zen, mei­nen sie. Die Ana­lys­ten von Yo­le Dé­ve­lop­pe­ment aus Frank­reich ge­hen da­von aus, dass es 1,8 Mrd. $ für den Aus­bau ei­ner Lie­fer­ket­te bräuch­te, nur um ein be­lieb­tes Smart­pho­ne-Mo­dell mit ei­nem Dis­play aus Sa­phirglas aus­zu­stat­ten. Auch oh­ne Bild­schir­me dürf­ten 2015 auf ver­gleich­ba­rer Ba­sis be­reits rund 220 Mio. Sa­phir-Wa­fer ge­braucht wer­den, pro­gnos­ti­ziert die Cre­dit Suis­se (vgl. Gra­fik).

Bis­her set­zen vie­le Her­stel­ler auf Go­ril­laglas (vgl. Kas­ten), das als Han­dy-Dis­play um 3 $ kos­tet. Für ei­nen Bild­schirm aus Sa­phirglas sind es nach An­ga­ben von Yo­le Dé­ve­lop­pe­ment auf Ba­sis der ver­füg­ba­ren Tech­no­lo­gi­en noch 25 bis 30 $, der Preis könn­te aber mit hö­he­ren Vo­lu­men auf 10 bis 13 $ sin­ken. In der Bran­che gilt ein Stück­preis un­ter 10 $ als mög­lich.

GT Ad­van­ced Tech­no­lo­gies gab im No­vem­ber ei­ne Ko­ope­ra­ti­on mit App­le für die Her­stel­lung von syn­the­ti­schem Sa­phir be­kannt. Der Kon­zern er­hält da­für ei­ne Vor­aus­zah­lung von rund 578 Mio. $. Ga­ran­tier­te Men­gen sind nicht vor­ge­se­hen, GT Ad­van­ced Tech­no­lo­gies soll aber ei­ne Min­dest­ka­pa­zi­tät vor­hal­ten. Der Zu­lie­fe­rer rech­net be­reits für 2014 mit ei­nen po­si­ti­ven Cash- und Ge­winn-Bei­trag. Der er­war­te­te Ein­fluss auf den Um­satz ist be­trächt­lich (vgl. Ak­ti­en­ta­bel­le).

Mey­er Bur­ger kommt beim Tren­nen des Sa­phirs mit Dia­mant­draht­sä­gen ins Spiel, so­wie mit Ver­brauchs­ma­te­ri­al, Mess-, Kon­troll- und Steue­rungs­ver­fah­ren im Ver­ar­bei­tungs­pro­zess, Vor- und Nach­be­rei­tung. Das An­ge­bot ist kei­nes­falls neu. In den letz­ten Wo­chen schlug der Puls der An­le­ger aber trotz­dem hö­her. Ein Auf­trag vom De­zem­ber über die Lie­fe­rung von in­dus­tri­el­len Dia­mant­draht-Sä­ge­sys­te­men und Ver­brauchs­ma­te­ri­al im Wert von bis zu 70 Mio. Fr. für das lau­fen­de Jahr an ei­nen Neu­kun­den aus­ser­halb des So­lar- sek­tors soll Ge­rüch­ten zu­fol­ge von App­le stam­men. Mey­er Bur­ger will die­se Spe­ku­la­tio­nen nicht kom­men­tie­ren.

Uhr oder Han­dy?

Die Thu­ner sind aber nicht die ein­zi­gen, die Lö­sun­gen für Sa­phir-Be­ar­bei­tung ha­ben. Ei­ne wei­te­re Al­ter­na­ti­ve sind La­ser­sys­te­me. GT Ad­van­ced Tech­no­lo­gies wie­der­um si­cher­te sich mit dem Kauf des Kern­ge­schäfts des So­lar­un­ter­neh­mens Twin Creeks Tech­no­lo­gies 2012 Zu­griff auf die Hy­pe­ri­on-Tech­no­lo­gie. Un­ter Ein­satz von Was­ser­stoff-Io­nen las­sen sich da­mit sehr dün­ne Sa­phirschich­ten schnei­den, was neue Va­ri­an­ten mög­lich macht. Ge­mäss Cre­dit Suis­se könn­ten Bild­schir­me mit Sa­phir-La­mi­na­ten ab 2015 nur noch 3 bis 5 $ pro Bild­schirm kos­ten.

Über die Fra­ge, ob App­le für das kom­men­de iPho­ne 6 auf ei­nen Sa­phirglas- Bild­schirm setzt oder nicht, schei­den sich die Geis­ter. Al­ter­na­tiv se­hen Ex­per­ten auch Ein­satz­mög­lich­kei­ten für Smart­wat­ches, et­wa von App­le. Dass das In­ter­es­se des Tech­no­lo­gie­rie­sen an Sa­phirglas ge­ne­rell gross ist, zeigt ein Pa­ten­t­an­trag vom ver­gan­ge­nen Herbst, in dem es um Sa­phir-La­mi­na­te geht. App­le-Zu­lie­fe­rer Fox­conn soll zu­dem be­reits Han­dy-Pro­to­ty­pen ge­baut ha­ben.

Im Fall von GT Ad­van­ced Tech­no­lo­gies hat die Über­ein­kunft mit App­le die At­trak­ti­vi­tät der Ti­tel ge­stei­gert (vgl. Ak­ti­en­tipps). Im Fall von Mey­er Bur­ger ist es plau­si­bel, von zu­sätz­li­chem Um­satz durch Sa­phir-Auf­trä­ge aus­zu­ge­hen – nur die Hö­he ist schwer zu pro­gnos­ti­zie­ren. Ana­lyst Ste­fan Gäch­ter vom Bro­ker Hel­vea schätzt, dass es in die­sem Jahr 143 Mio. Fr. sein könn­ten und 222 Mio. Fr. im Jahr 2015. Für das So­lar­ge­schäft bleibt der Ana­lyst al­ler­dings vor­sich­tig.

Mey­er Bur­ger dürf­te erst 2015 wie­der ei­nen Ge­winn er­zie­len. Auf Ba­sis ei­nes dann er­war­te­ten Ge­winns von 0.50 Fr. je Ak­tie re­sul­tiert ein Kurs-Ge­winn-Ver­hält­nis (KGV) von 32. Ei­ne wei­te­re ope­ra­ti­ve Bes­se­rung wür­de die statt­lich wir­ken­de Be­wer­tung wie­der re­la­ti­vie­ren. Rück­bli­ckend zeigt sich, dass das be­rei­nig­te durch­schnitt­li­che KGV von Mit­te 2007 bis Mit­te 2012 ge­mäss Bloom­berg-Da­ten 40 be­trug. In die­se Zeit fiel der So­lar-Hy­pe, der die Ti­tel zeit­wei­se auf Ni­veaus von über 30 Fr. ka­ta­pul­tier­te. Das Kurs-Buch­wert-Ver­hält­nis liegt ak­tu­ell bei Fak­tor 2.

Das Thema Sa­phirglas birgt rea­le Chan­cen, es könn­te aber nach dem So­lar-Boom auch ein­fach nur der nächs­te gros­se Hy­pe sein. Vor die­sem Hin­ter­grund ist die un­ein­heit­li­che Ein­schät­zung der Ana­lys­ten (4 Kau­fen, 6 Hal­ten, 4 Ver­kau­fen) zu Mey­er Bur­ger nach­voll­zieh­bar. Für kon­ser­va­ti­ve An­le­ger ist Vor­sicht wei­ter rat­sam.

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