Nur Brül­len reicht für den Go­ril­la nicht

Finanz und Wirtschaft - - OMMUNIKATION - DM

Pio­nie­re sind ih­rer Zeit vor­aus, ver­schla­fen aber mit­un­ter die wei­te­re Ent­wick­lung, die viel­leicht den Durch­bruch ge­bracht hät­te. Im Sa­phirglas­markt ist das end­gül­ti­ge Ver­dikt zwar noch nicht ge­spro­chen, doch könn­te die US-Grup­pe Corning sym­pto­ma­tisch sein. In den Sech­zi­ger- und Sieb­zi­ger­jah­ren war der Spe­zi­al­glas- und Ke­ra­mik­her­stel­ler auch in der Sa­phir­pro­duk­ti­on ak­tiv und hält dar­aus heu­te noch Kom­pe­ten­zen in La­ser­schneid­tech­no­lo­gi­en für Sa­phirglas.

Doch das Sa­phir­ge­schäft selbst wur­de auf­ge­ge­ben. Der Kon­zern aus dem Bun­des­staat New York sieht heu­te, zu­min­dest was den Ein­satz von Sa­phirglas als Ma­te­ri­al für Smart­pho­ne-Bild­schir­me (vgl. Text links) an­be­langt, we­nig Er­trags­chan­cen. Jef­frey Even­son, Ope­ra­ti­ons Chief of Staff von Corning, sag­te im Fe­bru­ar an ei­ner Ana­lys­ten­kon­fe­renz, Per­for­man­ce­grün­de sprä­chen da­ge­gen. Er ver­wies auf frü­he­re Er­fah­run­gen und lob­te die Vor­zü­ge des kratz- und bruch­fes­ten Go­ril­la-Gla­ses, das der­zeit der Gold­stan­dard für Smart­pho­ne-Dis­plays ist. In Even­sons Aus­sa­gen zeigt sich ei­ne ge­wis­se Ner­vo­si­tät. Go­ril­la-Glas wur­de von Corning für App­les ers­tes iPho­ne 2007 ent­wi­ckelt. Heu­te trägt Go­ril­la-Glas rund 1 Mrd. $ Um­satz zur Corning-Spar­te Spe­cial­ty Ma­te­ri­als bei. Even­son zu­fol­ge über­trifft Go­ril­la-Glas Sa­phirglas in punc­to Bruch­fes­tig­keit, auch sei Sa­phirglas rund 60% schwe­rer und re­flek­tie­re mehr Licht. Ins­ge­samt ist Sa­phirglas viel teu­rer, weil der Schmelz­punkt hö­her liegt und Ener­gie- so­wie Pro­duk­ti­ons­auf­wand hö­her aus­fal­len.

Ob der Durch­bruch für Sa­phir im Smart­pho­ne-Markt kommt und wie viel Um­satz­an­teil er Corning kos­ten wird, dürf­te sich erst in ein bis zwei Jah­ren zei­gen. Die Ri­si­ken sind hoch, Corning hat aber Al­ter­na­ti­ven zur Hand. Go­ril­la-Glas fin­det sich auch in Ta­blets und Note­books – Corning will dort im Low-Cost-Ge­schäft in Asi­en Fuss fas­sen. Wei­te­re Chan­cen be­ste­hen im Au­to­sek­tor oder im noch jun­gen Smart­watch-Seg­ment, wo der Fa­b­ri­kant der durch die On­line-Fi­nan­zie­rungs­platt­form Kick­star­ter fi­nan­zier­ten Peb­b­le Smart­watch der­zeit auch auf Go­ril­la-Glas setzt. Corning ent­wi­ckelt dar­über hin­aus wei­te­re Ge­schäfts­fel­der im Ge­sund­heits­be­reich oder mit bieg­sa­men Dis­plays. Im Ja­nu­ar hat sie auch den kom­plet­ten An­teil an Samsung Corning Pre­ci­si­on Ma­te­ri­als über­nom­men. Da­bei soll der frü­he­re Jo­in­tVen­ture-Part­ner Samsung bis 2023 das dort pro­du­zier­te LCD-Dis­play-Glas ab­neh­men. Ein Weg­fall von Gross­kun­den wie App­le oder der asia­ti­schen Dis­play-Her­stel­ler wä­re schmerz­haft für Corning. Die­se Be­fürch­tung spie­gelt sich auch in der nied­ri­gen Be­wer­tung der Ak­ti­en. Noch wird Sa­phirglas vor al­lem als Sub­strat für lich­te­mit­tie­ren­de Di­oden (LED) ver­wen­det. We­gen der ho­hen Sa­phir­kos­ten at­ta­ckiert Corning die­ses Seg­ment im Jo­int Ven­ture mit dem Che­mie­rie­sen Dow Che­mi­cal. Statt Sa­phir­sub­stra­ten will das Ge­mein­schafts­un­ter­neh­men güns­ti­ge­re si­li­zi­um­ba­sier­te Sub­stra­te für LED ent­wi­ckeln und an­bie­ten.

Auf der an­de­ren Sei­te ste­hen Sa­phir­zu­lie­fe­rer wie Dis­co (Ja­pan), die Schleif- und Po­lier­ma­schi­nen für Sa­phirglas zur LED-Pro­duk­ti­on so­wie Sa­phir-La­ser­schneid­ma­schi­nen baut. Ru­bi­con (USA) kon­zen­triert sich da­ge­gen auf den Schmelz­pro­zess und die Sa­phir-Wa­ferpro­duk­ti­on. Ge­lingt es die­sen Zu­lie­fe­rern oder an­de­ren wie den App­leZu­lie­fe­rern Crys­tal Wi­se, Crys­tal Ap­p­lied, Pro­crys­tal und USI Op­t­ro­nics, die Kos­ten im Sa­phir­pro­zess zu sen­ken, muss sich Corning noch mehr ein­fal­len las­sen.

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