War­ten auf FDA

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Für das Bio­tech­no­lo­gie­un­ter­neh­men Phar­ming (Ams­ter­dam: PH­ARM, Kurs 0.53 €, 190 Mio. € Bör­sen­ka­pi­ta­li­sie­rung) aus dem hol­län­di­schen Lei­den geht es die­ses Jahr so gut wie um al­les oder nichts. Er­teilt die ame­ri­ka­ni­sche Gesundheitsbehörde FDA dem ein­zi­gen Pro­dukt der Nie­der­län­der, dem Me­di­ka­ment Ru­co­nest ge­gen die sel­te­ne Erb­krank­heit heredi­tä­res An­gio­ödem (HAE), die Zu­las­sung, winkt der Ge­sell­schaft ei­ne ge­si­cher­te Zu­kunft mit ei­nem po­si­ti­ven Cash­flow. Im ge­gen­tei­li­gen Fall kann Phar­ming auf ei­ge­nen Füs­sen kaum wei­ter­be­ste­hen.

Mit wel­cher Hoch­span­nung das Ver­dikt der FDA er­war­tet wird, zeig­te sich am Mon­tag. Der Kurs der Phar­ming-Ak­ti­en brach über 20% von 0.60 auf 0.46 € ein, nach­dem be­kannt­ge­wor­den war, die FDA ha­be das Da­tum für den Zu­las­sungs­ent­scheid um drei Mo­na­te vom 16. April auf den 16. Ju­li ver­scho­ben. Dass sich die FDA mehr Zeit aus­be­dingt als ur­sprüng­lich ge­plant, kommt in­des im­mer wie­der vor. In­so­fern war die Kurs­re­ak­ti­on über­trie­ben, was die An­le­ger auch schnell ein­sa­hen. Am Di­ens­tag er­hol­ten sich die Ti­tel 15% auf 0.53 €.

Si­j­men de Vries, Ge­schäfts­füh­rer von Phar­ming, weil­te En­de letz­ter Woche auf Road­show in Mün­chen und Zü­rich und deu­te­te an, dass Ver­zö­ge­run­gen nicht aus­ge­schlos­sen sei­en. Im Ge­spräch mit «Fi­nanz und Wirt­schaft» äus­ser­te er sich in­des zu­ver­sicht­lich, dass Phar­ming und ihr ame­ri­ka­ni­scher Ver­mark­tungs­part­ner Sa­lix mit Ru­co­nest ei­nen neu­en Stan­dard in der Be­hand­lung aku­ter An­fäl­le von HAE eta­blie­ren könn­ten.

Ein po­si­ti­ver Zu­las­sungs­ent­scheid wür­de ei­ne Mei­len­stein­zah­lung von 20 Mio. $ durch Sa­lix aus­lö­sen, die als Ver­triebs­part­ner u. a. auch für das an der SIX ko­tier­te ita­lie­ni­sche Phar­ma­un­ter­neh­men Cos­mo fun­giert. Phar­ming hät­te zu­dem An­spruch auf ei­ne Be­tei­li­gung von zu­nächst 30% am Um­satz mit Ru­co­nest (40% ab Ein­nah­men über 100 Mio. $). Wie viel Ru­co­nest ma­xi­mal pro Jahr ein­brin­gen könn­te, will der frü­he­re Chef der Bas­ler Bio­tech-Ge­sell­schaft 4-An­ti­bo­dy und ehe­ma­li­ge No­var­tisKa­der­mann de Vries nicht be­zif­fern. Er weist aber dar­auf hin, dass das wich­tigs­te Kon­kur­renz­prä­pa­rat Fi­ra­zyr (vom iri­schen Phar­ma­kon­zern Shi­re) im ers­ten vol­len Jahr nach der Lan­cie­rung, 2012, auf ei­nen Um­satz von 100 Mio. $ kam. Im ver­gan­ge­nen Jahr er­reich­ten die Fi­ra­zyr-Ver­käu­fe be­reits 235 Mio. $.

Phar­ming ver­brann­te in den ers­ten drei Quar­ta­len 2013 rund 1 Mio. € pro Mo­nat. Un­ter Be­rück­sich­ti­gung der Ein­nah­men aus ei­ner 12-Mio.-€-Pri­vat­plat­zie­rung im Ok­to­ber be­fan­den sich per En­de Sep­tem­ber pro for­ma li­qui­de Mit­tel von 22,6 Mio. € in der Kas­se des Un­ter­neh­mens. De Vries er­ach­tet vor die­sem Hin­ter­grund die Wei­ter­exis­tenz bis Mit­te 2015 als ge­si­chert. Ab dann muss al­ler­dings Ru­co­nest als neue Ein­nah­me­quel­le spru­deln.

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