G-20 rüs­ten ge­gen Ir­land

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE - AN

Das Lob der in­ter­na­tio­na­len Ge­mein­schaft über Ir­lands er­folg­rei­che Über­win­dung der Fi­nanz­kri­se ist noch nicht ver­klun­gen, und es droht be­reits neu­es Un­ge­mach. Die G-20-Staa­ten be­schlos­sen am Wo­che­n­en­de, mit dem Kampf ge­gen Miss­bräu­che bei der grenz­über­schrei­ten­den Un­ter­neh­mens­be­steue­rung Ernst zu ma­chen, und sie ha­ben da­bei vor al­lem die grü­ne In­sel im Vi­sier.

Ir­land ist den EU-Part­nern ein Dorn im Au­ge. Zum ei­nen we­gen ei­ner zu krea­ti­ven steu­er­po­li­ti­schen Pra­xis ge­gen­über in­ter­na­tio­na­len Kon­zer­nen, um die­se zur An­sied­lung zu be­we­gen. Zum an­de­ren arg­wöh­nen an­de­re Staa­ten über die äus­serst tie­fen Steu­er­sät­ze für Un­ter­neh­men. Durch­schnitt­lich 12,5% be­trägt der Satz in Ir­land, we­ni­ger als halb so viel wie in den meis­ten Na­tio­nen des In­dus­trie­län­der­ver­bunds OECD oder den G-20 (vgl. Gra­fik).

In Aus­tra­li­en be­kräf­tig­ten die G-20Fi­nanz­mi­nis­ter und No­ten­bank­chefs nun den Ak­ti­ons­plan ge­gen Ge­winn­kür­zun­gen und -ver­la­ge­run­gen, kurz: BEPS (Ba­se Ero­si­on and Pro­fit Shif­ting). Die OECD hat­te ihn letz­tes Jahr er­ar­bei­tet. Er sieht fünf­zehn Mass­nah­men vor, u. a. zur Ge­winn­be­steue­rung in­ter­na­tio­nal ope­rie­ren­der In­ter­net-Fir­men (E-Com­mer­ce) und ge­gen miss­bräuch­li­che Aus­nah­me­re­ge­lun­gen in der Qu­el­len­steu­er auf mo­bi­le Ein­künf­te (Li­zen­zen, Zin­sen, Di­vi­den­den). Aus­ser­dem rich­tet er sich ge­gen die Nich­tbe­steue­rung so ge­nann­ter hy­bri­der Gestal­tun­gen, wenn Fi­nanz­in­stru­men­te, Un­ter­neh­men und Be­triebs­stät­ten es aus­nut­zen, dass zwei Staa­ten ei­nen Steu­er­sach­ver­halt un­ter­schied­lich re­geln. Auf Wunsch gros­ser Mit­glie­der wie Deutsch­land wen­det sich der Ak­ti­ons­plan zu­dem ge­ne­rell ge­gen ei­nen «steu­er­schäd­li­chen Wett­be­werb».

Was kon­kret da­zu zählt, muss die OECD in den kom­men­den Mo­na­ten aus­for­mu­lie­ren. Ab No­vem­ber will die G-20 dann «wirk­sa­me, prak­ti­ka­ble und trag­fä­hi­ge Mass­nah­men ge­gen die Ge­winn­kür­zung und -ver­la­ge­rung in al­len Bran­chen, ein­schliess­lich der di­gi­ta­len, ein­füh­ren». Der Pro­zess wird nicht ein­fach sein. Die Po­si­tio­nen wei­chen zum Teil deut­lich von­ein­an­der ab. Es be­steht we­nig Be­reit­schaft zu Zu­ge­ständ­nis­sen. So sind in Sa­chen hy­bri­de Ve­hi­kel vor al­lem die USA auf­ge­ru­fen, ei­ne recht­li­che Pra­xis zu än­dern, die US-Kon­zer­nen welt­weit Vor­tei­le ver­schafft, was in Ame­ri­ka aber ganz an­ders ge­se­hen wird.

Da ist es ein­fa­cher, das Feu­er auf die klei­ne­ren Staa­ten zu er­öff­nen, die po­li­tisch über we­ni­ger Ein­fluss ver­fü­gen. Ir­land ist wie die Nie­der­lan­de we­gen um­strit­te­ner Steu­er­prak­ti­ken am ex­po­nier­tes­ten. Der iri­sche Pre­mier weiss, was auf dem Spiel steht. Er zeigt Be­reit­schaft, Schlupf­lö­cher zu schlies­sen, wehrt sich aber ge­gen Dis­kus­sio­nen über den nied­ri­gen Steu­er­satz in sei­nem Land.

Auch die Schweiz muss sich auf neue An­grif­fe ge­fasst ma­chen, zu­mal die G-20 das Thema BEPS ge­mein­sam mit dem au­to­ma­ti­schen In­for­ma­ti­ons­aus­tausch in Steu­er­fra­gen dis­ku­tier­te. In­ter­es­sant: Die G-20 for­dern hier Re­zi­pro­zi­tät, wo­ge­gen die Schweiz nichts ein­zu­wen­den hat, die USA da­für um­so mehr.

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