Acht­gröss­ter Bank­rott­fall

Finanz und Wirtschaft - - ENERGIE - MG

Einst war es das gröss­te kre­dit­fi­nan­zier­te Buy­out in der Ge­schich­te der USA, jetzt ist es der acht­gröss­te Bank­rott­fall: Ener­gy Fu­ture Hol­dings, ein te­xa­ni­scher Strom­ver­sor­ger, hat die­se Woche um Gläu­bi­ger­schutz ge­mäss Ka­pi­tel 11 des US-In­sol­venz­rechts nach­ge­sucht. Im­mer wie­der hat­te das Un­ter­neh­men in der jün­ge­ren Ver­gan­gen­heit Ab­kom­men ab­ge­schlos­sen, um die Rück­zah­lung sei­ner ho­hen Schul­den hin­aus­zu­schie­ben. Am Di­ens­tag muss­te nun CEO John Young ein­ge­ste­hen, dass die Fi­nanz­la­ge des Kon­zerns un­halt­bar ist.

Die Flucht in den Gläu­bi­ger­schutz er­laubt es Ener­gy Fu­ture zu re­struk­tu­rie­ren. Das soll in nur elf Mo­na­ten ge­sche­hen. Da­zu wur­de ein De­al mit ver­schie­de­nen der gröss­ten Gläu­bi­ger ge­schlos­sen. Die­ser sieht vor, dass die Kre­dit­ge­ber die Kon­trol­le über das un­re­gu­lier­te Strom­ge­schäft des Un­ter­neh­mens er­hal­ten, wäh­rend die Ob­li­ga­tio­nä­re und ei­ne an­de­re Ein­heit des Kon­zerns die re­gu­lier­ten Ak­ti­vi­tä­ten über­neh­men. Gleich­zei­tig sol­len 26 der ins­ge­samt 49,7 Mrd. $ Schul­den ge­stri­chen wer­den.

Op­po­si­ti­on an­ge­mel­det

Ob die Re­struk­tu­rie­rung wie ge­plant in we­ni­ger als ei­nem Jahr durch­ge­zo­gen wer­den kann, ist al­ler­dings nicht si­cher. Der mit dem Gläu­bi­ger­schutz­an­trag aus­ge­han­del­te Schul­den­sa­nie­rungs­plan braucht näm­lich noch die Zu­stim­mung wei­te­rer, vor al­lem klei­ner Geld­ge­ber. Die­se ha­ben be­reits ih­re Op­po­si­ti­on an­ge­mel­det. Zu­dem müs­sen Tei­le des Plans noch von den Re­gu­lie­rungs­be­hör­den gut­ge­heis­sen wer­den.

Trotz des Bank­rotts wer­den Ab­neh­mer in Te­xas wei­ter Strom­lie­fe­run­gen von Ener­gy Fu­ture er­hal­ten. Denn der Netz­be­trei­ber kann ver­lan­gen, dass wich­ti­ge Kraft­wer­ke in Be­trieb ge­hal­ten wer­den. Zu­dem wird Ener­gy Fu­ture dank ei­ner be­son­de­ren Bank­rott­fi­nan­zie­rung von über 11 Mrd. $ wei­ter­hin über Geld ver­fü­gen.

Ris­kan­te Wet­te ver­lo­ren

Ener­gy Fu­ture ging 2007 im Rah­men ei­nes kre­dit­fi­nan­zier­ten Buy­outs aus TXU Corp her­vor. 2007 mar­kier­te den Hö­he­punkt ei­nes drei­jäh­ri­gen Buy­out-Booms in den USA. Fe­der­füh­rend im vor­lie­gen­den Fall wa­ren die Fi­nan­zie­rungs­ge­sell­schaf­ten KKR, TPG und der Pri­va­te-Equi­ty-Arm von Gold­man Sachs. Sie be­zahl­ten den 45 Mrd. $ schwe­ren Kauf von TXU vor al­lem mit Kre­di­ten. Da­bei setz­ten sie dar­auf, dass die Gas­prei­se und die dar­an ge­kop­pel­ten Elek­tri­zi­täts­prei­se in den USA stei­gen wür­den. So soll­te ge­nug Er­trag zu­sam­men­kom­men, um die Schul­den schritt­wei­se til­gen zu kön­nen. TXU/Ener­gy Fu­ture selbst pro­du­zier­te Strom haupt­säch­lich aus bil­li­ger Koh­le und güns­ti­gem Uran. Doch dann setz­te, aus­ge­löst durch den Schie­fer­boom in den USA, ein bei­spiel­lo­ser Ver­fall der Gas­prei­se – und in des­sen Ge­fol­ge auch der Elek­tri­zi­täts­prei­se – ein.

Im Rah­men der nun be­schlos­se­nen Re­struk­tu­rie­rung von Ener­gy Fu­ture müs­sen auch KKR, TPG und Gold­man Sachs Fe­dern las­sen. Sie ha­ben bei­na­he die gan­zen 8 Mrd. $, die sie ur­sprüng­lich selbst in das Buy­out in­ves­tier­ten, ab­ge­schrie­ben. In­ves­to­ren­le­gen­de und Mil­li­ar­där War­ren Buf­fett, der einst für 2 Mrd. $ An­lei­hen von Ener­gy Fu­ture ge­zeich­net hat­te und die­se mit Ver­lust wie­der ver­kauf­te, nann­te sein In­vest­ment «ei­nen gros­sen Feh­ler».

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