Un­lust am Gold­markt?

Finanz und Wirtschaft - - ROHSTOFFE/DERIVATIVE INSTRUMENTE - CHRIS­TOPH BUCH­MANN

DDer Goldpreis ist vor­erst in ei­nem Seit­wärts­trend ge­fan­gen

ie Edel­me­tall­märk­te sind in ei­nem Seit­wärts­trend ge­fan­gen. Im Ver­lau­fe des Aprils klet­ter­te der Goldpreis von 1280 $ pro Fein­un­ze bis­wei­len bis auf 1320 $ und no­tier­te am 1. Mai wie­der bei 1280 $. Be­glei­tet wur­de die­ses Ge­sche­hen von klei­nem Han­dels­vo­lu­men, lust­lo­sem Han­deln an den Ter­min­kon­trakt­bör­sen und ab­brö­ckeln­den Be­stän­den in ko­tier­ten Gold­fonds (ETF).

In der klas­si­schen Be­schrei­bung der ein­zel­nen Markt­pha­sen zum Bei­spiel durch Charles Kind­le­ber­ger, der die Pha­sen in «Ver­la­ge­rung» (Dis­pla­ce­ment), «Ex­pan­si­on», «Eu­pho­rie» und «Ab­scheu» (Re­vul­si­on) un­ter­teil­te, be­fin­det sich der Gold­markt am ehes­ten in der Pha­se «Ab­scheu». Man könn­te die Pha­se auch «Un­lust» nen­nen. Zu die­ser Ein­schät­zung ge­langt man bei der Be­ob­ach­tung der Preis­ent­wick­lung von Gold. Die Ana­ly­se der fun­da­men­ta­len Ent­wick­lung je­doch zeigt, dass sich Gold in der Ex­pan­si­ons­pha­se be­fin­det. Wo­her stammt die­ser Wi­der­spruch zwi­schen dem sin­ken­den Preis ei­ner­seits und dem sich lau­fend ver­bes­sern­den fun­da­men­ta­len Bild an­de­rer­seits?

Letz­te­res nährt sich aus ei­nem fast sta­gnie­ren­den An­ge­bot aus Gold­mi­nen, ei­nem sin­ken­den An­ge­bot von Alt­gold im Wes­ten und ei­ner rei­bungs­lo­sen Ab­sorp­ti­on von Alt­gold im Rest der Welt. Zen­tral ist die nach­hal­ti­ge Ak­ku­mu­la­ti­on von Gold durch Asi­en, wo al­lei­ne In­di­en und Chi­na rund Zwei­drit­tel der Jah­res­pro­duk­ti­on er­wer­ben. Lei­der er­schwe­ren in bei­den Län­dern lo­ka­le Ent­wick­lun­gen die sta­tis­ti­sche Schär­fe des Blicks auf das Im­port­ge­sche­hen. In In­di­en füh­ren die be­kann­ten Im­port­hemm­nis­se zu grös­se­ren, je­doch nur an­ek­do­tisch fest­stell­ba­ren in­of­fi­zi­el­len Im­por­ten. Be­ob­ach­ter schät­zen die­se zu­sätz­li­che Im­port­men­ge auf ein Drit­tel bis die Hälf­te des of­fi­zi­ell im­por­tier­ten Gol­des.

In Chi­na wur­de Gold bis­her über Hong­kong im­por­tiert, so­dass die Han­dels­sta­tis­tik des Stadt­staa­tes ei­ne gu­te Trans­pa­renz des Im­port­vo­lu­mens Chi­nas er­laub­te. In­zwi­schen wird Gold auch über Pe­king im­por­tiert und es ist un­klar, über wel­che wei­te­ren Städ­te Edelmetalle al­len­falls zu­sätz­lich ein­ge­führt wer­den.

Der phy­si­sche Gold­markt be­fin­det sich al­so in ei­nem ro­bus­ten Gleich­ge­wicht. We­ni­ger sta­bil ist der un­gleich grös­se­re Pa­pier­markt. Zen­tral für die Funk­ti­ons­fä­hig­keit des Pa­pier­mark­tes bei Gold ist das Ver­spre­chen, dass das Pa­pi­er­gold je­der­zeit in phy­si­sches Gold ein­tausch­bar ist. Min­des­tens an der Fu­tures-Bör­se Comex er­scheint das bei phy­si­schen «re­gis­trier­ten» Gold­be­stän­den von 1,2% des Open In­te­rest un­wahr­schein­lich. Was hier im Un­ter­schied zum Bank­we­sen fehlt, ist ein «Len­der of last Re­sort», al­so ein Kre­dit­ge­ber oder Ga­rant letz­ter In­stanz. Ein all­fäl­li­ger Ver­such zu ei­ner sol­chen Um­wand­lung von Pa­pier zu Gold wä­re ein Schock, im Pha­sen­mo­dell von Kind­le­ber­ger ei­ne «Ver­la­ge­rung», der den Gold­markt lang­fris­tig in Schwung brin­gen wür­de.

Wie geht es kurz­fris­tig wei­ter? So­lan­ge die west­li­chen In­ves­to­ren ver­kau­fen und par­al­lel da­zu die In­ves­to­ren im Os­ten phy­si­sches Gold ak­ku­mu­lie­ren, wird der Goldpreis seit­lich ten­die­ren. Soll­te sich der­einst die west­li­che Wachs­tums­phan­ta­sie ver­flüch­ti­gen und die neue Rea­li­tät ei­ner Sta­gna­ti­on der west­li­chen Volks­wirt­schaf­ten sicht­bar wer­den, dürf­ten die seit 2008 un­ent­wegt stei­gen­den staat­li­chen und pri­va­ten Schul­den wie­der­um zum Thema wer­den. Im Zu­ge ei­ner sol­chen Ent­wick­lung – bei al­len­falls noch ag­gres­si­ve­rer Geld­po­li­tik – könn­ten sich auch west­li­che In­ves­to­ren wie­der an Gold er­in­nern und ei­ne Neu­be­wer­tung her­bei­füh­ren.

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