Lang­ohr

Finanz und Wirtschaft - - MEINUNG - PM

Im­mer wie­der wird die Na­tio­nal­bank (SNB) zum Spiel­ball der Po­li­tik. Neus­ter Akt: die De­bat­te zur Volks­in­itia­ti­ve «Ret­tet un­ser Schwei­zer Gold (Gold­in­itia­ti­ve)» im Na­tio­nal­rat. Der aus Krei­sen der SVP lan­cier­te Vor­stoss ver­langt, dass die SNB min­des­tens 20% der Ak­ti­ven in Gold hal­ten muss und dass die Gold­re­ser­ven nicht mehr ver­kauft wer­den dür­fen. In der Ab­stim­mung im Rat un­ter­stütz­ten nur ge­ra­de zwan­zig Par­la­men­ta­ri­er die un­sin­nig-ab­sur­de Vor­la­ge – das ist nur gut ein Drit­tel der SVP-Frak­ti­on.

Ver­schie­de­ne Ex­po­nen­ten der SP wa­ren ob des Vor­stos­ses ent­rüs­tet: Die SNB wer­de in ein so en­ges Kor­sett ge­schnürt, dass ihr die Luft weg­blei­be, ihr Hand­lungs­spiel­raum wer­de ein­ge­schränkt. Die Initia­ti­ve sei ei­ne Be­dro­hung für die Fi­nanz­sta­bi­li­tät der Schweiz.

Ge­gen die­se Ar­gu­men­te ist nichts ein­zu­wen­den – wä­ren sie denn ernst ge­meint. Sind sie aber nicht: Vor we­ni­gen Ta­gen hat der Bundesrat ei­ne Mo­ti­on der SP-«Wirt­schafts­ex­per­tin» Susanne Leu­ten­egger Ober­hol­zer ab­ge­lehnt. Sie ver­langt, dass der SNB An­la­gen in Kon­zer­ne, die fos­si­le Ener­gie­trä­ger be­sit­zen oder för­dern, zu ver­bie­ten sei­en; sol­che An­la­gen wür­den den Kli­ma­zie­len wi­der­spre­chen. Der Bundesrat lehnt die Mo­ti­on ab, weil sie den Hand­lungs­spiel­raum der SNB ein­schrän­ken wür­de.

Die Mo­ti­on wur­de zum Teil auch von SP-Par­la­men­ta­ri­ern un­ter­zeich­net, die der Gold­in­itia­ti­ve vor­ge­wor­fen ha­ben, sie en­ge die El­len­bo­gen­frei­heit der SNB ein. Es ist nicht neu, dass das Ge­dächt­nis vie­ler Po­li­ti­ker kurz ist – und auch nicht, dass der ei­ne Esel den an­dern bis­wei­len Lang­ohr schimpft.

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