Ka­pi­tal will wir­kungs­voll ge­nutzt sein

Finanz und Wirtschaft - - UNTERNEHMEN - CB

Ein Un­ter­neh­men zeigt mit der ope­ra­ti­ven Mar­ge, wie ef­fek­tiv es Um­satz in Er­trag um­wan­delt. Doch die Mar­ge ist nur die hal­be Mie­te. Ihr Ge­halt be­schränkt sich auf die Er­folgs­rech­nung. Sie sagt nichts über den Ka­pi­tal­ein­satz aus, mit dem ein be­trieb­li­cher Ge­winn er­zielt wor­den ist. Ka­pi­tal gibt es nicht um­sonst: Fremd­ka­pi­tal muss fi­nan­ziert, Ei­gen­ka­pi­tal ad­äquat ver­zinst wer­den. Zur Leis­tungs­be­ur­tei­lung ist da­her aus­ser ei­nem Be­zug zum Um­satz auch ei­ner zur Bi­lanz nö­tig. Die Ka­pi­tal­ren­di­te stellt ihn her.

Die Ka­pi­tal­ren­di­te macht die Ef­fi­zi­enz von Un­ter­neh­men in der­sel­ben Bran­che ver­gleich­bar: Wer ei­ne hö­he­re Ren­di­te er­zielt, nutzt sein Ka­pi­tal wir­kungs­vol­ler. Bran­chen­über­grei­fen­de Ver­glei­che da­ge­gen sind nicht sinn­voll: Ein Au­to­her­stel­ler braucht weit mehr Ka­pi­tal als ein Soft­ware­an­bie­ter. Für Ban­ken ist die Aus­sa­ge­kraft der Ge­samt­ka­pi­tal­ren­di­te eben­falls be­schränkt. Die Ka­pi­tal­ren­di­te lässt sich un­ter­schied­lich aus­drü­cken. Weit ver­brei­tet ist der ROIC, die Ren­di­te auf das in­ves­tier­te Ka­pi­tal (Re­turn on In­vested Ca­pi­tal). Wie für an­de­re Ka­pi­tal­ren­di­ten gibt es da­für kei­ne ein­heit­li­che For­mel: Je nach Ver­fei­ne­rungs­grad wird mit gro­ber oder dif­fe­ren­zier­ter De­fi­ni­ti­on ge­ar­bei­tet. Dar­um zei­gen die von Un­ter­neh­men pu­bli­zier­ten Da­ten oft nicht das­sel­be, was Ver­glei­che er­schwert.

Da­ten­an­bie­ter wie Bloom­berg stüt­zen sich auf ei­ge­ne De­fi­ni­tio­nen. Wer den ROIC selbst er­mit­teln will, er­hält ei­ne so­li­de Ba­sis, wenn als Er­geb­nis­grös­se der NOPAT – der Be­triebs­ge­winn nach Steu­ern (Net Ope­ra­ting Pro­fit af­ter Tax) – ver­wen­det wird und als in­ves­tier­tes Ka­pi­tal die Sum­me aus An­la­ge­ver­mö­gen und Net­to­um­lauf­ver­mö­gen.

Eng mit dem ROIC ver­wandt ist der RO­CE, die Ren­di­te auf das ein­ge­setz­te Ka­pi­tal (Re­turn on Ca­pi­tal Em­ploy­ed). Auch zwi­schen ihm und dem RO­NA, der Ren­di­te auf die Net­to­ak­ti­va (Re­turn on Net As­sets), lie­gen kei­ne Wel­ten. Der ROA da­ge­gen, die Ren­di­te auf die ge­sam­ten Ak­ti­va (Re­turn on As­sets), ist für vie­le Zwe­cke zu grob.

Vol­le Aus­sa­ge­kraft er­hält die Ka­pi­tal­ren­di­te erst im Ver­gleich mit dem WACC, dem ge­wich­te­ten durch­schnitt­li­chen Ka­pi­tal­kos­ten­satz aus Fremd­ka­pi­tal­zin­sen und Ver­zin­sungs­an­spruch für das Ei­gen­ka­pi­tal ( Weigh­ted Aver­a­ge Cost of Ca­pi­tal). Ziel je­der Ge­sell­schaft muss es sein, ei­ne Prä­mie dar­auf zu er­ar­bei­ten, nur dann schafft sie öko­no­mi­schen Wert. An­dern­falls wird zu­min­dest das Ei­gen­ka­pi­tal nicht recht ver­zinst: Öko­no­mi­scher Wert wird ver­nich­tet. Den WACC zu er­mit­teln, ist kom­plex, um­so mehr, als der Ver­zin­sungs­an­spruch für das Ei­gen­ka­pi­tal ei­ne kal­ku­la­to­ri­sche Grös­se ist, der kein ech­ter Auf­wand ge­gen­über­steht. Zu sei­nen Be­stim­mungs­fak­to­ren zäh­len di­ver­se (sta­tis­ti­sche) Mas­se der Er­trags­und Fi­nanz­kraft. Ein Plau­si­bi­li­tät­scheck scha­det frei­lich nie. Als Al­ter­na­ti­ve bie­tet sich ein (ge­schätz­tes) Ka­pi­tal­kos­ten­band an.

Der WACC und noch mehr die Ka­pi­tal­ren­di­te ha­ben in In­ves­to­ren­krei­sen enorm an Be­deu­tung ge­won­nen. Un­ter Trans­pa­renz­ge­sichts­punk­ten ist zu­min­dest die Ka­pi­tal­ren­di­te ein Muss. In vie­len Ge­sell­schaf­ten ist das aber noch nicht an­ge­kom­men.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.