Schritt zur Ein­füh­rung des AIA

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Die in Pa­ris ta­gen­de OECD-Mi­nis­ter­kon­fe­renz setzt ei­nen wei­te­ren Mei­len­stein zur Ein­füh­rung des au­to­ma­ti­schen In­for­ma­ti­ons­aus­tauschs ins Steu­er­sa­chen (AIA): Sie stützt in ei­ner ge­mein­sa­men Er­klä­rung die aus­ge­ar­bei­te­te Norm und die Um­set­zungs­plä­ne zum AIA. Es han­delt sich da­bei nicht um ei­nen Ent­scheid in der Sa­che, aber um ein kla­res po­li­ti­sches Zei­chen: Der AIA wird kom­men. Den ef­fek­ti­ven Ent­scheid fällt dann vor­aus­sicht­lich Mit­te Ju­li der OECD-Rat, das Lei­tungs­or­gan der Or­ga­ni­sa­ti­on.

In der Er­klä­rung da­bei sind die 34 OECD-Mit­glie­der, in­klu­si­ve der Schweiz, so­wie wei­te­re zehn Staa­ten, dar­un­ter auch Sin­ga­pur. Das ist für die Schweiz von Be­deu­tung: Ge­mäss bun­des­rät­li­chem Dik­tum macht sie nur mit, wenn der AIA zum glo­ba­len Stan­dard wird und al­le we­sent­li­chen Fi­nanz­plät­ze um­fasst.

Der AIA bringt ei­nen grenz­über­schrei­ten­den In­for­ma­ti­ons­aus­tausch von Steu­er­da­ten. Da­bei geht es in ers­ter Li­nie dar­um, der Steu­er­flucht ei­nen Rie­gel zu schie­ben und die Steu­er­hin­ter­zie­hung über aus­län­di­sche Fi­nanz­plät­ze zu ver­un­mög­li­chen. Im De­tail sind die an­ge­streb­ten Re­ge­lun­gen sehr kom­plex. Und trotz der ge­mein­sa­men Er­klä­rung er­fül­len noch längst nicht al­le Län­der die An­for­de­run­gen an den AIA.

Die USA im Rück­stand

Aus­ge­rech­net die USA, die mit ih­rem For­eign Ac­count Tax Com­p­li­an­ce Act (Fatca) zwar als Weg­be­rei­ter des AIA gel­ten kön­nen, er­fül­len zen­tra­le An­for­de­run­gen nicht. Das gilt be­son­ders für das Er­for­der­nis der Re­zi­pro­zi­tät so­wie die Iden­ti­fi­ka­ti­on des wirt­schaft­lich Be­rech­tig­ten. Dass die OECD, soll­ten die USA ih­re Haus­auf­ga­ben nicht ma­chen, dann wirk­lich Sank­tio­nen ge­gen sie er­grei­fen wird, darf doch eher be­zwei­felt wer­den.

Die Schweiz hat an der Er­ar­bei­tung des – von ihr sehr un­ge­lieb­ten – Stan­dards mit­ge­macht. Da­bei ist es ihr im­mer­hin ge­lun­gen, vier wich­ti­ge An­lie­gen ein­zu­brin­gen: Der Da­ten­schutz muss für die in­vol­vier­ten Per­so­nen ge­währ­leis­tet blei­ben, die Da­ten dür­fen nur für den ge­nann­ten Zweck ge­braucht wer­den, der wirt­schaft­lich Be­rech­tig­te muss iden­ti­fi­ziert wer­den kön­nen, und der Aus­tausch muss auf Ge­gen­sei­tig­keit be­ru­hen.

Zwei Be­rei­che er­fasst der AIA nicht: Zu­nächst ist die Re­gu­la­ri­sie­rung der Ver­gan­gen­heit nicht Ge­gen­stand des Stan­dards, je­des Land muss das selbst re­geln. Da­bei geht es um Gel­der, die in frü­he­ren Jah­ren in ein an­de­res Land trans­fe­riert wor­den sind. Zu­dem be­zieht sich der AIA le­dig­lich auf den grenz­über­schrei­ten­den Ver­kehr, nicht aber auf die Ver­hält­nis­se im In­land. Für die Schweiz heisst dies, dass das Bank­kun­den­ge­heim­nis im in­ter­na­tio­na­len Ge­schäft nicht mehr exis­tiert. Im In­land hin­ge­gen bleibt es grund­sätz­lich be­ste­hen.

Staats­ver­trä­ge

Der Bundesrat wird noch im ers­ten Halb­jahr über das wei­te­re Vor­ge­hen ent­schei­den. Vor­aus­sicht­lich wird der AIA ge­gen­über Dritt­län­dern auf der Ba­sis von Staats­ver­trä­gen um­ge­setzt. Da­bei ist da­von aus­zu­ge­hen, dass mit der EU ein ein­zi­ger Ver­trag ab­ge­schlos­sen wird. Das Ver­hand­lungs­man­dat da­zu soll­te im Som­mer ver­ab­schie­det wer­den. Die EU will ih­re dies­be­züg­li­chen Ver­hand­lun­gen bis En­de Jahr ab­schlies­sen. Mit den wei­te­ren Län­dern dürf­te je für je­des ein­zel­ne ein Staats­ver­trag ab­ge­schlos­sen wer­den.

In der Schweiz braucht es für den AIA zu­dem ei­ne ge­setz­li­che Ba­sis, sie ist der­zeit nicht ge­ge­ben. Da­bei steht ein ei­ge­nes, neu­es Ge­setz im Vor­der­grund. Denk­bar wä­re auch ei­ne Re­form des Steu­er­amts­hil­fe­ge­set­zes. Das Ban­ken­ge­setz dürf­te kaum be­trof­fen sein. Der Auf­wand für die Um­set­zung des Stan­dards ist enorm: Das Ge­setz­ge­bungs­ver­fah­ren in­klu­si­ve par­la­men­ta­ri­scher Be­ra­tung und ei­nes all­fäl­li­gen Re­fe­ren­dums nimmt viel Zeit in An­spruch. Ge­setz und AIA könn­ten frü­hes­tens 2017/18 in Kraft tre­ten. Die be­trof­fe­nen Un­ter­neh­men der Fi­nanz­bran­che se­hen sich für die Da­ten­auf­be­rei­tung und -lie­fe­rung so­wie die Be­hör­den für die Sich­tung der Da­ten­flut mit sehr auf­wen­di­gen neu­en Auf­ga­ben kon­fron­tiert. Ob sich das wirk­lich lohnt?

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