Bit­te­re Pil­le für Raiff­ei­sen

Finanz und Wirtschaft - - UNTERNEHMEN - URS- PE­TER INDERBITZIN

Der Raiff­ei­sen-Ban­ken­grup­pe ist es ver­wehrt, für 300 Mio. Fr. Par­ti­zi­pa­ti­ons­schei­ne her­aus­zu­ge­ben. Das Bun­des­ge­richt in Lausanne hat ent­schie­den, dass das Ge­nos­sen­schafts­recht kei­ne Mög­lich­keit bie­tet, Par­ti­zi­pa­ti­ons­ka­pi­tal zu schaf­fen. Dies wä­re nur nach ei­ner Ge­set­zes­än­de­rung mög­lich.

Die Ban­ken- und Fi­nanz­kri­se hat es an den Tag ge­bracht: Vie­le Ban­ken ver­fü­gen nicht über ge­nü­gend Ei­gen­mit­tel und müs­sen ih­re Ei­gen­mit­tel­si­tua­ti­on ver­bes­sern. Vor dem Hin­ter­grund die­ser ver­schärf­ten Ei­gen­mit­tel­an­for­de­run­gen plan­te die Raiff­ei­sen Schweiz Ge­nos­sen­schaft die Schaf­fung von Be­tei­li­gungs­sch­ein­ka­pi­tal von 300 Mio. Fr. in Form von voll li­be­rier­ten Be­tei­li­gungs­schei­nen im No­mi­nal­wert von 100 Fr.

Ei­gen­mit­tel schaf­fen

Vor zwei Jah­ren un­ter­brei­te­te die Raiff­ei­sen­bank dem Eid­ge­nös­si­schen Amt für das Han­dels­re­gis­ter ei­ne Än­de­rung der Sta­tu­ten zur Ge­neh­mi­gung, wel­che die Schaf­fung des Par­ti­zi­pa­ti­ons­ka­pi­tals er­mög­licht hät­te. Das Han­dels­re­gis­ter­amt lehn­te es je­doch ab, die Sta­tu­ten­än­de­rung zu be­wil­li­gen. Zur Be­grün­dung führ­te es aus, die im Sta­tu­ten­ent­wurf vor­ge­se­he­nen Be­tei­li­gungs­schei­ne wür­den we­sent­li­che Ele­men­te des ak­ti­en­recht­li­chen Par­ti­zi­pa­ti­ons­scheins ent­hal­ten; sol­che sind nach dem gel­ten­den Ge­nos­sen­schafts­recht nicht zu­läs­sig.

«Für das Ei­gen­ka­pi­tal­in­stru­ment PS bei Ge­nos­sen­schaf­ten ist ei­ne Ge­set­zes­än­de­rung not­wen­dig.»

Die Raiff­ei­sen­bank wehr­te sich da­ge­gen er­folg­reich beim Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt. Die Rich­ter in St. Gal­len or­te­ten ei­ne Ge­set­zes­lü­cke, die zu­guns­ten der Raiff­ei­sen­bank zu schlies­sen sei. Dem­ent­spre­chend hät­te die Raiff­ei­sen­bank die Par­ti­zi­pa­ti­ons­schei­ne her­aus­ge­ben dür­fen. Das Han­dels­re­gis­ter­amt ak­zep­tier­te die­sen Ent­scheid nicht und zog den Streit vors Bun­des­ge­richt. Dort wur­de nun ent­schie­den, dass die vor­ge­schla­ge­ne Sta­tu­ten­än­de­rung der Raiff­ei­sen­bank nicht ge­neh­migt wer­den kann. Da­mit ist die Schaf­fung von Par­ti­zi­pa­ti­ons­schei­nen für Ge­nos­sen­schaf­ten im All­ge­mei­nen und für die Raiff­ei­sen­bank im Be­son­de­ren vom Tisch.

Kei­ne Ge­set­zes­lü­cke

Die Bun­des­rich­ter wei­sen dar­auf hin, dass das Ge­nos­sen­schafts­recht kei­ne Be­stim­mun­gen zum Par­ti­zi­pa­ti­ons­schein ent­hält. Ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts gibt es kei­ne Ge­set­zes­lü­cke, die es durch Richt­er­recht zu schlies­sen gäl­te. So­dann zei­gen die Rich­ter in ih­rem Ur­teil auf, dass das Par­ti­zi­pa­ti­ons­ka­pi­tal für die Ak­ti­en­ge­sell­schaft aus­drück­lich ge­re­gelt ist, um­ge­kehrt aber für die Ge­sell­schaft mit be­schränk­ter Haf­tung (Gm­bH) be­wusst aus­ge­schlos­sen wur­de. In In­ter­pre­ta­ti­on der di­ver­sen Ge­set­zes­re­vi­sio­nen im Ge­sell­schafts­recht kom­men die Rich­ter in Lausanne zum Er­geb­nis, dass der Ge­setz­ge­ber Par­ti­zi­pa­ti­ons­schei­ne nicht bei al­len Ge­sell­schafts­for­men zu­las­sen und ih­re Aus­ga­be von be­son­de­ren Schutz­me­cha­nis­men zu­guns­ten der Par­ti­zi­pan­ten ab­hän­gig ma­chen woll­te.

Dies wie­der­um ver­bie­tet nach Mei­nung des Bun­des­ge­richts, un­ter dem gel­ten­den Ge­nos­sen­schafts­recht neue Ei­gen­ka­pi­tal­in­stru­men­te in Form von Par­ti­zi­pa­ti­ons­schei­nen zu­zu­las­sen. «Soll­te sich er­wei­sen, dass ein Be­dürf­nis für die Schaf­fung von zu­sätz­li­chen Ka­pi­tal­ka­te­go­ri­en in Form ei­nes Par­ti­zi­pa­ti­ons­ka­pi­tals auch bei der Ge­nos­sen­schaft be­steht, wä­re dies auf dem Weg der Ge­setz­ge­bung ein­zu­füh­ren und zu re­geln», heisst es ab­schlies­send im Ur­teil aus Lausanne. Die Raiff­ei­sen­bank muss die Ge­richts­kos­ten von 15 000 Fr. be­zah­len. Ur­teil 4A_363/2013 vom 28. April 2014.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.