End­lich wird es wär­mer

Finanz und Wirtschaft - - MONITOR - HEINZ RÜT­TI­MANN,

MF­reund­lich in den Früh­ling – Die USA le­gen vor, Eu­ro­pa soll­te fol­gen

an darf sich auf den Früh­ling freu­en. Die ark­ti­sche Kalt­front, die im Ja­nu­ar wei­te Tei­le der USA un­ter sich be­grub und die Wirt­schafts­leis­tung ne­ga­tiv be­ein­fluss­te, ist nun wohl de­fi­ni­tiv über­wun­den. Nach­träg­lich be­trach­tet hat sie bei den Fir­m­en­er­geb­nis­sen im ers­ten Quar­tal des Jah­res kei­ne ne­ga­ti­ven Spu­ren hin­ter­las­sen.

Im S&P 500 ha­ben bis­her drei Vier­tel der Fir­men ih­re Zah­len prä­sen­tiert. So weit deu­tet al­les dar­auf hin, dass der Um­satz- und Ge­winn­mo­tor in den USA wei­ter­hin zu­ver­läs­sig brummt.

Das Um­satz­wachs­tum leg­te im Jah­res­ver­gleich um rund 2% zu und traf mehr­heit­lich die Markt­er­war­tun­gen. Das Ge­winn­wachs­tum hin­ge­gen nahm im Jah­res­ver­gleich um 4,2% zu und über­traf da­bei die Er­war­tun­gen.

Man fragt sich schon fast, wie die Re­sul­ta­te bei ei­nem nor­ma­len Win­ter ge­we­sen wä­ren. So le­gen die USA trotz be­trächt­li­cher Wid­rig­kei­ten kräf­tig vor, und al­le war­ten dar­auf, dass die eu­ro­päi­sche Wirt­schaft nun end­lich nach­zieht.

Vom breit ge­fass­ten Sto­xx 600 ha­ben bis­her rund 18% der Un­ter­neh­men ih­re Re­sul­ta­te prä­sen­tiert. Auf die­ser Ba­sis be­reits Schlüs­se zu zie­hen, wä­re zwar ver­früht, aber zu­min­dest er­lau­ben sie ei­ne ers­te Ein­schät­zung. So er­höh­te sich der Um­satz im Jah­res­ver­gleich um rund 1,2%, wäh­rend der Ge­winn um rund 2,8% zu­leg­te. Das Ge­winn­wachs­tum über­rasch­te da­mit eher po­si­tiv und lässt auch in Eu­ro­pa auf ei­nen war­men Früh­ling hof­fen. Im Ver­lauf die­ser Woche wer­den wei­te­re 120 Fir­men ih­re Quar­tals­er­geb­nis­se pu­bli­zie­ren und den Schlei­er end­gül­tig lüf­ten.

Wei­ter vor­sich­tig

In der Schwei­zer Fi­nanz­welt wa­ren nach den eher ent­täu­schen- den Re­sul­ta­ten der Cre­dit Suis­se ges­tern sämt­li­che Au­gen auf die UBS ge­rich­tet. Und sie ent­täusch­te nicht. Der Vor­jah­res­ge­winn von 1,05 Mrd. Fr. und das er­war­te­te Kon­zern­er­geb­nis von 855 Mio. Fr. wur­den im ers­ten Quar­tal mit 1,2 Mrd. Fr. klar über­trof­fen. UBSChef Ser­gio Er­mot­ti scheint auf dem rich­ti­gen Weg zu sein: den Um­bau wei­ter vor­an­trei­ben und mit den Alt­las­ten auf­räu­men.

Die Früh­lings­stim­mung bei der Ge­winn­be­richt­er­stat­tung für das ers­te Quar­tal, beim glo­ba­len Ein­kaufs­ma­na­ger­index PMI und bei den wei­ter­hin re­kord­tie­fen Zin­sen konn­te die Ak­ti­en­märk­te nicht son­der­lich be­ein­dru­cken. In den west­li­chen Märk­ten müss­te die Stim­mung ei­gent­lich bes­ser sein, als sie ist.

Ir­gend­wie traut man dem lau­fen­den Jahr aber noch nicht so rich­tig, dem Mo­nat Mai schon gar nicht, und dann steht ja auch schon bald die Som­mer­flau­te vor der Tür. Die Vor­be­hal­te las­sen sich bei den In­di­zes gut ab­le­sen. Der Dow Jo­nes peilt zum drit­ten Mal die Mar­ke von 16 600 an, wäh­rend dem S&P 500 ge­ra­de noch 19 Zäh­ler feh­len, um die 1900er Mar­ke zu kna­cken.

In Eu­ro­pa be­we­gen sich Dax, FTSE 100, SMI und Spa­ni­ens Ibex35 seit ei­ni­ger Zeit eben­falls seit­wärts. Zu be­kla­gen gibt es ei­gent­lich we­nig. Die Er­ho­lung der US-Wirt­schaft ist so­li­de, und Eu­ro­pa hat sich auch ge­fan­gen. Eu­ro­päi­sche Ak­ti­en soll­ten al­so ge­gen­über den US-Pa­pie­ren wei­ter Auf­hol­po­ten­zi­al be­sit­zen – so­wohl beim Um­satz- und Ge­winn­wachs­tum als auch in der Be­wer­tung. Was es al­ler­dings noch braucht, sind Zeit, ein po­si­tiv dre­hen­der Kre­dit­zy­klus und ein schwä­che­rer Eu­ro.

Nach­hal­ti­ge Re­for­men

«Ei­ne Schwal­be macht noch kei­nen Früh­ling.» So oder ähn­lich könn­te das Ver­dikt zu Schwel­len­län­dern lau­ten. An­fang 2010 stand der MSCI Emer­ging Mar­kets bei 1000. Über vier Jah­re spä­ter oder nach sieb­zehn Quar­ta­len no­tiert er im­mer noch bei 1000, und der kürz­lich er­leb­te An­stieg scheint mehr­heit­lich be­reits an Fahrt zu ver­lie­ren.

Auf den Punkt ge­bracht: Da­mit Schwel­len­län­der sich eben­falls auf ei­nen war­men Früh­ling freu­en dür­fen, braucht es nach­hal­ti­ge Re­for­men. Auch müs­sen die Wachs­tums­dif­fe­renz des Brut­to­in­land­pro­dukts und die Pro­fi­ta­bi­li­tät der Schwel­len­län­der ge­gen­über dem Wes­ten wie­der zu­neh­men. Für den Früh­ling 2014 ist es da­für wohl be­reits zu spät.

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