Ru­he vor dem EZB-Sturm

Finanz und Wirtschaft - - OBLIGATIONEN - STEPHAN KUHN­KE,

Der jüngs­te US-Ar­beits­markt­be­richt spie­gelt ei­ne pro­spe­rie­ren­de US-Wirt­schaft: Mit 288 000 neu ge­schaf­fe­nen Stel­len im April und Auf­wärts­re­vi­sio­nen für die Vor­mo­na­te wur­den selbst die Op­ti­mis­ten un­ter den Pro­gnos­ti­kern po­si­tiv über­rascht. Gleich­zei­tig mach­te die Ar­beits­lo­sen­quo­te ei­nen Sprung von 6,7 auf 6,4%, was dem nied­rigs­ten Ni­veau seit Sep­tem­ber 2008 – dem Zu­sam­men­bruch von Leh­man Bro­thers – ent­spricht.

Die US-No­ten­bank Fed wird vor die­sem Hin­ter­grund den im De­zem­ber ein­ge­schla­ge­nen Pfad der Rück­füh­rung der An­lei­hen­käu­fe um 10 Mrd. $ pro Sit­zung fort­set­zen und ab No­vem­ber die­ses Jah­res kei­ne US-Tre­a­su­ries mehr kau­fen. Da­mit stellt sich die Fra­ge, wie lan­ge das Fed bei solch po­si­ti­ven Kon­junk­tur­si­gna­len noch an dem ex­trem nied­ri­gen Re­fi­nan­zie­rungs­zins von 0 bis 0,25% fest­hal­ten kann. Nach Mass­ga­be der Geld­markt-Fu­tures hat sich die Wahr­schein­lich­keit ei­ner ers­ten Straf­fung der mo­ne­tä­ren Rah­men­be­din­gun­gen im zwei­ten Quar­tal 2015 un­mit­tel­bar nach der Ver­öf­fent­li­chung des US-Ar­beits­markt­be­richts si­gni­fi­kant er­höht.

Zeit­gleich gin­gen die Kur­se von US-Tre­a­su­ries auf Tauch­sta­ti­on. Zehn­jäh­ri­ge Fäl­lig­kei­ten ver­lo­ren bin­nen we­ni­ger Mi­nu­ten fast 1%, er­hol­ten sich dann auf­grund der er­neut auf­flam­men­den Ukrai­nek­ri­se bis Han­dels­schluss und ver­moch­ten so­gar im Plus zu schlies­sen. «Eid­ge­nos­sen» und deut­sche Bun­des­an­lei­hen ent­wi­ckel­ten sich par­al­lel da­zu – das Aus­mass der Kurs­schwan­kun­gen war je­doch ge­rin­ger.

Man­gels markt­be­ein­flus­sen­der Da­ten und Ver­öf­fent­li­chun­gen be­weg­ten sich die in­ter­na­tio­na­len Ob­li­ga­tio­nen­märk­te An­fang der Woche in en­gen Gren­zen seit­wärts. Mit Span­nung bli­cken die Markt­teil­neh­mer da­bei auf die Sit­zung der Eu­ro­päi­schen Zen­tral­bank (EZB) an die­sem Don­ners­tag.

Die Wahr­schein­lich­keit ei­nes um­fang­rei­chen An­lei­hen­kauf­pro­gramms (Quan­ti­ta­ti­ve Ea­sing) hat zwar nach den jüngs­ten Da­ten­ver­öf­fent­li­chun­gen ab­ge­nom­men, ei­ne neu­er­li­che Sen­kung des Re­fi­nan­zie­rungs­sat­zes von 0,25 auf 0% bei gleich­zei­ti­gem Ab­sen­ken der Ein­la­gen­zin­sen auf –0,25% ist da­mit aber noch nicht vom Tisch.

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