Rich­tungs­lo­se Roh­wa­ren

Finanz und Wirtschaft - - ROHSTOFFE/DERIVATIVE INSTRUMENTE - WALTER SCHNEI­DER

ARoh­öl­preis oh­ne Trend – Wet­ter be­stimmt Mais- und Wei­zen­preis

uf vie­len Wa­ren­märk­ten be­we­gen sich die Prei­se wei­ter­hin in eta­blier­ten Band­brei­ten. Als stüt­zen­de Fak­to­ren gel­ten die un­si­che­re Si­tua­ti­on in der Ukrai­ne so­wie – bei in Dol­lar ge­han­del­ten Wa­ren – die noch im­mer schwä­cheln­de US-Wäh­rung. Den­noch bleibt die Stim­mung ab den Roh­stoff­märk­ten ge­dämpft, und die Kur­se lie­gen im Wo­chen­ver­gleich mehr­heit­lich im Mi­nus.

Be­son­ders die Händ­ler auf den Ener­gie­märk­ten ver­fol­gen die Ent­wick­lung in der Ukrai­ne sehr ge­nau. Die Es­ka­la­ti­on und Aus­wei­tung des Kon­flikts zur Schwarz­meer­küs­te und nach Wes­ten müss­te den Erd­öl­märk­ten grund­sätz­lich Auf­trieb ver­lei­hen – dem ge­gen­über steht je­doch ein deut­li­ches Über­an­ge­bot und ei­ne schwa­che phy­si­sche Nach­fra­ge. In Li­by­en kom­men die Ex­por­te nur zö­ger­lich wie­der in Schwung. Zwar wer­den die Kon­flik­te um die wich­ti­gen Erd­öl­fel­der nach und nach ge­löst, der­zeit be­hin­dert aber ei­ne Blo­cka­de der Pi­pe­line­be­trei­ber den Ex­port. Der Irak hat nach ei­ge­nen An­ga­ben die För­de­rung im April auf 2,5 Mio. Fass/Tag ge­stei­gert und da­mit den höchs­ten Stand seit 2003 er­reicht.

Roh­öl der eu­ro­päi­schen Sor­te Brent, des­sen Fu­tures an der In­ter­con­ti­nen­tal Ex­ch­an­ge ICE ge­han- delt wer­den, wies in der ver­gan­ge­nen Woche ei­ne Han­dels­span­ne von 2.50 $/Fass auf. Vor­läu­fig dürf­te die Band­brei­te zwi­schen 107 und 110 $/Fass blei­ben.

Bei ame­ri­ka­ni­schem Roh­öl der Sor­te WTI drü­cken die ste­tig wach­sen­de För­der­men­ge und ein wei­ter­hin stei­gen­der Be­stand in Roh­öl­la­gern auf die Prei­se. Im Wo­chen­ver­gleich büss­te WTI 1,5% ein. Oh­ne die Ukrai­ne­ri­si­ko­prä­mie wä­re der Fass­preis wohl noch tie­fer. Die kurz­fris­ti­ge Band­brei­te für WTI-Fu­tures dürf­te 98 bis 102 $/Fass be­tra­gen. Oh­ne preis­stüt­zen­de Nach­rich­ten wird wohl das un­te­re En­de der Span­ne wie­der ge­tes­tet wer­den.

Die Ge­nuss­mit­tel­prei­se zeig­ten in den ver­gan­ge­nen Ta­gen ein ge­misch­tes Bild. Kaf­fee-Fu­tures ste­hen im Wo­chen­ver­gleich rund 1,5% hö­her. Nach den wil­den Preis­aus­schlä­gen im April hat jetzt ei­ne Seit­wärts­be­we­gung ein­ge­setzt. Im Un­ter­schied zu Kaf­fee no­tie­ren Zu­cker und Ka­kao leicht schwä­cher. Die Prei­se für Baum­wol­le und Ge­trei­de wer­den der­zeit fast nur vom Wet­ter be­stimmt. Zwar spielt bei Mais und Wei­zen der Ukrai­nekon­flikt nach den Kra­wal­len in der für den Ge­trei­de­ex­port wich­ti­gen Schwarz­meer­stadt Odes­sa ei­ne Rol­le, der Han­del kon­zen­triert sich aber haupt­säch- lich auf die Aus­saats- und Wachs­tums­be­din­gun­gen in USA. Mit ei­nem Wo­chen­plus von knapp 2,7% füh­ren Wei­zen­fu­tures die Ge­win­ner­lis­te an. Ana­lys­ten fürch­ten, dass die an­hal­ten­de Tro­cken­heit und stei­gen­de Tem­pe­ra­tu­ren bei Win­ter­wei­zen die Er­trags­aus­sich­ten wei­ter de­zi­mie­ren könn­te. In der ver­gan­ge­nen Woche pro­gnos­ti­zier­ten Wei­zen­ana­lys­ten nach ei­ner Be­sich­ti­gungs­tour im wich­ti­gen An­bau­staat Kan­sas er­heb­li­che Er­trags­ein­bus­sen. Vie­le Markt­teil­neh­mer war­ten ge­spannt auf den mo­nat­li­chen Be­richt des US-Land­wirt­schafts­mi­nis­te­ri­ums USDA vom kom­men­den Frei­tag.

Bei Mais und So­ja ver­läuft die Aus­saat in den USA eher ver­hal­ten. Die Mais­far­mer sind mit der Aus­saat deut­lich spä­ter dran als in den Jah­ren zu­vor. Für die­se Woche ist je­doch güns­ti­ges Wet­ter vor­aus­ge­sagt, und bis zum Wo­che­n­en­de soll­te die Hälf­te der Aus­saat ab­ge­schlos­sen sein. Der So­ja­an­bau hat ge­ra­de erst be­gon­nen. So­ja kann we­gen der kür­ze­ren Wachs­tums­zeit noch län­ger an­ge­baut wer­den, und der Preis wird des­halb wei­ter­hin durch die Ver­füg­bar­keit von So­ja­boh­nen aus der al­ten Ern­te be­stimmt.

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