Ein­griff in das Pri­vat­ei­gen­tum

Finanz und Wirtschaft - - MEINUNG - PE­TER MORF

Wenn es dar­um geht, neue Steu­ern zu er­fin­den, ist der Staat nie um krea­ti­ve Ide­en ver­le­gen. Das be­weist die En­ga­di­ner Ge­mein­de Sil­va­pla­na. Im ver­meint­li­chen Kampf ge­gen so­ge­nannt kal­te Bet­ten in Fe­ri­en­häu­sern und -woh­nun­gen soll der je­wei­li­ge Ei­gen­tü­mer ei­ne Steu­er ent­rich­ten, wenn er die­se Bet­ten nicht auch an Drit­te ver­mie­tet. Em­pör­te Ei­gen­tü­mer ha­ben ge­gen das Vor­ha­ben in Sil­va­pla­na re­kur­riert – und sind nun vor Bun­des­ge­richt un­ter­le­gen. Sehr gut mög­lich, dass an­de­re Ge­mein­den dem Bei­spiel Sil­va­pla­nas fol­gen wer­den.

Mit die­sem Ent­scheid wird das Schwei­zer Steu­er­sys­tem wei­ter ver­kom­pli­ziert. Es ist kein gu­tes Zei­chen, dass nur noch aus­ge­wie­se­ne Ex­per­ten über­haupt den Überblick über das Di­ckicht an Be­stim­mun­gen auf den Ebe­nen Bund, Kan­to­ne und Ge­mein­den ha­ben. Das Sys­tem müss­te im Ge­gen­teil ra­di­kal ver­ein­facht wer­den. Ent­spre­chen­de Ver­su­che schei­tern lei­der im­mer wie­der an mäch­ti­gen Par­ti­ku­lar­in­ter­es­sen.

Zu­dem wird mit der Steu­er ei­ne neue Mehr­fach­be­las­tung in­stal­liert. Die Ei­gen­tü­mer der ent­spre­chen­den Woh­nun­gen wer­den schon über Ei­gen­miet­wer­te, Ver­mö­gens- und Lie­gen­schafts­steu­ern, Tou­ris­mus­ab­ga­ben und Ähn­li­ches zur Kas­se ge­be­ten. Of­fen­bar hat sich das Bun­des­ge­richt kaum Ge­dan­ken ge­macht, ob da nicht ei­ne Über­be­steue­rung ent­steht – auch die­se wi­der­spricht dem Grund­satz der Be­steue­rung nach der wirt­schaft­li­chen Leis­tungs­fä­hig­keit.

Fast noch schwe­rer als die steu­er­sys­te­ma­ti­schen Ein­wän­de wiegt ein sehr grund­sätz­li­cher: Mit die­ser Steu­er greift der Staat ins Ei­gen­tums­recht ein. Wenn er den Be­sit­zer, sei es über kon­kre­te Vor­schrif­ten oder aber fi­nan­zi­el­le Be­las­tun­gen, in der Nut­zung sei­nes pri­vat er­wor­be­nen Ei­gen­tums ein­schränkt, wird die in der Bun­des­ver­fas­sung ver­an­ker­te Ei­gen­tums­ga­ran­tie zu­min­dest ge­ritzt. Die Tat­sa­che, dass es der­ar­ti­ge Ein­grif­fe be­reits gibt, macht die Sa­che nicht bes­ser, son­dern im Ge­gen­teil eher noch be­denk­li­cher. Es ist schon sehr er­staun­lich, dass aus­ge­rech­net das obers­te Ge­richt des Lan­des die Ei­gen­tums­ga­ran­tie der­art ge­ring schätzt und gar Schrit­te in Rich­tung kal­ter Ent­eig­nung macht.

Die Ge­fahr ei­nes Damm­bruchs ist re­al, auch an­de­re Ge­mein­den ma­chen sich Ge­dan­ken über ent­spre­chen­de neue Steu­ern. Al­ler­dings ist hier Vor­sicht ge­bo­ten. Es ist all­zu ein­fach, be­nö­tig­te Gel­der bei je­nen zu ho­len, die sich nicht weh­ren kön­nen – die Fe­ri­en­woh­nungs­be­sit­zer ha­ben in der Re­gel an ih­rem Fe­ri­en­ort kei­ne po­li­ti­schen Rech­te. Es ist dem Image des Fe­ri­en­lands Schweiz nicht zu­träg­lich, dass Fe­ri­en­gäs­te in ers­ter Li­nie als fi­nan­zi­el­le Milch­kü­he be­trach­tet und be­han­delt wer­den.

Zu­dem ist höchst un­si­cher, ob we­gen ei­ner der­ar­ti­gen Steu­er kal­te tat­säch­lich zu war­men Bet­ten wer­den – Skep­sis ist am Platz. Das Re­gu­lie­rungs­di­ckicht wird dich­ter, oh­ne dass das an­vi­sier­te Pro­blem ge­löst wür­de. Soll­te das Bei­spiel Sil­va­pla­na Schu­le ma­chen, füg­te sich die Schweiz – ein­mal mehr – oh­ne je­de Not selbst Scha­den zu. Zum Nut­zen an­de­rer Fe­ri­en­des­ti­na­tio­nen.

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