Der gröss­te Tech-Bör­sen­gang al­ler Zei­ten steht be­vor

Finanz und Wirtschaft - - UNTERNEHMEN -

Der Bör­sen­gang von Wei­bo kam we­nig gut an. In den ers­ten Ta­gen stieg die Ak­tie des chi­ne­si­schen Kurz­nach­rich­ten­diens­tes noch über den Aus­ga­be­preis von 17 $. Seit­her ging es nur ab­wärts für den chi­ne­si­schen Twit­ter-Klon. Das könn­te zum Pro­blem für Ali­ba­ba wer­den. Die E-Com­mer­ce-Sei­te aus dem Reich der Mit­te hat sich En­de April 18% an Wei­bo ge­si­chert – und strebt selbst ei­nen Bör­sen­gang an. Jetzt liegt der Pro­spekt vor, in dem aber noch wich­ti­ge Da­ten feh­len.

Mehr als ein Dut­zend IPO-Kan­di­da­ten aus dem chi­ne­si­schen High­tech-Sek­tor be­rei­tet sich auf den Bör­sen­gang vor, dar­un­ter In­ter­net-Rei­se­an­bie­ter Tu­niu oder Web-Wa­ren­platz JD.com. Nie­mand ist so pro­mi­nent wie Ali­ba­ba. Das Markt­vo­lu­men des Un­ter­neh­mens über­steigt das von Ama­zon und eBay – zu­sam­men (vgl. Gra­fik). Von den IPO-Plä­nen ist schon ei­ne Wei­le die Re­de, nach und nach kon­kre­ti­sie­ren sie sich.

Auf 343 Sei­ten be­schreibt Ali­ba­ba nun das ei­ge­ne Ge­schäfts­mo­dell, die Ri­si­ko­fak­to­ren und den Ge­schäfts­aus­blick für mög­li­che In­ves­to­ren. Das Un­ter­neh­men hat ei­nen An­teil von 80% am chi­ne­si­schen E-Com­mer­ce-Markt. An­ders als Ama­zon und eBay ver­kauft Ali­ba­ba kei­ne ei­ge­nen Wa­ren, son­dern dient als Platt­form für an­de­re Händ­ler. Von März bis De­zem­ber 2013 stieg der Um­satz des Un­ter­neh­mens 57% auf 6,5 Mrd. $. Der Ge­winn leg­te im sel­ben Zei­t­raum mehr als 300% auf 2,9 Mrd. $ zu. Das Geld er­wirt­schaf­tet Ali­ba­ba als vir­tu­el­le La­den­flä­che ge­gen Ge­bühr so­wie über An­zei­gen.

Noch nicht im IPO-Pro­spekt auf­ge­führt sind da­ge­gen un­ter an­de­rem die Preis­span­ne und – noch wich­ti­ger – das Da­tum des Bör­sen­gangs. Denn das Kli­ma für Tech-Ak­ti­en ist seit März deut­lich rau­er ge­wor­den. Nicht nur Wei­bo lei­det dar­un­ter, die Zeit könn­te so ge­gen Ali­ba­ba spie­len.

In­ves­to­ren mel­de­ten sich zu Wort, die wei­te­re Ein­zel­hei­ten ver­mis­sen in dem Bör- sen­pro­spekt. So feh­len wich­ti­ge In­for­ma­tio­nen zu Töch­tern von Ali­ba­ba, et­wa den bei­den Haupt­stand­bei­nen Tao­bao und Tmall so­wie ih­rem Bei­trag zum Ge­schäfts­er­folg. Zu­dem bleibt die Ver­bin­dung zu Alip­ay un­klar, dem On­line-Be­zahl­ser­vice von Ali­ba­ba, der zwar «ge­schäfts­kri­tisch» sei, wie es im Pro­spekt heisst, bei dem aber nicht deut­lich wird, von wem er letz­ten En­des kon­trol­liert wird. Un­klar bleibt auch die Füh­rungs­struk­tur nach dem Bör­sen­gang.

Die Schät­zun­gen für den Wert von Ali­ba­ba ran­gie­ren von 130 bis 250 Mrd. $. Dem­nach könn­te der gröss­te Bör­sen­gang ei­nes In­ter­net­kon­zerns be­vor­ste­hen. Un­ter den am IPO be­tei­lig­ten Ban­ken be­fin­det sich auch Cre­dit Suis­se. Yahoo wird ih­ren An­teil an dem chi­ne­si­schen Un­ter­neh­men durch den Bör­sen­gang ver­kau­fen. Eben­so wie der zwei­te Gross­ak­tio­när Soft­Bank hat Yahoo in den ver­gan­ge­nen Mo­na­ten sehr von der Ali­ba­ba-Fan­ta­sie pro­fi­tiert.

An der Bran­che in­ter­es­sier­te An­le­ger soll­ten die Neu­ig­kei­ten rund um das Ali­ba­ba-IPO ver­fol­gen, trotz der feh­len­den De­tails. Das Schwer­ge­wicht könn­te die Re­geln im E-Com­mer­ce be­ein­flus­sen und da­mit auch Ama­zon und eBay. Im Um­feld des Rie­sen-Bör­sen­gangs be­rei­tet sich auch das deut­sche On­line-Mo­de­haus Za­lan­do auf ein IPO vor. Die Ge­sprä­che sind aber noch nicht so weit. Frü­hes­tens im Herbst sol­len die Ti­tel auf den Markt kom­men.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.