Mehr Ri­si­ken als Chan­cen

Finanz und Wirtschaft - - ROHSTOFFE/DERIVATIVE INSTRUMENTE - TO­BI­AS MERATH

NS­tei­gen­de Zin­sen sind Gift für Gold – Be­wer­tung ist aber güns­tig

ach den er­heb­li­chen Preis­schwan­kun­gen seit Be­ginn des Jah­res bie­tet der Gold­markt ein un­heit­li­ches Bild. Fun­da­men­tal­da­ten, Be­wer­tung und tech­ni­sche Ana­ly­se ge­ben un­ter­schied­li­che Si­gna­le, was ei­nen kla­ren Aus­blick er­schwert.

In den ver­gan­ge­nen Mo­na­ten hat der Goldpreis zu­neh­mend sen­si­bel auf die Zins­po­li­tik der US-No­ten­bank Fed re­agiert. Nach ei­ner Er­ho­lungs­pha­se von Ja­nu­ar bis März ha­ben Kom­men­ta­re der Fed-Vor­sit­zen­den Ja­net Yel­len über ei­ne mög­li­che Zins­er­hö­hung be­reits sechs Mo­na­te nach dem En­de des An­lei­hen­kauf­pro­gramm (Quan­ti­ta­ti­ve Ea­sing, QE) zu ei­nem er­neu­ten Preis­rutsch am Gold­markt ge­führt. Seit­dem be­wegt sich der Preis in ei­ner Han­dels­span­ne von 1280 bis 1340 $ pro Fein­un­ze.

Die Zins­po­li­tik der Fe­deral Re­ser­ve ist wich­tig für Gold, da das Edel­me­tall als Geld­an­la­ge selbst we­der Zin­sen noch Di­vi­den­den ab­wirft. Ei­ne Ent­schei­dung, in Gold zu in­ves­tie­ren, ist al­so im­mer auch ei­ne Ent­schei­dung, auf Zin­sen und Di­vi­den­den zu ver­zich­ten, die bei ei­ner An­la­ge in Ob­li­ga­tio­nen oder Ak­ti­en er­zielt wer­den könn­ten. Stei­gen die Zin­sen, nimmt auch der Be­trag zu, auf den bei ei­ner In­ves­ti­ti­on in Gold ver- zich­tet wird. Im Um­feld an­zie­hen­der An­lei­hen­ren­di­ten und Zin­sen wird da­her we­ni­ger Gold ge­kauft. Gold­an­le­ger sind so­gar eher zu Ver­käu­fen be­reit. Die Fra­ge, wann die US-No­ten­bank Fed zum ers­ten Mal die Leit­zin­sen er­höht, ist für den Goldpreis da­her von gros­ser Wich­tig­keit.

An­ge­sichts der wirt­schaft­li­chen Er­ho­lung in den USA scheint ei­ne wei­te­re Re­du­zie­rung des An­lei­hen­kauf­pro­gramms ei­ne aus­ge­mach­te Sa­che. Und ob­schon ein ers­ter Zins­schritt wohl noch ge­rau­me Zeit auf sich war­ten las­sen dürf­te, be­we­gen wir uns doch gra­du­ell dar­auf zu. Gleich­zei­tig be­deu­tet die wirt­schaft­li­che Er­ho­lung auch, dass Gold in sei­ner Funk­ti­on als si­che­rer Ha­fen für An­le­ger we­ni­ger in­ter­es­sant wird. Trotz geo­po­li­ti­scher Kri­sen – wie der­zeit der Kon­flikt zwi­schen Russ­land und der Ukrai­ne – ist der fun­da­men­ta­le Aus­blick für den Goldpreis so­mit in der Sum­me klar ne­ga­tiv.

Ver­gleicht man je­doch den Ver­lauf des Gold­prei­ses mit den Re­al­zin­sen, der In­fla­ti­ons­ra­te und dem Dol­lar, wird deut­lich, dass ein gros­ser Teil des Ne­ga­tiv­sze­na­ri­os be­reits in der Preis­bil­dung be­rück­sich­tigt sind. Mit an­de­ren Wor­ten; der Goldpreis er­scheint auf dem ak­tu­el­len Ni­veau be­reits un­ter­be- wer­tet. Die Tat­sa­che, dass die grös­se­ren Gold­mi­nen bei den ge­gen­wär­ti­gen Prei­se in der Ver­lust­zo­ne ar­bei­ten, deu­tet in die glei­che Rich­tung.

In ei­nem Um­feld, in dem der wirt­schaft­li­che Hin­ter­grund ne­ga­tiv für Gold und Edelmetalle ist, die Be­wer­tung aber be­reits güns­tig er­scheint, kann die tech­ni­sche Ana­ly­se wert­vol­le An­halts­punk­te über den Aus­blick lie­fern.

Lei­der zeigt sich auch hier kein kla­res Bild. Der­zeit no­tiert der Goldpreis sehr na­he an den wich­ti­gen Trend­li­ni­en. Gleich­zei­tig scheint der Markt an Dy­na­mik (Mo­men­tum) zu ver­lie­ren. Ins­ge­samt prä­sen­tiert sich das tech­ni­sche Bild neu­tral.

Die di­ver­gie­ren­den Si­gna­le von fun­da­men­ta­ler Ana­ly­se und Be­wer­tung und das Feh­len ei­ner kla­ren der Aus­sa­ge der tech­ni­schen Ana­ly­se il­lus­trie­ren die der­zeit herr­schen­de Un­si­cher­heit am Gold­markt. Für die Markt­teil­neh­mer ist es zu­neh­mend schwer, mit ho­her Über­zeu­gung ei­ne Po­si­ti­on ein­zu­ge­hen. Das wahr­schein­lichs­te Sze­na­rio scheint der­zeit so­mit bis auf Wei­te­res ei­ne Fortsetzung des Seit­wärts­trends beim Goldpreis zu sein.

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