Nein­sa­ger

Finanz und Wirtschaft - - MEINUNG -

Der­zeit hilft zur Schau ge­stell­te Ab­nei­gung ge­gen das Eu­ro­päi­sche Par­la­ment, um in die­ses ein­zu­zie­hen. Am 25. Mai wer­den wir er­fah­ren, wie vie­le Eu­ro­pa-Par­la­men­ta­ri­er grund­sätz­lich Nein sa­gen zur EU. So ver­hal­tens­auf­fäl­lig ist das im EP struk­tu­rell nicht, denn die Kernkom­pe­tenz die­ser

ei­gen­ar­ti­gen In­sti­tu­ti­on ist – holz­schnitt­ar­tig – das Nein­sa­gen: Ge­set­ze schlägt al­lein die EU-Kom­mis­si­on vor; das EP kann sie bloss de­bat­tie­ren und al­len­falls ab­leh­nen. Ei­ne ech­te Le­gis­la­ti­ve ist das Gre­mi­um der 751 Ab­ge­ord­ne­ten so­mit nicht, da­für aber ein kost­spie­li­ger Wan­der­zir­kus: Der EPSitz ist in Strass­burg; dort hält es die zwölf jähr­li­chen Plenar­sit­zun­gen ab. In Brüs­sel, wo die EU-Mu­sik wirk­lich spielt, quä­len sich in die­ser Be­hör­den­bas­ti­on Aus­schüs­se und Frak- tio­nen durchs Ak­ten­la­by­rinth. Ein Teil der Par­la­ments­ver­wal­tung wer­kelt in Lu­xem­burg. Woll­te sich das EP auf Brüs­sel kon­zen­trie­ren, kä­me das Ve­to aus Pa­ris. Das wah­re Macht­zen­trum ist der Rat der Mi­nis­ter bzw. der 28 Re­gie­rungs­chefs, wo­bei fak­tisch Ber­lin un­ter Glei­chen glei­cher ist. Und in Frank­furt haust die Eu­ro­päi­sche Zen­tral­bank. Den Eu­ro, den einst nur die Fran­zo­sen und die Iren ge­wählt hat­ten, wür­den vie­le Eu­ro­pä­er, hät­ten sie die Wahl, glatt ab­wäh­len.

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