Nächs­te Run­de für Tele­com­ak­ti­en

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE - AL­FONS COR­TES

Vor ei­ner Woche hat FuW ein In­ter­view mit Fonds­ma­na­ger Bill Mil­ler ge­bracht. Es ent­hält Aus­sa­gen, die ge­ra­de jetzt be­son­de­re Auf­merk­sam­keit ver­die­nen. Die Angst vor ei­nem «Crash» scheint der­zeit die Ge­mü­ter zu be­we­gen.

Der Preis für den Ver­such, Rück­schlä­gen im Rah­men ei­nes Auf­wärts­trends aus dem We­ge zu ge­hen, ist mit­tel­fris­tig hoch. Trend­wen­den kön­nen zwar gut er­kannt wer­den, Schwan­kun­gen in­ner­halb von Trends aber nicht. Da­zu Bill Mil­ler: «Ge­ne­rell könn­ten vie­le In­ves­to­ren ih­re Per­for­mance ver­bes­sern, wenn sie län­ger­fris­tig den­ken und sich we­ni­ger vom Ta­ges­lärm be­ein­flus­sen las­sen wür­den.»

Wer ei­ne Stra­te­gie hat

Hin­ter der man­geln­den Schwan­kungs­to­le­ranz ver­birgt sich Tak­tie­ren zu­las­ten ei­ner ro­bus­ten Stra­te­gie und ge­rin­ger Ge­schichts­kennt­nis. «Ei­ne Bais­se wird üb­li­cher­wei­se von drei Fak­to­ren aus­ge­löst, oft in Kom­bi­na­ti­on: Der Öl­preis steigt ra­pid, die No­ten­bank tritt auf die Brem­se, oder die Wirt­schaft fällt in ei­ne Re­zes­si­on. Die­se Ri­si­ken sind der­zeit nicht ab­seh­bar», sagt Mil­ler.

Mag sein, dass nicht al­le mit sei­nen Fak­to­ren ei­nig ge­hen, ei­nes je­doch ist si­cher: Nicht al­le Markt­ak­teu­re wer­ten die glei­chen Fak­to­ren zur sel­ben Zeit gleich. Da­mit Bör­sen auf Bais­se dre­hen, müs­sen vie­le Leu­te zu­erst um­den­ken und dann han­deln. Das braucht Zeit und hin­ter­lässt Spu­ren, die ty­pisch sind für den Über­gang. Das kann am Eu­roS­to­xx50 und an sei­nen Sek­tor­indi­zes im Jahr 2007 vor Be­ginn der gros­sen Bais­se de­mons­triert wer­den: Am 26. Fe­bru­ar 2007 schloss der Eu­roS­to­xx50 auf 4272,32. Bis zum 14. März fiel er 8,5% auf 3906,15. Da­nach leg­te er 17% zu und er­reich­te am 20. Ju­ni 2007 mit 4572,82 sein Höchst. Der Eu­roS­to­xx Ban­ken stieg vom 14. März bis zum 18. Mai 15,7% und fiel da­nach bis zum 20. Ju­ni im Ge­gen­satz zum Eu­roS­to­xx50 um 5,7% und dann bis März 2009 in ei­nem gros­sen Ab­wärts­trend um 84%.

Die ers­te ne­ga­ti­ve Di­ver­genz. Ihr folg­ten bald wei­te­re in Form der Sek­tor­indi­zes Con­struc­tion & Ma­te­ri­als, Fi­nan­ci­als, Fi­nan­ci­al Ser­vices, He­alth Ca­re, In­dus­tri­al, In­dus­tri­al Trans­por­ta­ti­on, In­suran­ce, Me­dia, Re­al Esta­te und Re­tail. Star­ke bis sehr star­ke Avan­cen ver­zeich­ne­te im Ge­gen­satz da­zu Au­to­mo­bi­les & Parts bis No­vem­ber, Food bis Ja­nu­ar 2008, Per­so­nal & Hou­se­hold Goods bis Ju­li, Oil & Gas bis Ju­li, Tech­no­lo­gy bis Ok­to­ber, Tele­com bis De­zem­ber und Uti­li­ties bis Ja­nu­ar 2008.

Vor der Wen­de ent­stan­den an al­len li­qui­den Bör­sen Di­ver­gen­zen wie 2007 in der Eu­roS­to­xx-Fa­mi­lie. Ich be­zeich­ne sol­che Pha­sen als Struk­tur B: Der Re­fe­ren­z­in­dex setzt sei­nen Auf­wärts­trend ver­lang­samt fort, wäh­rend ei­ni­ge Sek­to­ren star­ke bis sehr star­ke Auf­wärts­trends be­schrei­ben und an­de­re be­reits in Ab­wärts­trends ge­mün­det sind.

Über­ge­wicht rat­sam

Kein ein­zi­ger Sek­tor­index im Eu­roS­to­xx ist der­zeit im Ab­wärts­trend. Ei­ni­ge ge­hen seit­wärts, an­de­re stei­gen mit un­ter­schied­li­cher re­la­ti­ver Stär­ke, drei – Oil & Gas, Uti­li­ties und Tele­com – ha­ben im Herbst 2013 ei­nen neu­en Auf­wärts­trend be­gon­nen. Die Prä­fe­ren­zen wech­seln, von ei­ni­gen Sek­to­ren zu an­de­ren. Das ist gut so, denn es ver­rät ei­ne Gleich­ge­wichts­su­che des Mark­tes.

Ei­ner der Nutz­nies­ser ist Tele­com. In die­sem Sek­tor über­ge­wich­tet zu sein, ist rat­sam. Dass ein Rück­schlag wie 2007 von 10 bis 20% oh­ne Vor­an­kün­di­gung ein­set­zen kann, ist un­be­strit­ten. Mit höchs­ter Wahr­schein­lich­keit wür­de ei­ne Er­ho­lung fol­gen, nach der eu­ro­päi­sche Bör­sen von der der­zei­ti­gen Struk­tur A in die Struk­tur B mün­de­ten. Erst dann wä­re mit ei­ner Bais­se zu rech­nen. Die Mei­nung des Au­tors muss nicht mit je­ner der Re­dak­ti­on über­ein­stim­men.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.