Schwie­ri­ges Eu­ro­pa

Finanz und Wirtschaft - - MONITOR - ALES­SAN­DRO FEZZI ,

DIm Ge­gen­satz hier­zu zeig­ten sich die vom Mün­che­ner Ifo-In­sti­tut be­frag­ten deut­schen Un­ter­neh­men in den letz­ten Mo­na­ten wei­ter zu­ver­sicht­lich. In den USA ent­täusch­ten die De­tail­han­dels­um­sät­ze. Im Vor­mo­nats­ver­gleich nah­men die Ver­käu­fe nur 0,1% zu statt wie er­war­tet um 0,4% . An­de­rer­seits wa­ren die Um­sät­ze im Vor­mo­nat mit re­vi­dier­ten 1,5% deut­lich stär­ker ge­stie­gen als zu­vor an­ge­nom­men.

Wäh­rend die eu­ro­päi­schen Bör­sen we­gen der Ukrai­ne-Kri­se und der über­wie­gend ge­misch­ten Quar­tals­er­geb­nis­se in die­ser

Furcht vor Es­ka­la­ti­on der Ukrai­ne-Kri­se be­schäf­tigt Märk­te wei­ter­hin

ie ers­te Wo­chen­hälf­te stand wei­ter­hin im Schat­ten des Kon­flikts in der Ukrai­ne. Nach wie vor fürch­ten sich die An­le­ger, dass die Si­tua­ti­on es­ka­liert und die Be­zie­hun­gen zwi­schen dem Wes­ten und Russ­land noch stär­ker be­las­tet wer­den. Bei dem in­ter­na­tio­nal nicht an­er­kann­ten Re­fe­ren­dum im Os­ten des Lan­des sprach sich am ver­gan­ge­nen Wo­che­n­en­de ei­ne über­wäl­ti­gen­de Mehr­heit (laut Se­pa­ra­tis­ten rund 90%) für die Un­ab­hän­gig­keit bzw. ei­ne Ab­spal­tung der Re­gi­on aus. Russ­land er­kann­te das Re­fe­ren­dum in der Ost­ukrai­ne an.

Die Par­al­le­len zum Vor­ge­hen auf der Krim sind nicht zu über­se­hen. Un­ter­des­sen ver­sucht der Wes­ten, die Kri­se auf di­plo­ma­ti­schem Weg zu lö­sen – was bleibt ihm auch an­de­res üb­rig? Die Märk­te müs­sen wahr­schein­lich noch län­ger mit Un­si­cher­heit le­ben.

Ein stär­ker als be­fürch­te­ter Rück­gang des ZEW-Er­war­tungs­in­di­ka­tors scheint die Ve­r­un­si­che­rung der An­le­ger zu be­stä­ti­gen. Nach An­ga­ben des Mann­hei­mer Wirt­schafts­for­schungs­in­sti­tuts fiel das viel be­ach­te­te Ba­ro­me­ter im Mai den vier­ten Mo­nat in Fol­ge und er­reich­te das tiefs­te Ni­veau seit Ja­nu­ar 2013.

Mäs­si­ge Fort­schrit­te

Woche nur we­nig Fort­schrit­te mach­ten, er­reich­ten die In­di­zes an der Wall­s­treet zum Teil neue Re­kord­hochs. In Chi­na sorg­ten Hoff­nun­gen auf Fi­nanz­markt­re­for­men für ei­nen gröss­ten­teils freund­li­chen Wo­chen­start.

Re­for­men könn­ten aus­län­di­schem Ka­pi­tal leich­te­ren Zu­gang zum chi­ne­si­schen Ak­ti­en­markt er­mög­li­chen, spe­ku­lier­ten Markt­teil­neh­mer. Die jüngs­ten Wirt­schafts­da­ten aus der Volks­re­pu­blik (In­dus­trie­pro­duk­ti­on und De­tail­han­dels­um­sät­ze) blie­ben ten­den­zi­ell un­ter den Er­war­tun­gen.

In Eu­ro­pa wer­den in den nächs­ten Ta­gen vor al­lem In­fla­ti­ons- und Wachs­tums­zah­len aus dem Eu­ro­raum im Mit­tel­punkt ste­hen. Nach Ein­schät­zung von Ví­tor Con­s­tân­cio, Vi­ze­prä­si­dent der Eu­ro­päi­schen Zen­tral­bank (EZB), hängt die Ent­schei­dung der No­ten­bank, even­tu­ell die Zin­sen im Ju­ni noch­mals zu lo­ckern, von den dann vor­lie­gen­den In­fla­ti­ons­pro­jek­tio­nen des EZB-Mit­ar­bei­ter­stabs ab.

De­fla­ti­on droht wei­ter

Die mit­tel­fris­ti­gen In­fla­ti­ons­er­war­tun­gen sei­en zwar wei­ter «fest ver­an­kert», je­doch sei der Aus­blick auf die nächs­ten vier Jah­re ge­sun­ken, sag­te der Por­tu­gie­se. In der ver­gan­ge­nen Woche hat­te EZB-Prä­si­dent Ma­rio Draghi ei­ne wei­te­re Zins­lo­cke­rung am 5. Ju­ni nicht aus­ge­schlos­sen. Draghi ver­wies da­bei auch auf den star­ken Eu­ro, der Im­por­te ver­bil­li­ge und da­mit Druck auf das Preis­ni­veau in der Eu­ro­zo­ne aus­übe. Die In­fla­ti­on im Eu­ro­raum be­trägt der­zeit 0,7%, dies weit un­ter dem EZBZiel von na­he­zu 2%. Die No­ten­bank rech­net ers­te En­de 2016 da­mit, dass sich die Teue­rung wie­der ih­rem Ziel­wert an­nä­hert.

Dem­ent­spre­chend sei es wich­tig, dass die EZB die In­fla­ti­ons­er­war­tun­gen sta­bil und in der Nä­he des an­ge­peil­ten Zie­les hal­te, so Con­s­tân­cio an­fangs die­ser Woche. Die Che­fin des In­ter­na­tio­na­len Wäh­rungs­fonds (IWF), Chris­ti­ne La­g­ar­de, warn­te un­ter­des­sen, dass die Kri­se in Eu­ro­pa trotz der kon­junk­tu­rel­len Er­ho­lung noch nicht aus­ge­stan­den sei. Dass ei­ni­ge Eu­ro­län­der ih­re Hilfs­pro­gram­me er­folg­reich ab­schlies­sen konn­ten, heis­se noch nicht, dass die Kri­se vor­bei und die Mis­si­on des IWF er­füllt sei, so La­g­ar­de in ei­nem In­ter­view. Die IWF-Che­fin for­der­te zu­dem die eu­ro­päi­schen Wäh­rungs­hü­ter auf, «wei­ter­hin Wachs­tums­im­pul­se» zu ge­ben. Vor al­lem müs­se aber die Wett­be­werbs­fä­hig­keit der Län­der ver­bes­sert wer­den – hier sei­en vor al­lem die Re­gie­run­gen ge­for­dert.

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