Gros­ses Ki­no

Finanz und Wirtschaft - - UNTERNEHMEN - MA­RA BER­NATH

Auch – oder eben ge­ra­de – in wirt­schaft­lich schwie­ri­gen Zei­ten klin­geln die Ki­no­kas­sen. Um es in Ste­ven Spiel­bergs Wor­ten zu sa­gen: «Ki­no ist ein Vor­wand, sein ei­ge­nes Le­ben für ein paar St­un­den zu ver­las­sen.» Der Ki­no­be­such er­freut sich un­ge­bro­che­ner Be­liebt­heit: Seit 2007 ha­ben welt­weit jähr­lich rund 7 Mrd. Men­schen das Ki­no be­sucht, mel­det die Unesco.

Der Bri­te fin­det sich durch­schnitt­lich drei Mal pro Jahr im Ki­no­ses­sel wie­der, was den Bran­chen­lea­der Ci­ne­world (LSE: CI­NE, 330 p Kurs am Frei­tag, Markt­ka­pi­ta­li­sie­rung: 911 Mio. £) freut. Der ein­zi­ge an der Bör­se ge­han­del­te Ki­no­be­trei­ber der In­sel hat in den letz­ten Jah­ren ein be­acht­li­ches Wachs­tum an den Tag ge­legt. Um das An­ge­bot aus­zu­wei­ten, wur­de 2012 die Ar­thouse-Ki­no­ket­te Picturehouse er­wor­ben. Die bri­ti­schen Wett­be­werbs­hü­ter stell­ten je­doch ei­ne zu ho­he Markt­kon­zen­tra­ti­on fest, wo­durch sich das Über­nah­me­po­ten­zi­al im Heim­markt als aus­ge­reizt er­weist.

So be­gann Ci­ne­world-Grün­der Ste­ve Wie­ner, sich nach neu­en Über­nah­me­zie­len um­zu­se­hen. Im Ja­nu­ar ha­ben die Bri­ten die 500 Mio. £ schwe­re Ak­qui­si­ti­on der an der War­schau­er Bör­se ko­tier­ten Ci­ne­ma Ci­ty In­ter­na­tio­nal (CCI) be­kannt­ge­ge­ben. Ob­wohl es sich fi­nan­zi­ell um ei­ne Über­nah­me han­delt, ist es aus ope­ra­ti­ver Sicht ei­ne Fu­si­on un­ter Glei­chen: CCI ist der gröss­te Ki­no­be­trei­ber in Is­ra­el, Zen­tral- und Ost­eu­ro­pa. Das neu zu­sam­men­ge­schlos­se­ne Un­ter­neh­men ver­fügt über mehr als 1800 Lein­wän­de in 201 Ki­nos und ist das zweit­gröss­te sei­ner Art in Eu­ro­pa. Wäh­rend die Be­kannt­ga­be der Ak­qui­si­ti­on den Ak­ti­en­kurs kurz­fris­tig stei­gen liess, ebb­te die Eu­pho­rie bald ab. Grund für die Zu­rück­hal­tung der In­ves­to­ren könn­te die ver­än­der­te Ka­pi­tal­struk­tur des kom­bi­nier­ten Un­ter­neh­mens sein. Im Zu­ge der Ak­qui­si­ti­on hat sich die Net­to­ver­schul­dung von 136 auf 277 Mio. £ ver­dop­pelt.

Der Kurs­ver­lust dürf­te al­ler­dings zu scharf aus­ge­fal­len sein. Dank dem ho­hen Mit­tel­zu­fluss aus Ge­schäfts­tä­tig­keit sind die Schul­den bald ab­ge­baut. Die Furcht vor ei­nem «un­er­fah­re­nen Ma­nage­ment» ist eben­falls un­be­grün­det. In Mos­he «Moo­ky» Grei­din­ger hat Wie­ner nach acht­zehn Jah­ren als CEO ei­nen er­fah­re­nen Nach­fol­ger ge­fun­den; die Fa­mi­lie Grei­din­ger führt CCI schon in vier­ter Ge­ne­ra­ti­on. Die neue Füh­rungs­rie­ge wird den Wachs­tums­kurs fort­set­zen, ins­be­son­de­re im viel­ver­spre­chen­den ost­eu­ro­päi­schen Ki­no­markt, der – so­wohl was die Lein­wän­de pro Per­son als auch die An­zahl Ki­no­be­su­che be­trifft – at­trak­ti­ves Ent­wick­lungs­po­ten­zi­al bie­tet. Auf Ba­sis des für 2015 ge­schätz­ten Ge­winns be­trägt das Kurs-Ge­winn-Ver­hält­nis 13 und liegt da­mit un­ter dem Bran­chen­mit­tel von 17, was für den ri­si­ko­fä­hi­gen An­le­ger ei­ne Kauf­ge­le­gen­heit dar­stellt.

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