Dol­lar-Bul­len brau­chen Ge­duld

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE - PR

Zwei Ent­wick­lun­gen ha­ben vie­le In­ves­to­ren im lau­fen­den Jahr auf dem fal­schen Fuss er­wischt: Die Markt­ren­di­ten sind nicht ge­stie­gen, und der Dol­lar hat sich nicht auf­ge­wer­tet. Bis vor der Er­ho­lung vor Wo­chen­frist lag er so­gar so­wohl zum Eu­ro als auch zum Fran­ken im Mi­nus. Die bei­den Über­ra­schun­gen hän­gen mit­ein­an­der zu­sam­men.

Ob­schon die US-No­ten­bank Fed be­gon­nen hat, das An­lei­hen­kauf­pro­gramm aus­lau­fen zu las­sen ( Ta­pe­ring), und sich das En­de der Null­zins­po­li­tik 2015 ab­zeich­net, sind die Markt­ren­di­ten vor al­lem am lan­gen En­de der Zins­kur­ve ge­fal­len. Da­mit ging ein star­kes Ar­gu­ment für den Dol­lar ver­lo­ren. Denn stei­gen­de Ren­di­ten bei US-Tre­a­su­ries ma­chen Dol­lar­an­la­gen at­trak­ti­ver. Mehr Ka­pi­tal bleibt in den USA. Wie die Gra­fik zeigt, war der Zu­sam­men­hang zwi­schen Dol­lar­kurs und dem Ver­lauf der US-Lang­frist­zin­sen im Herbst des ver­gan­ge­nen Jah­res sehr aus­ge­prägt. Da­nach wa­ren an­de­re Fak­to­ren wie et­wa die Konjunktur in Eu­roland, die schrump­fen­de Bi­lanz der EZB und die enor­men Ka­pi­tal­zu­flüs­se in die An­lei­hen­märk­ten der Eu­ro­pe­ri­phe­rie die Haupt­trei­ber.

Ein in der Re­gel zu­ver­läs­si­ger Be­stim­mungs­fak­tor für Wech­sel­kurs­schwan­kun­gen ist die Zins­dif­fe­renz. Wenn zum Bei­spiel das Zins­ni­veau in den USA deut­lich über dem in der Eu­ro­zo­ne liegt, neh­men In­ves­to­ren güns­ti­ge Kre­di­te in Eu­ro auf, um in hö­he­re ren­tie­ren­de Dol­lar­an­la­gen zu in­ves­tie­ren. Durch die­se Car­ry Tra­des wer­den mehr Dol­lar als Eu­ro nach­ge­fragt, das drückt auf den Eu­ro-Dol­lar-Wech­sel­kurs. Der Dol­lar wird ten­den­zi­ell stär­ker. Tat­säch­lich hat sich seit An­fang Jahr die Zins­dif­fe­renz zwi­schen Dol­lar und Eu­ro leicht aus­ge­wei­tet, den­noch pro­fi­tier­te der Dol­lar dies­mal da­von nicht.

In den letz­ten Ta­gen hat sich der Gre­en­back et­was er­holt, von 0.874 auf 0.89 Fr. Sol­che Be­we­gun­gen zu­guns­ten des Dol­lars dürf­te es in den kom­men­den Mo­na­ten öf­ters ge­ben. Denn fun­da­men­tal spricht un­ge­ach­tet des schwa­chen Jah­res­be­ginns mehr für den Dol­lar als für den Eu­ro, an des­sen Schick­sal auch der Fran­ken hängt. Wäh­rend das Fed nä­her an ei­ner Nor­ma­li­sie­rung der Geld­po­li­tik ist, muss die EZB ge­gen die De­fla­ti­on Mass­nah­men er­grei­fen. Haus­halt- und Leis­tungs­bi­lanz­de­fi­zit der USA sind am Schrump­fen und das Wachs­tums­po­ten­zi­al ist grös­ser als dies­seits des At­lan­tiks. Zu­dem schei­nen die An­lei­hen­märk­te der Eu­ro­zo­ne nach der Ral­ly aus­ge­reizt, und der Zuf­luss von aus­län­di­schem Ka­pi­tal dürf­te nach­las­sen.

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