Eis­hei­li­ge am Markt?

Finanz und Wirtschaft - - MONITOR - PHIL­IPP SCHÖTT­LER,

Nicht nur wet­ter­mäs­sig er­leb­ten wir die­se Woche ei­nen Tem­pe­ra­tur­rück­gang, auch an den Ak­ti­en­märk­ten kam es zu ei­ner Ab­küh­lung. Recht schwa­che Wachs­tums­da­ten aus Eu­ro­pa und den USA lies­sen in der zwei­ten Wo­chen­hälf­te Zwei­fel an der Nach­hal­tig­keit des Auf­wärts­trends auf­kom­men. Die Wirt­schaft der Eu­ro­zo­ne war im ers­ten Quar­tal mit 0,2% nur halb so stark ge­wach­sen wie er­war­tet. Gleich­zei­tig ent­täusch­te der Rück­gang der US-In­dus­trie­pro­duk­ti­on im April. Der S&P 500 ver­lor seit Mitt­woch 1,5%, und der Dax fiel 1,4%, nach­dem er am frü­hen Don­ners­tag noch ein All­zeit­hoch bei über 9800 Punk­ten er­reicht hat­te. Auch An­lei­hen der eu­ro­päi­schen Pe­ri­phe­rie­län­der ge­rie­ten zwi­schen­zeit­lich un­ter Druck. Gleich­zei­tig san­ken die Ren­di­ten ver­meint­lich si­che­rer Staats­an­lei­hen wei­ter. Der zehn­jäh­ri­ge US-Tre­a­su­ry han­del­te zu­letzt bei 2,5% und da­mit so tief wie seit Ok­to­ber nicht mehr.

An­de­re Da­ten deu­ten aber wei­ter­hin auf ein gu­tes Wachs­tums­um­feld hin. So un­ter­schrit­ten die Neu­an­trä­ge auf Ar­beits­lo­sen­un­ter­stüt­zung in den USA die­se Woche zum ers­ten Mal seit 2006 die Mar­ke von 300 000. Auch der Im­mo­bi­li­en­markt über­rasch­te po­si­tiv, und die stei­gen­den Un­ter­neh­mens­ge­win­ne spre­chen wei­ter­hin für hö­he­re Ak­ti­en­prei­se. So­mit ist in den kom­men­den Wo­chen ei­ne Wet­ter­bes­se­rung auf den Ak­ti­en­märk­ten wahr­schein­lich.

Ak­ti­en fol­gen Zin­sen nach un­ten – Wet­ter­bes­se­rung wahr­schein­lich

In­di­en­wahl treibt Kur­se

In Ja­pan war das Wirt­schafts­wachs­tum im ers­ten Quar­tal mit 1,5% über­ra­schend stark und ver­teu­er­te den Yen et­was auf zu­letzt 101.5 Yen/$. Al­ler­dings lässt sich der plötz­li­che Wachs­tums­schub vor al­lem durch vor­ge­zo­ge­ne In­ves­ti­tio­nen und Ein­käu­fe vor der Mehr­wert­steu­er­er­hö­hung im April er­klä­ren. Den­noch könn­te der der­zei­ti­ge Schwung in der Wirt­schaft wei­te­re geld­po­li­ti­sche Mass­nah­men in den nächs­ten Mo­na­ten über­flüs­sig ma­chen.

In­di­sche An­la­gen konn­ten sich die­se Woche dem all­ge­mei­nen Ab­wärts­trend ent­zie­hen. Der sich ab­zeich­nen­de Wahl­sieg von Op­po­si­ti­ons­füh­rer Na­ren­dra Mo­di bei der Par­la­ments­wahl ver­half dem in­di­schen Ak­ti­en­markt zu ei­nem Hö­hen­flug. Der Leit­in­dex Sen­sex stieg seit An­fang der Woche um fast 5% und liegt jetzt 14% über dem Ni­veau zu Jah­res­be­ginn. Auch in­di­sche An­lei­hen und die Ru­pie leg­ten kräf­tig zu. Vom de­si­gnier­ten Pre­mier­mi­nis­ter Mo­di er­hof­fen sich vie­le Re­for­men und In­ves­ti­tio­nen in die zum Teil de­so­la­te In­fra­struk­tur. Mit ei­nem ent­spre­chen­den Pro­gramm lös­te Mo­di in dem von ihm re­gier­ten Bun­des­staat Gu­ja­rat be­reits ei­nen Boom aus. Seit­her gilt er als wirt­schafts­freund­lich. Sein Wahl­sieg wird of­fen­sicht­lich auch von An­le­gern be­grüsst, die auf ei­ne Rück­kehr der gröss­ten De­mo­kra­tie der Welt zu al­ter Stär­ke hof­fen.

Eu­ro-Ral­ly zu En­de?

Die Eu­ro­zo­ne hat zwar bei Wei­tem noch nicht zu ih­rer Stär­ke vor der Wäh­rungs­kri­se zu­rück­ge­fun­den, aber der Trend war zu­letzt klar po­si­tiv. Der Eu­ro be­fand sich seit Län­ge­rem im Auf­wind. Al­lein über die ver­gan­ge­nen zwölf Mo­na­te wer­te­te die ehe­ma­li­ge Kri­sen­wäh­rung ge­gen­über dem Dol­lar um fast 7% auf. Die­ser Trend könn­te jetzt al­ler­dings ein En­de ge­fun­den ha­ben. Ver­gan­ge­ne Woche noch hat­te der Kurs bei­na­he die wich­ti­ge Gren­ze von 1.40 $/€ über­schrit­ten – der höchs­te Stand seit 2011. Dann ging’s rasch berg­ab bis auf et­was über 1.37 $/€ am Frei­tag. Grün­de für ei­ne wei­te­re Eu­ro­schwä­che gibt es ge­nug.

Zu­nächst ein­mal ist die US-Wirt­schaft im Kon­junk­tur­zy­klus deut­lich wei­ter fort­ge­schrit­ten als die Län­der der Eu­ro­zo­ne. Die US-Ar­beits­lo­sen­quo­te liegt bei ge­ra­de noch 6,3% ver­gli­chen mit 11,8% in Eu­ro­pa. Der Dol­lar soll­te mit­tel­fris­tig von der stär­ke­ren Wirt­schaft pro­fi­tie­ren. Auch spre­chen die der­zeit gröss­ten Ri­si­ken (Ukrai­ne-Kri­se, Eu­ro­pa­wahl im Mai, Ban­ken-Stress­test) ge­gen wei­te­re Geld­flüs­se in die Ge­mein­schafts­wäh­rung.

Am wich­tigs­ten für die er­war­te­te Eu­ro­schwä­che ist aber die un­ter­schied­li­che Ent­wick­lung der Geld­po­li­tik. EZB-Prä­si­dent Ma­rio Draghi deu­te­te zu­letzt wei­te­re Lo­cke­rungs­mass­nah­men im Ju­ni an, wäh­rend in den USA ei­ne wahr­schein­li­che ers­te Zins­er­hö­hung Mit­te 2015 im­mer nä­her­rückt.

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