Me­tall be­hält Kauf­kraft

Finanz und Wirtschaft - - ROHSTOFFE/DERIVATIVE INSTRUMENTE - STEPHAN MÜL­LER,

DIn­dus­trie- und Edelmetalle schüt­zen vor In­fla­ti­on.

er Prä­si­dent der Eu­ro­päi­schen Zen­tral­bank (EZB), Ma­rio Draghi, lässt kei­ne Zwei­fel auf­kom­men, dass sämt­li­che Re­gis­ter ge­zo­gen wer­den, um die Ri­si­ken ei­ner an­hal­tend tie­fen In­fla­ti­on zu be­kämp­fen. Der Grund ist ein­fach: So­wohl die EZB als auch die US-No­ten­bank Fed ha­ben die Tief­zins­po­li­tik und die Po­li­tik der ex­pan­si­ven Geld­men­ge aus­ge­reizt, und das da­mit er­kauf­te Wachs­tums­po­ten­zi­al ma­te­ria­li­siert sich nur zö­ger­lich in der Re­al­wirt­schaft. Es be­steht so­mit das Ri­si­ko ei­ner De­fla­ti­ons­spi­ra­le, mit fal­len­den Prei­sen, Zu­rück­hal­tung des Kon­sums und wei­ter fal­len­den Prei­sen. Mit 0,5% im März und 0,7% im April liegt die In­fla­ti­ons­ra­te in der Eu­ro­zo­ne si­gni­fi­kant un­ter dem of­fi­zi­el­len In­fla­ti­ons­ziel von na­he 2%.

Die EZB und das Fed wer­den da­her mit al­len Mit­teln ver­su­chen, ei­ne hö­he­re In­fla­ti­ons­ra­te zu er­rei­chen. Auch des­halb, weil ei­ne hö­he­re Teue­rung ei­nen wei­te­ren be­deu­ten­den Vor­teil hat: Sie frisst suk­zes­si­ve den gi­gan­ti­schen Schul­den­berg der Staa­ten weg, der sich durch die ex­pan­si­ve Fis­kal­po­li­tik und die Steu­er­aus­fäl­le seit 2008 auf­ge­türmt hat.

Das ist für die An­le­ger ein­schnei­dend. In­fla­ti­on ist ei­ne Form der Ent­eig­nung, die nicht durch ei­ne äqui­va­len­te Er­satz­leis­tung kom­pen­siert wird.

Der Ver­lust der Kauf­kraft durch In­fla­ti­on ist auch bei re­la­tiv ge­rin­gen Teue­rungs­ra­ten über län­ge­re Zeit be­acht­lich: Wird das In­fla­ti­ons­ziel von 2% er­reicht, wer­den in 35 Jah­ren 50% der ak­tu­el­len Kauf­kraft ver­nich­tet sein. Das ist an­ge­sichts ei­ner durch­schnitt­li­chen In­fla­ti­on von 2,2% in der Eu­ro­zo­ne seit 1991 ein durch­aus rea­lis­ti­sches Sze­na­rio.

Für An­le­ger stellt sich al­so die Fra­ge, wie sie ih­re ak­tu­el­le Kauf­kraft in die Zu­kunft trans­fe­rie­ren kön­nen. Edel- und In­dus­trie­me­tal­le eig­nen sich als pro­ba­te Re­al­wer­te ge­gen die In­fla­ti­ons­po­li­tik. Sie ha­ben die Qua­li­tät un­ver­schul­de­ter Wäh­run­gen und kön­nen nicht durch No­ten­ban­ken be­lie­big ver­mehrt wer­den.

Ei­ner­seits sind die Vor­kom­men der Me­tal­le nicht unend­lich, und an­de­rer­seits füh­ren weit ver­brei­te­te An­wen­dun­gen und Ma­te­ri­al­ver­lus­te beim Re­cy­cling zu ei­nem kon­ti­nu­ier­li­chen Ver­brauch. Auf­grund der lan­gen Zeit­span­ne von 35 Jah­ren und der zu er­war­ten­den Wirt­schafts­zy­klen bie­tet es sich an, auf ver­schie­de­ne Me­tal­le zu set­zen, da so Pha­sen von Ri­si­ko­aver­si­on und Ri­si­ko­freu­de über lan­ge Frist ab­ge­deckt und Preis­ri­si­ken bes­ser ver­teilt wer­den kön- nen. Gold bie­tet sich vor al­lem dann an, wenn die Ri­si­ko­aver­si­on an den Fi­nanz­märk­ten gross ist, wäh­rend Pal­la­di­um und Pla­tin von der Pro­duk­ti­on um­welt­freund­li­cher Ver­bren­nungs­mo­to­ren und Ka­ta­ly­sa­to­ren pro­fi­tie­ren. Kup­fer und Ni­ckel stei­gen in Wachs­tums­pha­sen und de­cken un­ter­schied­li­che Zy­klen ab. Die Ent­wick­lung der Prei­se der er­wähn­ten Me­tal­le von 1991 bis 2014 un­ter­streicht, dass sie gleich ge­wich­tet ei­nem Port­fo­lio hin­zu­ge­fügt die In­fla­ti­on deut­lich über­tref­fen und da­mit zum Er­halt der Kauf­kraft bei­tra­gen. Die Me­tal­le ver­buch­ten ein Plus zwi­schen 3,6% (Ni­ckel) und knapp 10% (Pal­la­di­um).

Auch in die­sem Jahr hät­te sich die Bei­mi­schung im Port­fo­lio ge­lohnt. Gold, Pal­la­di­um und Ni­ckel ha­ben seit Jah­res­be­ginn deut­lich an Wert ge­won­nen, wäh­rend der Kup­fer­preis ge­fal­len ist. Gold hat sei­ne Qua­li­tät als Mit­tel zur Ri­si­ko­di­ver­si­fi­ka­ti­on be­wie­sen und ist 8% avan­ciert. Pla­tin ist eben­falls rund 8% ge­stie­gen, Pal­la­di­um 15% und Ni­ckel gar 44%, da sie ins­be­son­de­re auf die dro­hen­den Ver­sor­gungs­eng­päs­se we­gen der Russlandkrise und die Mi­nen­streiks in Süd­afri­ka re­agier­ten.

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