Glau­bens­krieg Ge­winn­mar­gen

Finanz und Wirtschaft - - VORDERSEITE -

Die Fra­ge, ob die auf­fäl­lig ho­hen Ge­winn­mar­gen der US-Un­ter­neh­men struk­tu­rell oder vor­über­ge­hend sind, spal­tet die In­ves­to­ren­gil­de. Pes­si­mis­ti­sche Stim­men be­fürch­ten ei­nen Rück­fall auf das lang­fris­ti­ge Durch­schnitts­ni­veau, wenn das Bud­get­de­fi­zit schrumpft und die Haus­hal­te mehr spa­ren. An die­ser Sicht­wei­se wird von den Op­ti­mis­ten kri­ti­siert, dass der An­teil der In­ves­ti­tio­nen aus den Er­spar­nis­sen igno­riert wird. Für sie ist der An­stieg der Ge­winn­mar­gen lang­fris­tig und struk­tu­rell, und vor al­lem die Fol­ge des tech­no­lo­gi­schen Fort­schritts und der sin­ken­den Zins­kos­ten. Im Herbst lässt die US-No­ten­bank Fed die drit­te Run­de der quan­ti­ta­ti­ven Lo­cke­rung aus­lau­fen. Die bis­he­ri­gen Er­fah­run­gen mit dem ver­such­ten Aus­stieg aus der un­kon­ven­tio­nel­len Geld­po­li­tik spre­chen für ei­ne grös­se­re Kor­rek­tur an den Fi­nanz­märk­ten. Auch in ver­gan­ge­nen Wirt­schafts- und Bör­sen­zy­klen führ­te der geld­po­li­ti­sche Rich­tungs­wech­sel je­weils zu ei­ner raue­ren Gan­gart an den Märk­ten.

An­ders als frü­her könn­ten dies­mal aber an­de­re No­ten­ban­ken in die Bre­sche sprin­gen. Der Markt er­war­tet schon lan­ge Ta­ten von der Eu­ro­päi­schen Zen­tral­bank, die sich bis­her mit Wor­ten be­gnügt hat. Schon an der nächs­ten Sit­zung des EZBRats von An­fang Ju­ni dürf­ten die mo­ne­tä­ren Zü­gel ge­lo­ckert wer­den. Auch in Ja­pan und Chi­na sind zu­sätz­li­che Lo­cke­rungs­übun­gen denk­bar. Die ent­spre­chen­den Wäh­rungs­be­we­gun­gen – schwa­cher Eu­ro, Yen und Ren­min­bi – dürf­ten die lo­ka­len Bör­sen be­flü­geln. Un­ter Li­qui­di­täts­ent­zug lei­den könn­te der US-Markt – al­len vor­an die klein­ka­pi­ta­li­sier­ten Wer­te, die Fe­dern las­sen müs­sen, seit das Fed im Ja­nu­ar die Dros­se­lung der An­lei­hen­käu­fe in An­griff ge­nom­me­nen hat. In­ves­to­ren soll­ten die asyn­chro­ne Geld­po­li­tik in ih­ren Ent­schei­dun­gen be­rück­sich­ti­gen.

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