Kein Aus­weg aus Thai­lands Kri­se

Finanz und Wirtschaft - - MEINUNG -

Aus­nah­me­zu­stand – ein hilf­lo­ser Schritt der Ar­mee.

Thai­land rutscht im­mer mehr in das po­li­ti­sche Cha­os ab. Mit der Aus­ru­fung des Aus­nah­me­zu­stan­des in der Nacht vom Mon­tag auf den Di­ens­tag hat sich die Ar­mee zwi­schen die An­hän­ger der po­pu­lis­ti­schen Pheu Thai Par­tei der An­fang Mai vom Ver­fas­sungs­ge­richt ab­ge­setz­ten Pre­mier­mi­nis­te­rin Ying­luck Shina­wa­tra und die Pro­po­nen­ten ei­nes au­to­ri­tä­re­li­tä­ren Re­gie­rungs­sys­tems ge­stellt.

Un­mit­tel­bar kann da­mit viel­leicht wei­te­res Blut­ver­gies­sen ver­hin­dert wer­den. Doch ist mit dem Ein­mi­schen der Mi­li­tärs in die In­nen­po­li­tik die seit Jah­ren an­hal­ten­de Kri­se des rund sieb­zig Mil­lio­nen Ein­woh­ne­rin­nen und Ein­woh­ner zäh­len­den Kö­nig­reichs nicht ent­schärft, son­dern nur wei­ter kom­pli­ziert wor­den.

Wäh­rend die po­li­ti­sche Ent­wick­lung heu­te weit of­fen bleibt, tre­ten die von den seit Jah­ren an­hal­ten­den Un­ru­hen ver­ur­sa­chen Schä­den zu­neh­mend deut­lich zu­ta­ge. Im ers­ten Quar­tal des lau­fen­den Jah­res ist das Brut­to­in­land­pro­dukt der zweit­gröss­ten süd­ost­asia­ti­schen Volks­wirt­schaft 0,6% ge­schrumpft, dies als Fol­ge ei­nes In­ves­ti­ti­ons­ein­bruchs ge­gen­über dem Vor­jah­res­zeit­raum. Das die thai­län­di­sche Re­gie­rung be­ra­ten­de Na­tio­nal Eco­no­mic and So­ci­al De­ve­lop­ment Bo­ard hat die Wachs­tums­pro­gno­se für 2014 An­fang Woche denn auch von 3 bis 4% auf noch 1,5 bis 2% hal­biert.

Ein Aus­weg aus der Kri­se ist ge­gen­wär­tig um­so schwie­ri­ger zu fin­den, als sich we­gen des schlech­ter wer­den­den Ge­sund­heits­zu­stands des 86 Jah­re al­ten Kö­nigs Bhu­mi­bol Adu­lya­dej ein Macht­va­ku­um auf­ge­tan hat. Bhu­mi­bol sitzt seit nun­mehr 68 Jah­ren auf dem Thron. In die­ser Zeit ist aus ei­nem tra­di­tio­nel­len Agrar­land ei­ne auf­stre­ben­de In­dus­trie­na­ti­on ge­wor­den.

Wäh­rend der Mon­arch in sei­ner lan­gen Amts­zeit die wirt­schaft­li­che Öff­nung stets be­grüsst hat, so hat er doch die Mo­der­ni­sie­rung der staat­li­chen In­sti­tu­tio­nen ge­bremst. Da­mit hat sich der Gr­a­ben zwi­schen der al­ten Eli­te von Aris­to­kra­ten, Be­am­ten und Gross­grund­be­sit­zern auf der ei­nen und ei­ner neu­en Schicht von Un­ter­neh­mern, In­dus­trie­ar­bei­tern und vor al­lem auch Land­wir­ten auf der an­de­ren Sei­te ge­fähr­lich weit ge­öff­net.

Die Ar­mee, die seit 1932 schon elf Staats­strei­che durch­ge­führt hat, hat­te bis­her letzt­mals 2006 – un­ter ähn­li­chen Um­stän­den wie sie heu­te be­ste­hen – mit Dul­dung des Kö­nigs ei­nen ge­wähl­ten Pre­mier­mi­nis­ter aus dem Amt ge­putscht. Al­ler­dings ga­ben die Ge­ne­rä­le nicht zu­letzt we­gen der an­hal­ten­den an­ge­spann­ten in­nen­po­li­ti­schen Si­tua­ti­on und vor al­lem auch we­gen der sich zu­se­hends ver­schlech­tern­den wirt­schaft­li­chen La­ge die Macht bald schon wie­der in zi­vi­le Hän­de zu­rück.

Ge­ra­de weil sich die thai­län­di­schen Mi­li­tärs im­mer wie­der in die In­nen­po­li­tik ein­ge­mischt ha­ben, sind sie als Ord­nungs­fak­tor we­nig glaub­wür­dig. Die Kri­se kann nicht mit pa­trouil­lie­ren­den Sol­da­ten in den Strassen Bang­koks, son­dern nur durch in­sti­tu­tio­nel­le Re­for­men be­wäl­tigt wer­den. Ein da­zu nö­ti­ger po­li­ti­scher Kon­sen­sus ist ge­gen­wär­tig je­doch nicht in Sicht. Da­mit dürf­te sich die Ab­wärts­spi­ra­le wei­ter dre­hen.

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